Rollentrainer virtuelles Training Rollentrainer virtuelles Training

Smarte Rollentrainer im Test

Heimtrainer fürs virtuelle Training im Test

Kristian Bauer, Konstantin Rohé am 17.01.2017

Zwift,Trainerroad oder Bkool versprechen durch ihre Softare mehr Trainingsspaß. Wir stellen Ihnen aktuelle Rollentrainer vor, mit denen Sie auf die virtuelle Trainingsfahrt gehen können.

Wahoo KickR

Aufstellen Geht im Handumdrehen. Es müssen lediglich zwei Schnellverschlüsse geöffnet werden, dann spreizt der KickR die beiden seitlich ausschwenkbaren Beine und steht dank verstellbarer Füße auch auf leicht unebenem Untergrund sicher. Auch Mountainbikes lassen sich dank der Neigungsverstellung aufspannen. Shimano- und SRAM-Kassetten passen auf den Standard-Rotor, Campa-Fahrer müssen für den Spezialrotor 50 Euro extra zahlen.

Einschalten Sobald das Netzkabel steckt, kann der Trainer als Datenquelle mit der Wahoo-Fitness-App gekoppelt werden. Das funktioniert auf allen Endgeräten problemlos, wobei man täglich kalibrieren sollte.

Treten Vorbildlich. Wie auf der Straße muss man anfangs einen gewissen Widerstand überwinden, die große Schwungmasse erzeugt im Leerlauf das Gefühl des Ausrollens. Bei Sprintbeginn ist ein realer Anfangswiderstand zu spüren, bei Erreichen der gewünschten Wattzahl erzeugt die Massenträgheit ein gleichmäßiges Tretgefühl in den Beinen. Auch in kurzen Pausen zwischen zwei Sprintintervallen bleibt die Tretbewegung flüssig und wirklichkeitsnah. Die Genauigkeit der Watt-Werte nimmt mit zunehmender Betriebstemperatur zu.

Stören  Der riemengetriebene Amerikaner ist lauter als der Tacx und der neue Drivo von Elite. Der Geräuschpegel steigt langsam, der hohe Ton wirkt lauter als es die maximal 69 Dezibel vermuten lassen.
 

Wahoo-Fitness App

Die Wahoo-Fitness-App ist über die Jahre ausgereift. Sie ließ sich auf mehreren Endgeräten schnell und störungsfrei installieren. Als einzige der drei ist sie auch für andere Sportarten wie beispielsweise Laufen verwendbar. Die App ist übersichtlich, auch Anfänger finden sich in der flachen Menüstruktur schnell zurecht. Alle in der Nähe befindlichen Sensoren werden übersichtlich aufgelistet, jeweils mit dem Hinweis, ob es sich um einen Bluetooth- oder ANT+-Sensor handelt. Die Sensoren lassen sich für die gewünschte Sportart getrennt abspeichern und schnell wieder löschen, möchte man einen anderen Sensor benutzen.

Die Wahoo-App harmoniert auch mit dem Neo Smart von Tacx, beim Elite-Trainer wurden die Watt-Werte nicht dargestellt. Die Haupt-Trainingsarten nach Puls oder Watt lassen sich einfach konfigurieren, ebenso die  individuelle Belegung des Display mit den Werten. Zusätzlich zu den vorinstallierten Layouts lassen sich weitere aus dem Netz herunterladen. Nach dem Training werden die Datenschriebe chronologisch im Verlauf hinterlegt, was das Auffinden einfach macht. Von dort oder direkt nach dem Training sind die Trainingsdaten in allen gängigen Formaten per Mail versendbar, um sie beispielsweise mit einer Analyse-Software auszuwerten.

Wahoo Kickr

Tacx Neo Smart

Aufstellen    Der Trainer steckt fertig montiert im Karton. Er ist dank vier Schnellverschlüssen sekundenschnell aufgestellt und ähnlich schnell kompakt verstaut. Niveauausgleich gibt’s nicht, trotzdem steht der Tacx standfest. Der Rotor nimmt alle gängigen Kassettenformate auf, für den Edco-Abschlussring wird ein Campa-Werkzeug benötigt, um die Kassette zu montieren. Eine Vorderradstütze ist auch dabei.

