Spanien: Rennradreise Katalonien – Costa Brava Spanien: Rennradreise Katalonien – Costa Brava

Spanien: Rennradreise Katalonien – Costa Brava

Katalonien – Costa Brava: Liebling der Radsport-Profis

Sven Bremer am 29.02.2016

Die Region zwischen Costa Brava und Pyrenäen ist ein ideales Trainingsrevier. Weil dort so viele Profis leben und trainieren, fragt sich der Hobbyradler ständig: War das nicht der ... vom Team ...?

Kartoffeln für ein breites Selfie-Grinsen: In Spanien sagt man "Patatas" – Kartoffeln –, wenn man möchte, dass Leute fürs Foto lachen. Um sich und ihren beiden Freunden Pépe und David auf dem kleinen, namenlosen Pass zwischen La Bisbal d’Empordà und Cassà de la Selva ein passables Lächeln ins Gesicht zu zaubern, ruft Hobbyradlerin Anna also: "Patatas!" Die ­Sonne beleuchtet die drei und ihre Rennräder und taucht die bewaldeten Hügel im Hintergrund in ein pastelliges Grün. Bevor Anna den Auslöser drücken kann, rast etwas Grellgrünes an dem Trio vorbei. Auf der Stelle lässt Anna Selfie Selfie sein und versucht stattdessen, das rasende Etwas mit ihrer ­Handy-Kamera zu erwischen. Zu spät. Anna bekommt beinahe Schnappatmung. "Mein Gott, die sind so schnell, Wahnsinn", kreischt sie. Die junge Frau aus dem nahegelegenen St. Feliu de Guíxols, Radsport-Fan mit Leib und Seele, faselt etwas von "so stark", von "fantastischen Beinen" und beschließt, sich auf die Lauer zu legen. Erwartungsfroh linst sie um die Kurve, aber außer einem ziemlich schnellen Hipster mit Bart – definitiv nicht ­Simon Geschke – schießt erst mal kein weiterer Radprofi mehr um die Kurve.

Kurven an der Costa Brava

Man könnte erwarten, dass einer Einheimischen wie Anna der Anblick eines Radprofis geläufig ist – wohnen und trainieren doch ­während der World-Tour-Saison zahlreiche Berufsradfahrer in und um Girona. Manche sprechen von 70 Radprofis, andere sagen, es wären fast 100 – Triathleten wie den amtie­renden Weltmeister Jan Frodeno mitgezählt. Die Region hat viele Vorteile. Mit Barcelona und Girona liegen zwei internationale Flughäfen in der Nähe. Mehrere wichtige Rundfahrten der World-Tour führen durch Spanien, Frankreich ist nicht allzu weit entfernt, die Pyre­näen liegen vor der Haustür. Dazu ­kommen feine Straßen und gutes Essen. 

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Traditionell trainieren Australier und Nordamerikaner in Katalonien – Gironas berühmtester Gast für mehrere Jahre war Lance ­Armstrong, der sich Ende der 1990er-Jahre die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz als Europa-Standort ausgesucht hatte. Heute haben auch deutsche Profis wie Paul Voss vom Team Bora-Argon 18 dort ihre Wahlheimat gefunden. Wer als Hobbyradler in die Region reist, kann aber nicht ständig nach Profis Ausschau halten. Dazu gibt es zu viel zu erleben: etwa die Küstenstraße ­zwischen Tossa del Mar und St. Feliu, die sich oft hoch über dem Mittelmeer entlang der Costa Brava schlängelt, die dort ihrem Namen "Wilde Küste" alle Ehre macht. Das ­Asphaltband führt über schroffe Felsen und zu traum­haften Sandbuchten. Häufig haben die Organisatoren der Vuelta a España, der Katalonien-Rundfahrt und 2009 ­sogar die der Tour de France die Rennfahrer über diesen Küstenabschnitt geschickt. "Das ist eine der schönsten Strecken überhaupt, die du mit dem Rennrad fahren kannst", schwärmt auch Paul Voss, den ich zusammen mit Orica-GreenEdge-Fahrer Christian Meier in deren Wahlheimatstadt Girona treffe, und schiebt gleich eine Frage hinterher. "Hast du in Platja d’Aro an der Bäckerei gehalten? Da sitzen eigentlich immer ein paar Profis bei einem Kaffee." Ich verneine. In Platja d’Aro, einer häss­lichen Betonwüste mit den üblichen Bars, Souvenir- und Klamottenläden, den Filialen der gängigen Fast-Food-Ketten, Diskos und einem Rummelplatz, hieß es für mich nur: Augen zu und durch.

Den gesamten Reiseartikel und die GPS-Daten zu diesen Touren finden Sie unten als Download:

• Tour 1: Pyrenäen-Runde (88  Kilometer, 1.600  Höhenmeter, max. 10 %  Steigung)
• Tour 2: Zum Felsen-Kap (84  Kilometer, 1.400  Höhenmeter, max. 13 %  Steigung)
• Tour 3 : Hügeliges Bauernland (80  Kilometer, 750  Höhenmeter, max. 6 %  Steigung)
• Tour 4: Traum und Albtraum (138  Kilometer, 1.500  Höhenmeter, max. 10 %  Steigung)

TOUR Titel 2/2016

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Sven Bremer am 29.02.2016