Julian Alaphilippe, Mathieu van der Poel und Tadej Pogacar vor der 3. Etappe der Tour de France 2021 Julian Alaphilippe, Mathieu van der Poel und Tadej Pogacar vor der 3. Etappe der Tour de France 2021

Sonnenbrillen von 90 bis 250 Euro

Shieldbrillen für Rennradfahrer im TOUR-Test

Matthias Borchers am 09.06.2021

Profis sieht man kaum noch ohne, und auch viele Hobbysportler stehen auf riesige Shield-Sonnenbrillen. Wir wollten wissen, was die XXL-Scheiben taugen und haben ein Dutzend Modelle zwischen 90 und 250 Euro getestet

Die Radbrille ist für Radler in doppelter Hinsicht wertvoll: Sie ist wichtig als Schutz für die Augen – und als Modeaccessoire unterstreicht sie den persönlichen Stil. Aktuell angesagt sind Brillen mit Scheiben im Panorama-Format. Abgesehen von modischen Aspekten lautet die spannende Frage, ob die XXL-Scheiben auch XXL-Schutz und -Sicht bieten.

Welche Tönung brauche ich?

Für den mitteleuropäischen Sommer empfehlen sich getönte Gläser der Kategorie 3 oder 2. Diese lassen zwischen 10 und 40 Prozent des Sonnenlichts durch und gelten tagsüber als tauglich für den Straßenverkehr. „Die Tönung sollte sich aber auch an der Sehkraft des Radlers orientieren“, rät Jens Heymer, Dozent für Sportoptik aus Bielefeld. Er rät von zu dunkel getönten Gläsern ab, da sie die Sicht in schattigen Wäldern oder schlecht beleuchteten Tunnels gefährlich einschränken können. Die Tönung hat übrigens keinen Einfluss auf den Schutz vor schädlicher UV-Strahlung, selbst klare Scheiben können UV-Schutz bieten. Häufig verwendetes Material für Brillengläser ist Polycarbonat; es ist robust und lässt sich gut formen. Eine Verspiegelung nehmen die meisten Radsportler als modisches Thema wahr, sie kann jedoch auch den Blendschutz verbessern und Reflexionen vermindern. Nach unserer Erfahrung sind verspiegelte Scheiben sehr empfindlich gegen Kratzer – beziehungsweise sieht man sie im Gegensatz zu einer nur getönten dunklen Scheibe auch sofort.

Doppelte Gläserfläche bei Shieldbrillen

Insgesamt sind ein Dutzend Hersteller unserer Einladung gefolgt und haben Test-Brillen mit EC-zertifiziertem UV-Schutz und fester Tönung (meist Kategorie 3) eingesandt. Die günstigsten Modelle für 90 Euro kommen von Scott und Uvex, die teuersten mit Preisen über 200 Euro von Bollé, POC und Smith. Die größten Visiere haben die Brillen von 100Percent, Bollé, POC und Rudy Project. Im Vergleich zu herkömmlichen Radbrillen mit zwei getrennten Gläsern ist deren Fläche mit etwa 80 Quadratzentimetern fast doppelt so groß. Die Brille von Smith ist das einzige rahmenlose Modell im Vergleich.

Achtung bei der Passform

An vielen XXL-Brillen setzen die Bügelscharniere nicht auf Höhe der Scheibenoberkante an, sondern tiefer. Je nachdem, wie der Nasenausschnitt geformt ist, kann das den Sitz der Brille und die Position der Scheibe vor den Augen entscheidend beeinflussen – und damit auch das Sichtfeld sowie den Schutz der Augen. Trifft beispielsweise der schlanke Ausschnitt der Rudy-Project-Brille auf einen breiten Nasenrücken, sitzt die Scheibe so hoch, dass sie mit Augenbrauen und Stirn kollidieren kann, während am unteren Rand der Fahrtwind in die Augen pfeift und die Rahmenkante das Blickfeld stört. Weitaus flexibler und anpassungsfähiger präsentieren sich die Modelle von Bollé, Glorify oder Scott; die Bügelenden der Bollé sind allerdings nicht gummiert und halten deswegen nicht ganz so gut.