Einschalten Ist das Netzteil angeschlossen, signalisiert eine LED Betriebsbereitschaft. Aufgrund der rein elektronischen Widerstandregelung mit Magneten ohne Schwungrad ist nachträgliche Kalibrierung nicht nötig. Unabhängig von der Betriebsdauer liefert der Neo Smart im Abgleich mit dem Powermeter die besten Watt-Daten im Test. Die Koppelung mit der Tacx-Cycling-App klappt problemlos, so wie auch bei Programmen von Drittanbietern.

Treten  Obwohl der Tacx kaum Schwungmasse besitzt, ist das Tretgefühl sehr realistisch. Die Elektronik steuert die Magnetbremse im jeweiligen Trainingsprogramm sofort sehr schnell und präzise. Auch bei harten Sprints ist die Rückmeldung an die Beine sehr realistisch, es fühlt sich echt an. Das gilt auch fürs Ausrollen, wenn die Elektronik auf Antrieb stellt, was sich wie leichtes Bergabfahren anfühlt. Ohne Strom funktioniert der Neo Smart wie ein progressiver Heimtrainer, der den Widerstand mit steigender Drehzahl erhöht, wenngleich in diesem Modus kein Abfahren simuliert wird.

Stören Der Tacx ist vergleichsweise leise, das Geräusch nervt nicht und steigt bei 120 Pedalumdrehungen pro Minute und 500 Watt Leistung auf maximal lediglich 59 Dezibel.

Tacx Cycling App

Schon vor Jahren begann Tacx, das Indoor-Training mit kostenpflichtigen Videos oder virtuellen 3D-Angeboten aufzupeppen. Die Premium-Version ist immer noch erhältlich, kostet jedoch für ein Jahr 125 Euro extra. Über die aktuelle Cycling-App kann man die Angebote nach wie vor zahlungspflichtig runterladen. Ansonsten ist die Tacx-App fürs Tablet kostenfrei und auch in abgespeckter Version fürs Smartphone erhältlich. Sie ist übersichtlich gestaltet und leicht zu bedienen. Eine Statuszeile informiert ständig über den Ladezustand des Endgeräts, Wlan-Verbindung und ob BT+- oder ANT+-Sensoren gekoppelt sind. Die Übersicht ist hilfreich, da man mögliche Fehler bei der Datenübermittlung schnell identifizieren kann. Das Angebot an voreingestellten Trainingsprogrammen ist ebenfalls übersichtlich und klar gegliedert, spezielle Steigungs-, Leistungs- und Herzfrequenz-basierte Trainings stehen zur Wahl. Individuelle Trainings lassen sich mit wenigen Klicks erstellen, grafisch analysieren und abspeichern. Zum Zeitpunkt des Tests hatte die iPad-App noch den Nachteil, dass sich aufgezeichnete Trainingsdaten, anders als bei der Android-Version, nicht konvertieren und als Datei abspeichern ließen. Auf Nachfrage hatte man bei Tacx noch keine Lösung dafür parat. Bei der iPhone-Version funktioniert es, sie bietet jedoch einen geringeren Funktionsumfang und ist auch nicht so übersichtlich wie die Tablet-Version.

Tacx Neo Smart

 

Tacx Flux Smart

Der kleine Bruder des Neo Smart ist mit einer Preisempfehlung von 799 der günstigste Smart-Trainer der Tacx-Familie. Der für ein Samrt-Gerät niedrige Preis bringt naturgemäß kleine Abstriche in Sachen Lieferumfang und Widerstand mit sich, das Tretgefühl ist unter dem Strich jedoch auf dem von Taxc gewohnten hohen Niveau.

Aufstellen    Anders als der Neo Smart müssen beim Flux erst noch zwei Elemente miteinader verschraubt werden, was dank mitgeliefertem Innensechskantschlüssel kein Problem darstellt. Trotz fehlendem Niveauausgleich steht das Gerät durch die drei robusten Füße fest auf dem Boden. Der Rotor nimmt sowohl Shimano- als auch Campagnolo-Kassetten auf, entsprechende Abschlussringe liegen bei. Kassette und Vorderradstütze sind nicht im Lieferumfang enthalten.


