Schmiermittel Schmiermittel

Kettenschmierstoffe im Test

TOUR 4/2016: Gleitzeit

Stefan Frey am 11.03.2016

Nur gut geölt arbeitet die Kette mit am seidenweichen Lauf des Rennradgetriebes. Aber welcher Stoff lässt die Kette so verführerisch surrend über die Ritzel gleiten? Wir haben 30 Kettenöle, Wachse und Trockenschmierstoffe im Labor getestet.

Öle, Wachse, Trockenschmierstoffe – Schmiermitel gibt es weit mehr als Glieder an der Fahrradkette. Die Hersteller bieten schon nahezu für jede erdenkliche Wetterlage den passenden Schmierstoff. Da fällt es schwer, den Überblick zu behalten. Entweder setzt man weiterhin auf das klassische Kettenöl, das sich vielleicht schon über Jahre bewährt hat oder man orientiert sich an den Ergebnissen aus unserem Test. Wir haben 19 Hersteller zu unserem großen Vergleichstest eingeladen und gebeten, maximal zwei verschiedene Produkte zum Test einzusenden.

Im Testfeld finden sich die unterschiedlichsten Lösungen für die perfekte Schmierung der Fahrradkette. Klassische Kettenöle zum kleinen Preis finden sich ebenso im Test, wie der teure Kettengleitstoff von Dry Fluid. Trockenpartikel und Gleitpolymere sollen hier für maximale Schmierfähigkeit sorgen und die Lebensdauer der Kette verlängern.
Unser aufwändiger Labortest gibt Aufschluss über die tatsächlichen Qualitäten der Schmierstoffe.

In diesem Artikel finden Sie die Testergebnisse aus dem Heft nochmals in übersichtlichen Grafiken aufbereitet. So können sie einfacher die verschiedenen Produkte miteinander vergleichen und das beste Schmiermittel für Ihren Einsatz herausfiltern.

Schmierfähigkeit

Brugger-Test

Beim Brugger-Test werden die Schmiermittel auf ihre Belastbarkeit getestet.

Prüfzylinder

Die Verschleißmarken am Prüfzylinder geben Aufschluss über die Qualität der Produkte.

Die Schmierfähigkeit (nach Brugger) wurde mit dem Testgerät Triboproof T100 bestimmt. Ein zylindrischer Prüfkörper wird dabei mit einer gleich bleibenden Last von 400 Newton auf einen rotierenden Zylinder gedrückt, der mit dem Schmiermittel benetzt ist – und zwar um 90 Grad versetzt, sodass die Kontaktfläche zunächst nur einen Punkt ergibt. Es tritt folgendes Phänomen auf: Der rotierende Zylinder gräbt sich in den Prüfkörper und hinterlässt eine Verschleißfläche in Form einer Ellipse. Sobald die Flächenpressung einen bestimmten Wert unterschreitet, ab dem das Schmiermittel einen Schmierfilm bilden kann, beruhigt sich das System, und der Verschleiß nimmt trotz sich berührender Oberflächenspitzen schlagartig ab. Durch Vermessung der Ellipsenfläche wird der so­genannte Brugger-Wert in N/mm² bestimmt, mit welchem der Schmierstoff belastbar ist. Dieses Verfahren zur Schmierstoffprüfung ist in der Industrie anerkannt und in der DIN 51347 festgehalten.

Schmierfähigkeit

Bei der Schmierfähigkeit zeigt keine Produktkategorie deutliche Vorteile. Es scheint eher, als würden bestimmte Hersteller besonders belastbare Schmierstoffe herstellen. Dynamic, Motorex und F100 sowie der Dry Fluid Kettengleitstoff liefern hier besonders gut Werte ab.

Kriechfähigkeit

Für den Test werden jeweils zwei Glasplatten gründlich entfettet und so übereinandergelegt, dass die untere Platte einen Zentimeter vorsteht. Das Schmiermittel wird am Plattenvorstoß zweimal aufgetragen und kriecht durch Kapillarkräfte zwischen die beiden Glasplatten. Nach 15 Minuten wird die benetzte Fläche an der oberen Platte markiert und auf Millimeterpapier übertragen. Das Millimeterpapier wird an der Markierung abgeschnitten und gewogen. Die daraus berechnete benetzte Fläche in cm² gilt als Maß für die Kriechfähigkeit.

Kriechfähigkeit

Hier haben, bis auf wenige Ausnahmen, dünnflüssige Mittel wie Wachse und Trockenschmierstoffe sowie die meisten Sprays die Nase vorn. Ihre Kriechfähigkeit erkaufen sich viele dieser Produkte allerdings durch den Zusatz von Lösungsmitteln. Das heißt: ein Teil des Flascheninhalts verdampft direkt nach dem Aufbringen.

Schmutzanhaftung

Gleichmäßig polierte Bleche wurden mit den Kandidaten benetzt, 30 Minuten senkrecht stehend abgelüftet und anschließend mit Quarzsand bestreut. Vor und nach dem Besanden wurden die Bleche mit einer Feinwaage gewogen, die Differenz ist ein Maß für die Schmutzhaftung.

Schmutzanhaftung

Wer besonderen Wert auf eine saubere Kette legt, sollte sich bei den Wachsen und Trockenschmierstoffen umsehen. Bis auf wenige Ausnahmen sind hier die Produkte klar im Vorteil, die nach dem Verdampfen des Lösungsmittels einen trockenen Film auf der Kette hinterlassen.

Die Test-Kategorien im Vergleich 

Die Test-Kategorien im Vergleich

Im Vergleich der verschiedenen Testkategorien zeigt sich: das perfekte Schmiermittel gibt es nicht. Bei jedem Produkt muss man mehr oder weniger große Abstriche in mindestens einem Kriterium eingehen. Die beiden Produkte von Dynamic und Motorex und das PTFE Spray von Hanseline kommen dem Optimum jedoch schon sehr nahe. 

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der April-Ausgabe von TOUR, die Sie hier bequem online bestellen können.

Stefan Frey am 11.03.2016