© Jörg Wenzel
Glück für Radfahrer, wenn am Stilfser Joch noch kein Schnee liegt

Vinschgau

Steile Rampen und sanfte Radwege – im sonnenverwöhnten Vinschgau in Südtirol reifen Äpfel und Radlerträume.

Erdbeeren? Die Geruchssensoren spinnen. Nun gut, nach tausend Höhenmetern am Stück, bei der die Sonne derart aufs Hirn brennt, dass der Schweiß von der Stirn rinnt, darf man schon mal halluzinieren. Aber es ist Anfang September und wir sind auf 1.600 Meter Höhe in den Alpen. Wo sollen da Erdbeeren wachsen? Und da, hinter Kohl und anderem Gemüse: Erdbeerfelder. Wie wir später erfahren, werden sie hier im Martelltal, das vom Etschtal nach Süden abzweigt, seit den 1960er-Jahren angebaut. Die Beeren sollen besonders schmackhaft sein, weil sie wegen der trockenen, warmen Tage und der kühlen Nächte in dieser Höhe nur sehr langsam reifen – von Juni bis Anfang September dauert die Ernte. Nach 23 Kilometern einsamer Kletterei zum Talschluss endet der Asphalt im Bergwald auf 2.050 Metern Höhe beim Gasthof Enzian. 

Also zurück ins breite, 1.400 Meter tiefer liegende Etschtal, wo Obst zur Landschaft gehört wie der Firn auf den Gipfel des nahe gelegenen Ortlers. Dorthin, wo in Reih und Glied Abertausende mannshoher Apfelbäumchen stehen – angebunden an dünne Betonpfeiler, als hätte man Angst, die Apfelarmee könnte davonmarschieren. 335.000 Tonnen Äpfel warten im Vinschgau, dem westlichsten Zipfel Südtirols, auf ihre Ernte, die Mitte September beginnt. Das milde, trockene Klima mit mehr als 300 Sonnentagen im Jahr ist wie geschaffen für Obst und Radler; die Region verdankt es ihrer besonderen Lage. 250 Kilometer misst der Alpenbogen an seiner breitesten Stelle zwischen Oberammergau und Verona. Mittendrin und deshalb bestens geschützt vor Regenwolken, die – egal aus welcher Richtung – gegen die Alpen branden, liegt der Vinschgau, der obere Teil des Etschtals mit seinen Seitentälern.

Den ganzen Artikel übers Vinschgau und die GPS-Daten mit diesen Touren finden Sie unten als PDF-Download:
• TOUR 1: Sackgasse Martelltal (50 Kilometer, 1.440 Höhenmeter, max. 15 Prozent Steigung)
• TOUR 2: Höhepunkt Stiflser Joch (90 Kilometer, 1.950 Höhenmeter, max. 15 Prozent Steigung)
• TOUR 3: Reschen-Runde (94 Kilometer, 1.600 Höhenmeter, max. 16 Prozent Steigung)
• TOUR 4: Ins Ultental (117 Kilometer, 2.700 Höhenmeter, max. 16 Prozent Steigung)

GPS-DATEN: TOUR bietet die Daten der Touren zum kostenlosen Download an. Die Tracks im GPX-Format können Sie zum Nachfahren direkt auf ein GPS-Gerät laden oder am Computer in Google Earth oder Google-Maps betrachten.

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Text: Jörg Wenzel
15.09.2011

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Schlagwörter

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