Einschalten Ist das Netzteil angeschlossen, signalisiert eine LED Betriebsbereitschaft. Bei der erstmaligen Inbetriebnahme sollte zwingend eine Kalibrierung durchgeführt werden – sonst können während des Trainings Probleme auftreten. Hierzu bedarf es nicht zwangsläufig der Tacx-Cycling-App, auch Programme anderer Anbieter genügen zum Kalibrieren.


Treten  Das Schwungrad des Flux wiegt 6,7 kg, Tacx spricht von einen Schwungradeffekt von 25 kg gemessen am gesamten Gerät. Dies genügt für ein realistisches Tretgefühl. Auch bei plötzlichen Tempowechseln gibt der Flux ein gutes Feedback, reagiert schnell und präzise. In Punkto Anstiege und Maximalwiderstand muss man im Vergleich zum Tacx-Flagschiff Neo Smart durchaus Abstriche machen: Statt 25%-Anstiege kann der Flux nur 10% simulieren, das Widerstandslimit liegt bei 1.500, und damit 700 Watt unter dem Neo. Für ein anstregendes Intervalltraining reicht dies aber zweifellos aus. Wie auch der Neo Smart kann der Flux selbst ohne Stromanschluss als "stand alone" genutzt werden.


Stören Der Tacx Flux Smart ist vergleichsweise leise, das surrende Geräusch erscheint nicht lauter als beim großen Bruder Neo.

Tacx Flux Smart

Weitere Geräte im Test:

Elite Drivo

Elite präsentiert mit dem Drivo einen völlig neu entwickelten Smart-Trainer mit Direktantrieb. Im Vergleich zum vorherigen Top-Modell Real Turbo Muin B+ ist der Nachfolger etwas schlanker und lässt sich dank klappbarem Gestell mit höhenverstellbaren Gummifüßen werkzeuglos und im Handumdrehen aufstellen. Völlig überarbeitet wurde das Innenleben. Statt einer ventilgesteuerten Hydrokupplung regelt beim Drivo eine elektronische Wirbelstrombremse den Tretwiderstand; als Maximalwert gibt der Hersteller 2.000 Watt an. Ebenfalls neu ist das über einen Riementrieb entkoppelte, sechs Kilogramm schwere Schwungrad. Wichtigste Neuerung aber ist die Wattmessung, die mittels Powermeter reale Livedaten misst. Der Standardrotor ist kompatibel zu allen 9-, 10- und 11-Gang-Kassetten, mitgelieferte Achs-Adapter ermöglichen die Montage von Rennrad- und Mountainbike-Laufrädern mit Schnellspann- wie auch mit Steckachsen. Das Gerät funkt seine Daten zu Smartphone, Tablet oder PC via Bluetooth, ANT+ und FE-C-Standard, wobei ein ANT+-USB-Adapter (Dongle) im Lieferumfang enthalten ist. Zu Beginn unseres mehrwöchigen Praxistests stand die Koppelung verschiedener Android- und Apple-Smartphones mittels Elites App "My E-Training". Anfängliche Verbindungsprobleme verschwanden mit den App-Updates auf Android 2.2.3, bzw. iOS 3.2.1. Die integrierte Watt-Messung arbeitet überraschend und bemerkenswert genau. Die Werte des Drivo und eines am Rennrad montierten Rotor-Powermeters waren im Test nahezu synchron, die maximale Abweichung von zwei Watt ist vernachlässigbar. Damit qualifiziert sich Elites Neuer für ein exaktes, wattgesteuertes Heimtraining, das sechs Kilogramm schwere Schwungrad unterstreicht den realistischen Fahreindruck. Die Geräuschmessung ergab sehr dezente 50 bzw. 54 Dezibel bei lockeren 200 (53/19, Trittfrequenz 100 U/min.) und intensiven 500 Watt (53/19, Trittfrequenz 120 min.). Mit anderen Worten: Der Drivo ist auffallend leise. Bei einer Übersetzung von 53/12 übertönt das Rennradgetriebe die Mechanik des Trainers. Deutlich weniger Begeisterung weckt die Software, bzw. die App. Nur zwei Beispiele: Die Tippflächen im App-Layout sind so klein gewählt, dass eine Datenänderung während des Trainings kaum möglich ist. Ändert man den Widerstand manuell, bricht die Leistung des Trainers abrupt ein und benötigt einige Sekunden, bis sie sich wieder einregelt, was den Tretrhythmus erheblich stört. Fazit: Gerät, leiser Lauf und Ausstattung sind top, aber die Software ruft nach baldiger Verbesserung.

