Crossen in St. Gallen Crossen in St. Gallen
Schweiz

Ostschweiz: Per Crossrad durch St. Gallen

Jörg Spaniol am 15.08.2014

Vom Bodensee nach Süden verläuft ein großer Graben tief in die Schweiz hinein: das Rheintal. An seinem Westhang liegen verstreut Dörfer und Höfe in grünen Wiesen. Das perfekte Gelände, um mit dem Crossrad einer ­zahmen Mountainbike-Tour zu folgen – die plötzlich ihre wilden Seiten zeigt.

Hätten wir das Schild ernster nehmen sollen? Diesen kleinen Wegweiser mit der "55" und dem Mountainbike-Symbol darauf? Gut, es sind nicht wirklich 55 Prozent Steigung, mit denen die Forst­straße himmelwärts strebt, auch wenn das Schild das nahelegt. Aber der Mensch ­darauf ist ­eindeutig ein Mountainbiker. Wir dagegen haben uns in den Kopf gesetzt, die Tour Nummer 55 per Crossrad zu bewältigen.

Die "Wildmannli"-Route, benannt nach dem alpinen Sagenvolk der "Wilden Leute", die das Bedrohliche, Unbekannte und teils auch Unmoralische verkörpern, führt von St. Gallen nach Sargans. Sie ist eine von mehreren mundgerecht präparierten Bike-Routen, ein eidgenössisches Rundum-Sorglos-Paket. Auf der Website www.mountainbikeland.ch ist der Streckenbelag aufgeführt: Etwa die Hälfte ist asphaltiert. Dazu findet man ein Höhenprofil und die Kontaktdaten der Gasthäuser unterwegs. Selbst die Bahn-Fahrpläne für den Rücktransport zum Start sind abrufbar. Wer das erste Schild am Beginn der Tour findet, hat also schon gewonnen. Lückenlos schicken einen die kleinen Täfelchen durch die Dörfer, durch die Äcker und hinauf zu den Almen. Die Strecke ist außerdem fast autofrei und schon deshalb eine willkommene Abwechslung zum üb­lichen Rennrad-Terrain.

Crossen in St. Gallen

Autobahnen und Gewerbe­gebiete bleiben im Rheintal zurück.

Und die sportliche Seite? Über die Wildmannli-Route vermerkt die Website, sie sei "technisch einfach, aber konditionell anspruchsvoll". Das mit der Kondition schreckt uns wenig, doch es ist eine Mountainbike-Tour, mit deutlich zweistelligen Steigungsprozenten. Vorsichtshalber wagen wir uns deshalb nur an zwei der drei Etappen, denn die Vorstellungen von "einfach" können weit auseinanderliegen – vor allem, wenn von zwei so unterschiedlichen Radtypen die Rede ist. Es sind nicht die Abfahrten, die uns Sorgen bereiten, über nennenswerte Singletrails führt die Route nicht. Knackpunkt ist das Getriebe: Im leichtesten Gang eines Touren-Mountainbikes legt man pro Pedal­umdrehung etwa 1,30 Meter zurück. Bei unseren Crossrädern mit Kompaktkurbeln kommen wir auf ziemlich exakt das Doppelte, also erfordert der Ritt bergauf bei gleicher Drehzahl auch die doppelte Beinkraft.

Den gesamten Artikel mit diesen GPS-Touren finden Sie unten zum Download:

• Tag 1 (55  Kilometer, 2.150  Höhenmeter, max. 15 Prozent  Steigung)
• Tag 2 (36 Kilometer, 850 Höhenmeter, max. 16 Prozent  Steigung)

Jörg Spaniol am 15.08.2014