Optisch gut ist nicht gleich teuer

Die Abbildungsleistung der Brillenscheiben haben wir mithilfe zweier Laserpointer gemessen, die auf ein Fadenkreuz zielen. Bei diesem Test trafen nicht alle Brillen ins Ziel. In der Praxis bedeutet das, dass ihre Scheiben den Blick leicht verzerren können und man beispielsweise Hindernisse nicht in der richtigen Entfernung sieht. Ein astreines Bild liefern in dieser Kategorie die Brillen von Bollé, Oakley, Rudy Project und Smith. Über sehr robuste und kratzfeste Scheiben verfügen die Brillen von POC, Alpina oder Smith.

Fotostrecke: Shield Sonnenbrillen

Fazit: Überraschend ist, dass selbst sehr teure Modelle wie die 100Percent keine einwandfreie Optik bieten; andere lassen sich nicht individuell anpassen, und man kann die Scheibe nicht wechseln, wie beispielsweise bei der Rudy Project. Zudem zeigt der Praxistest von einem Dutzend Modellen, dass die Riesenscheiben nicht zwangsläufig besser sind als kleinere Kaliber. Ihr Potenzial als Beschützer vor Fahrtwind und Insekten bei freier Sicht auf Straße und Cockpit können sie lediglich dann ausspielen, wenn sie satt auf der Nase sitzen und sich gleichermaßen eng wie komfortabel an den Kopf schmiegen. Wer das nicht beherzigt, sieht mit der neuen Brille zwar cool aus, hat jedoch nicht den optimalen Durchblick.

Zwölf Shield-Sonnebrillen im Test

Marke Modell Preis
100PERCENT S3* 189 Euro
ALPINA Ram Q-Lite* 100 Euro
BOLLÉ Chronoshield* 230 Euro
GLORIFY G20* 189 Euro
JULBO Rush* 120 Euro
KOO Spectro Demos 159 Euro
OAKLEY Sutro Lite* 166 Euro
POC Devour Aim Aspire* 249 Euro
RUDY PROJECT Spinshield* 120 Euro
SCOTT Shield* 90 Euro
SMITH Attack Mag Max* 230 Euro
UVEX Sportstyle 228* 90 Euro

 

Pflegetipps für ihre Sonnenbrille

Die Scheiben von Sonnenbrillen sind empfindlich – besonders der Antibeschlagschutz innen oder die Verspiegelungen außen. Der Sport-Optiker und aktive Radsportler Simon Tepasse aus Bocholt nennt die wichtigsten Pflegetipps:

  • Leichte Verschmutzungen, wie Fingerabdrücke, entfernt man am besten mit dem mitgelieferten Mikrofasertuch.
  • Dreckspritzer oder getrockneten Schweiß mit Wasser und einem Tropfen Shampoo oder Duschgel kurz einweichen und mit lauwarmem Wasser abspülen.
  • Papiertaschentücher oder Küchenpapier sind für die Reinigung ungeeignet. Das darin enthaltene Holz im Zellstoff kann die Oberfläche zerkratzen.
  • Keine alkoholgetränkten Brillenputztücher für Kunststoffscheiben verwenden; sie eignen sich ausschließlich für Echtglas.
  • Keine haushaltsüblichen Spülmittel verwenden! Deren nichtionische Tenside können die Beschichtungen aufquellen lassen und aufweichen, sodass sie sich mit der Zeit auflösen.

Korrektur 20. Juli 2021: Bei der Testsieger Brille von Smith, handelt es sich nicht wie ursprünglich benannt um die "Shift Mag", sondern um die "Attack Mag Max". Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

Den vollständigen Test mit detaillierten Noten zu optischer Güte, Kratzfestigkeit, Ausstattung und Handling finden Sie unten zum Download für 1,99 Euro.

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Matthias Borchers am 09.06.2021
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