Schweiz

Schweiz: Graubünden

Dres Balmer am 28.07.2004

Für Hobbyradler, von den Schweizern als Gümeler bezeichnet, gibt's in Graubünden besondere Leckerli: Nirgends in der Schweiz klettern mehr Straßenpässe über zweitausend Meter. Doch Bergkost ist deftig und kann schwer in den Beinen liegen. Wer aber in den Bergen seine Passion findet, wird unsere Reise lieben: in sieben Tagen über 15 Pässe. (TOUR 6/2004)

Von einem weit entfernten Kirchturm dringt unregelmäßig das Läuten einer Glocke ins Zimmer des schlafenden Gümelers. Ein Auge blinzelt, das Läuten verklingt, der Radler döst wieder ein. Erneut die Glocke. Beide Augen sind offen. Bellinzona, sechs Uhr morgens. So früh ist kein Wirt aus dem Bett zu holen, doch das Bahnhofbüffet hat schon geöffnet und verströmt den Duft von frisch gebrühtem Kaffee. Das Thermometer zeigt an diesem Sommermorgen zwanzig Grad. Höchste Zeit, aufzubrechen, bevor sich das Tal in einen Glutofen verwandelt. Bündner Pässetour – für Nichtradler eine verrückte Idee, für Radsportler eine Passion. Schon der zweite Tag ist der härteste: die meisten Kilometer, die meisten Höhenmeter. Doch es beginnt ganz leicht. Die Kantonsstraße schaukelt sanft ins Valle Mesolcina hinein, die Berge, die den Talschluss bilden, sind noch weit entfernt.

Diese Routen finden Sie im PDF-Download:

1. TAG: Sanft in den Süden
(zwei Pässe, 120 Kilometer, 1.400 Höhenmeter, maximal zehn Prozent Steigung)
Andermatt – Oberalppass – Disentis – Lukmanierpass – Bellinzona

2. TAG: Der Schöne und der Geschäftige
(zwei Pässe, 145 Kilometer, 3.500 Höhenmeter, maximal zehn Prozent Steigung)
Bellinzona – Passo del San Bernardino – Thusis – Tiefencastel – Julierpass – Silvaplana

3. TAG: Rückfall in den Norden
(zwei Pässe, 140 Kilometer, 2.300 Höhenmeter, maximal zwölf Prozent Steigung)
Silvaplana – Susch – Flüelapass – Davos Dorf – Surava – Filisur – Albulapass – La Punt

4. TAG: Im Schweizer Nationalpark
(zwei Pässe, 90 Kilometer, 1.800 Höhenmeter, maximal elf Prozent Steigung)
La Punt – Zernez – Ofenpass – Santa Maria – Umbrailpass – Bormio

5. TAG: Italienische Reise
(vier Pässe, 80 Kilometer, 2.000 Höhenmeter, maximal zwölf Prozent Steigung)
Bormio (1.217 Meter) – Passo di Foscagno – Trepalle – Passo d’Eira – Livigno – Forcola di Livigno – La Motta – Berninapass – Pontresina

6. TAG: Kunststraße am Splügenpass
(zwei Pässe, 125 Kilometer, 1.900 Höhenmeter, maximal 13 Prozent Steigung)
Pontresina – St. Moritz – Malojapass – Chiavenna – Splügenpass – Splügen Dorf – Thusis

7. TAG: Entlang des wilden Vorderrheins
(ein Pass, 100 Kilometer, 1.500 Höhenmeter, maximal zehn Prozent Steigung)
Thusis – Bonaduz – Versam – Ilanz – Disentis – Oberalppass – Andermatt

Dres Balmer am 28.07.2004