Brillen

Selbsttönende Radbrillen

Kuehn am 22.06.2010

Aufsetzen und vergessen: Radbrillen mit selbsttönenden Gläsern wechseln von hell auf dunkel, wenn es die Sonne befiehlt. So sind die Augen stets optimal geschützt – zumindest in der Theorie. Dass die Praxis nicht immer so aussieht, beweist unser Test.

Auf Pass-Abfahrten liegen Radlertraum und Horror dicht beieinander. Wenn das schwarze Loch eines unerwarteten Tunnels den Kurvenrausch unterbricht, geht die Sicht gegen Null, der Adrenalinspiegel gegen Unendlich. Keine Zeit, die dunkle Brille wegzustecken, keine Chance für die Augen, sich anzupassen. Schrecksekunden vergehen, bis zum Licht am Ende des Tunnels. Genial wäre etwas Ähnliches wie bei modernen Autos: Deren Lichter gehen automatisch an, wenn es rundum dunkel wird. Die bescheidene Radlervariante davon wäre der augenblickliche Wechsel von dunkler Sonnen- zu heller Windschutzbrille. Die Werbung verspricht das für selbsttönende (photochromatische) Scheiben. Von “sekundenschneller Anpassung” ist in praktisch allen Katalogen die Rede. Das klingt tunneltauglich, oder zumindest so, als könne eine einzige Brille mit den Wundergläsern alle Lichtsituationen zwischen Dämmerung, trübem Wetter und gleißender Sonne abdecken.

Doch einmal mehr kollidieren Werbung, Wunsch und Wirklichkeit. Selbsttönende Scheiben reagieren in der Tat in Sekundenschnelle, doch nur in begrenztem Umfang. Für den Übergang von “ganz hell” nach “ganz dunkel” brauchen sie nach unseren Messungen mindestens 20 Sekunden. Und der Rückweg? Der ist noch viel länger. Im Laborversuch schaffte es keine Brille mit großem Tönungsumfang, in weniger als einer Minute auch nur 80 Prozent der Anfangshelligkeit zu erreichen. Bis zur völligen Aufhellung vergehen einige Minuten. Von der Tunneltauglichkeit sind sie damit weit entfernt. Und das ist nicht der einzige Wunsch, der unerfüllt bleiben muss.

KURZ & KNAPP

Wer von selbsttönenden Brillen eine augenblickliche Reaktion auf veränderte Helligkeit erwartet, wird enttäuscht. Doch Modelle mit hohem Tönungsumfang passen sich sehr gut an Wetterwechsel oder tageszeitliche Helligkeitsunterschiede an. Sie können in vielen Fällen die Zweit-Radbrille ersetzen.

Die Testergebnisse dieser Modelle finden Sie unten als PDF-Download:

Alpina Taram Varioflex

BBB Attacker PH

Eassun Spirit PH

Oakley Radar G 40 photochromic

Rudy Project Genetyk Impact S photochromic

Shimano S70R-PH

Specialized Miura Adaptalite

Tifosi Logic Fototec

Uvex Active Variomatic

Alles farbecht? Voll abgedunkelt irritiert so manche Tönung

Vorbildlich: winkelverstellbare Bügel wie bei Shimano regeln Sitz und Durchzug

Schlecht geklappt: Bei Tifosi und Shimano können die Enden der zugeklappten Bügel auf Dauer die Scheibe verkratzen

Besserer Sitz: Bei vielen Brillen sind die Nasenauflagen anpassbar

Kuehn am 22.06.2010