Auf der Südrampe erhascht man kurz einen Blick zu den Eisriesen Piz Cambrena und Piz Palü Auf der Südrampe erhascht man kurz einen Blick zu den Eisriesen Piz Cambrena und Piz Palü
Schweiz

Pass-Steckbrief: Berninapass

Kuehn am 11.04.2011

Riese oder Zwerg? Beim Berninapass (2.329 Meter) eine Frage der Perspektive: Die 600 Höhenmeter von Nordwesten her beeindrucken keinen Kletterer, die Südseite aber zählt mit knapp 1.900 Höhenmetern und 34 Kilometern zu den mächtigsten Anstiegen der Alpen.

Schon vor Jahrtausenden nutzten Säumer den Übergang, der heutzutage das schweizerische Oberengadin mit dem italienischen Veltlin verbindet. 1865, als eine moderne Straße den Saumweg ersetzte, eröffnete auch das Hospiz an der Passhöhe, in dem man heute noch einfach aber schön logieren kann.

Wer mit dem Rad im italienischen Tirano startet, wo die Berninabahn gleich einer Tram mitten auf der Straße fährt, wird bis zur Passhöhe einigen Schweiß auf dem Asphalt lassen. Zeit zum Einrollen bleibt nicht, sofort zieht die Straße neun Prozent steil nach Norden. Da kommt nach acht Kilometern das Flachstück entlang des Lago di Poschiavo zum Durchatmen gerade recht. Die Schonfrist dauert bis zum gleichnamigen Dorf, wo die hübsche Piazza Communale zu einem schnellen Café Crème lockt. Wer nicht aus dem Tritt kommen will, sollte die Muskeln aber nicht allzu lange ruhen lassen, denn es warten noch 17 Kilometer mit bis zu zehn Prozent steilen Rampen. Erst wenn die Berge der Bernina-Gruppe auftauchen, ist es zur Passhöhe nicht mehr weit. Nur für wenige Meter erlaubt der vergletscherte Piz Cambrena (3.606 m) den Blick auf den berühmten Piz Palü (3.900 m), dann verdeckt er ihn, wie auch den Piz Bernina (4.049 m). Den östlichsten Viertausender der Alpen entdeckt nur, wer von der Nordwestseite, also vom Engadin aus, zur Passhöhe klettert. Fünf Kilometer hinter Pontresina fällt der Blick zur Rechten ins Morteratschtal, auf den gleichnamigen Gletscher – und dahinter auf das Bellavista- Massiv und den Piz Bernina. Die moderate Steigung lässt dem Radler genug Atem, die Kulisse zu genießen.

TOUR-Tipp: Da der Bernina-Pass ganzjährig geöffnet ist, sind schon im Frühjahr außergewöhnliche Fahrten zwischen meterhohen Schneewänden möglich.

Der Berninapass im Profil

Den gesamten Pass-Steckbrief der TOUR-Ausgabe 4/2011 können Sie unten als PDF herunterladen.

Wundervolle Gipfelblicke

Lage des Berninapasses

Tour 1 und 2 in der Karte

Text und Foto: Matthias Rotter; Karte: Christian Rolle, Holzkichen

Kuehn am 11.04.2011