Look Keo Power 2012 Look Keo Power 2012
Radcomputer

Einzeltest: Look Kéo Power

Jens Klötzer am 31.01.2012

Das Wettrennen um das erste pedalbasierte Leistungsmesssystem haben Look und Polar für sich entschieden: Sie bringen das Kéo Power als erstes funktionierendes System auf den Markt. Wir haben’s schon ausprobiert.

Lange diskutierten die Experten, ob es überhaupt möglich sei, die Leistung eines Radfahrers direkt am Pedal zu messen: Computerspezialist O-Synce stellte 2010 ein Konzept vor, Garmin kaufte sich bei Metrigear ein, die schon viele Jahre zuvor an einer Version für Speedplay-Pedale gearbeitet hatten, und Look zeigte in Zusammenarbeit mit Polar ebenfalls ein pedalbasiertes System. Letztere haben nun das erste funktionierende System auf den Markt gebracht. Das Kéo Power misst die Leistung direkt dort, wo sie in das System Rennrad eingebracht wird: an der Schnittstelle zwischen Fahrer und Rad.

Acht Dehnmessstreifen an jeder Pedalachse registrieren die Verformung, die durch die Last auf dem Pedal entsteht; aus den Daten wird anschließend die Leistung errechnet. Die Pedale sind kaum von handelsüblichen Kéo-Pedalen zu unterscheiden; auch der mitgelieferte Polar-Computer ist eher unscheinbar. Nur die auffälligen Sensoren an den Kurbelarmen, welche die Daten zum Computer funken, verraten die innewohnende Technik. Mit 383 Gramm (ohne Computer) dürfte das System das leichteste Leistungsmesssystem am Markt sein – wenn man berücksichtigt, dass die Pedale schon dabei sind.

Die Montage gestaltet sich vergleichsweise simpel. Die Pedalachse muss am Kurbelarm ausgerichtet und mit einer Kontermutter fixiert werden. Die Sensoren, die auch die Batterien beinhalten, werden von der Rückseite her in die Achse eingesteckt und mit Kabelbindern an der Kurbel gesichert. Als Werkzeug sind zusätzlich zum Pedalschlüssel ein 18er-Gabelschlüssel und eine kleine Zange nötig. Der Spezialschlüssel zum Ausrichten der Achse ist nicht zwingend notwendig, aber ratsam.

Dennoch ist das System die bisher flexibelste Leistungsmessung: Man ist weder auf bestimmte Kurbeln noch auf ein Laufrad beschränkt, die Pedale lassen sich innerhalb von fünf Minuten an fast jedem Rad montieren, sofern dessen Kurbeln ein übliches Pedalgewinde aufweisen und nicht dicker als 16 Millimeter sind. Bei manchen Kurbeln kann der rechte Sensor im größten Gang an der Kette streifen. Das ist uns bisher nur an Shimano-Antrieben aufgefallen, bei den Kurbeln von Campagnolo, SRAM, FSA und Rotor ist ausreichend Platz.

Ein einziger Knopf am linken Sensor dient zum Einstellen der Kurbellänge, zum Paaren mit dem Computer und zum Kalibrieren der Nullstelle. Die Inbetriebnahme klappt auf Anhieb, der Abgleich mit einer PowerTap-Nabe und einer Power2Max-Kurbel lieferte in allen Leistungsbereichen plausible Wattwerte. Die angezeigten Werte sind geringfügig höher, was damit zusammenhängen kann, dass – im Gegensatz zu den anderen Systemen – genau dort gemessen wird, wo die Kraft auftritt. Welche Werte die genaueren sind, lässt sich ohne aufwendige Messverfahren jedoch nicht beurteilen.

Neu ist die Möglichkeit, die Leistungsanteile von linkem und rechtem Bein getrennt anzuzeigen und auszuwerten. Die Daten werden nicht im ANT+-Standard übertragen, sondern über das W.I.N.D.- Protokoll von Polar. Damit lassen sich nur Polar-Computer (ab CS500 aufwärts) und die hauseigene Software einsetzen, auch Herzfrequenz- und Geschwindigkeitssensor müssen von Polar kommen. Eine automatische Nullstellenkorrektur bietet das System nicht, kalibrieren muss man – zum Beispiel bei Temperaturschwankungen – manuell, wofür das System etwa zehn Sekunden braucht.

Das Look Kéo Power bietet alle Funktionen, die man von einem Leistungsmesser erwartet. Es ist vergleichsweise leicht und ausgesprochen flexibel. Wie robust die sensible Technik an so exponierter Stelle ist, muss ein Dauertest zeigen. Der Preis stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest; nach bisherigen Infos soll er bei rund 1.700 Euro liegen.

PLUS leicht; schnell montiert; Anzeige linkes/rechtes Bein
MINUS nicht ANT+-kompatibel; keine automatische Temperaturkompensation

Fotostrecke: Look Kéo Power 2012

Bezug/Info www.grofa.com

Jens Klötzer am 31.01.2012