+ exakte Wattmessung, sehr leise, einfache Montage und Setup, realistisches Fahrgefühl
- Software noch nicht ganz ausgereift
Info www.paul-lange.de   Preis 1.390 Euro
 

Elite Drivo

Bkool Smart Pro 

Der Smart Pro von Bkool ist ein Rollentrainer, dessen umfangreiches Elektronik-Paket Unterhaltung und Abwechslung ins Training bringen will. Das Gerät selbst besteht aus zwei Teilen und ist dadurch ebenso klein verstaubar wie schnell und standfest aufgebaut. Zum Lieferumfang gehört neben einer Vorderradstütze, dem Schnellspanner für die Hinterradaufnahme sowie dem passenden Netzstecker vor allem ein ANT+-USB-Stick, der die Verbindung von Rollentrainer und Computer herstellt. Aufbau und Inbetriebnahme sind sehr simpel, die Trainingssoftware ist kostenlos und für Windows ebenso wie für Mac erhältlich. Passende Apps für ­Tablet-Computer gibt es für iOS und Android in den jeweiligen Stores. Den vollen Funk­tions­umfang bietet der Premiumzugang, der 30 Tage kostenfrei getestet werden kann; die Verlängerung kostet derzeit zehn Euro bei monatlicher Abrechnung oder acht Euro im Abonnement für ein Jahr.
Die Software findet und erkennt den Rollentrainer schnell, dann kann das Training beginnen. Wer will, kann sich bei bestehender Online-Verbindung gleich einer der aktuell laufenden Sessions für ein virtuelles Training oder Rennen anschließen. Neben derzeit mehr als 1.200 Videos verschiedener Strecken und Profisport-Rennen sowie unzähligen animierten Strecken in der 3D-Welt gibt es auch die Möglichkeit, im Velodrom animierte Einzel- und Mannschaftswettkämpfe auf der Radrennbahn zu absolvieren. Jeder Nutzer kann auch selbst sowohl Video- als auch 3D-Strecken erstellen und mit anderen Radlern im Online-Orbit teilen.
Das Tretgefühl auf der Rolle ist durchweg gut, der dem virtuellen Terrain angepasste Widerstand fühlt sich realistisch an – benötigt aber stets eine stabile Internetverbindung. Ist die nicht gegeben, kann es passieren, dass man seinen im virtuellen Rennen mühsam erkämpften Platz auf einen Schlag verliert. Den Trainingseffekt hat man dann zwar in den Beinen, aber die Motiva­tion ist im Eimer. Trotzdem: Die Möglichkeit, andere Nutzer im Wettkampf herauszufordern, motiviert – und ermöglicht intensive Trainingseinheiten statt monotonem Peda­lieren. Die Lautstärke des Bkool hängt stark vom simulierten Terrain ab. An einem steilen Anstieg ist der Trainer angenehm leise, in einer schnellen Abfahrt kann es schon mal lästig laut werden. Die Anzeige der wichtigsten ­Daten während des Trainings ist übersichtlich; nach der Einheit werden sie in den persönlichen Bereich des Nutzers auf der Web­site von Bkool hochgeladen. Auch ein direkter Upload zu Strava lässt sich aktivieren.


+ ermöglicht abwechslungsreiches Training, große Strecken­auswahl, relativ klein verstaubar, standfest

- ohne Internetverbindung ist keinWiderstand einstellbar
Preis  597 Euro (inkl. Premiumzugang für ein Jahr)
 

Test 2016: Rollentrainer Smart Pro von Bkool

Test 2016: Rollentrainer Smart Pro von Bkool

Kristian Bauer, Konstantin Rohé am 17.01.2017
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