Brillen

Radbrillen

Jörg Spaniol am 04.04.2011

Mit polarisierenden, also entspiegelnden, Gläsern versprechen immer mehr Brillenhersteller klare Sicht. Wir haben die Wirkung bei acht Radbrillen getestet. Außerdem im Test: die Sparklasse – Radbrillen unter 50 Euro.

Echte Röntgenbrillen? Bis auf Weiteres braucht’s für den vollen Durchblick wohl telefonzellengroße Hightech-Apparate, mit denen an Flughäfen den Passagieren unter die Wäsche geschaut wird. Aktuelle Spezialbrillen für Radler versprechen immerhin Ähnliches: Ihre Filter, sogenannte Polfilter, machen spiegelnde Flächen durchsichtig. Spiegelnde Windschutzscheiben eines abbiegenden Autos? Kein Problem. Die Pol-Brille zeigt, ob der Fahrer den Radler anschaut. Gleißende Straßennässe, spiegelnder Asphalt? Werden matt schimmernd und blendungsfrei – sagen die Hersteller.

Der Trick der Polfilter ist ein unsichtbares Raster, eine streng parallele Linierung in Molekülgröße. Völlig parallel eintreffendes Licht – und genau das ist eine Blendung – wird aufgehalten, während diffus von einem Gegenstand reflektiertes Licht durchdringt. Weit verbreitet sind Polfilter in der Fotografie. Fotografen setzen sie ein, um Spiegelungen auf nichtmetallischen Flächen zu verringern oder den Himmel kontrastreicher abzubilden. Der entscheidende Unterschied: Ein fotografischer Polfilter ist drehbar. So lässt er sich an unterschiedlich geneigte Flächen anpassen. Die Filter polarisierender Brillengläser sind dagegen immer waagerecht ausgerichtet – und sie eliminieren daher nur waagerechte Spiegelungen.

Was das in der Praxis bedeutet, haben Testfahrten und Alltagseinsätze der Brillen nach und nach zutage gefördert – mit einigen überraschenden Ergebnissen. Zu den unangenehmen Überraschungen gehört der Blackout der Anzeigen mancher elektronischer Geräte. LCD- und LED-Anzeigen, wie sie von der Pulsuhr bis zum Navi oder Computerbildschirm üblich sind, verwenden ebenfalls Polfilter. Ohne sie geht es nicht. Blöderweise überlagern sich die Effekte von Brille und Bildschirm bei manchen Geräten – was in bestimmten Blickwinkeln dazu führen kann, dass man auf dem Bildschirm nur noch Schwarz sieht. Bei Geräten neuester Jahrgänge soll der Effekt seltener auftreten, doch ausschließen lässt sich das nur durch Ausprobieren. Auch beim Autofahren können Polfilter nerven: Sie machen bei Autoscheiben mancher Macharten für den Fahrer ein Raster sichtbar, das bei der Herstellung entsteht.

Die Testergebnisse dieser Radbrillen finden Sie unten als PDF-Download:

• Polarisierende Gläser:

Giro Semi Full

Northwave Blade

Oakley Split Jacket

Rudy Project Magster

Scott Sprint

Swisseye Gadosa Evo

Tifosi Pavé

Uvex Crow Pro

• Brillen unter 50 Euro:

Alpina Guard Shield 2.0

BBB Arriver

Lapre Three

Northwave Tour 

Pro Torque

Tifosi Forza

Uvex Racer

Der Oakley-Klapprahmen erlaubt Glaswechsel ohne Fingerabdrücke

Wenn das Bügelende die Scheibe berührt, drohen Kratzer (Uvex Racer u.a.)

Labor-Trick: Unter Spannung montierte Polfilter (Tifosi, rechts) wirken ungleichmäßig. Homogene Optik dagegen gibt’s bei Scott (links)

Jörg Spaniol am 04.04.2011