© Jörg Wenzel
Spät erbaut, schön gerundet: Elf Kehren schmiegen sich gut radelbar in die Südwestseite des Jaufenpass

Pass-Steckbrief: Jaufenpass

Rennradler kennen den Jaufenpass (2094 m) vor allem, seit alljährlich die Teilnehmer des Ötztaler Radmarathon darüberklettern. Profirennen erweisen dem Pass nur selten die Ehre.

Er ist der nördlichste Übergang, der ganz auf italienischem Gebiet liegt, und er verbindet St. Leonhard im Passeiertal mit Sterzing im südlichen Wipptal. Der Giro d’Italia führte zuletzt 1994 und 1995 über den Jaufenpass. 1994, auf der 235 Kilometer langen Etappe von Lienz nach Meran, setzte sich Marco Pantani an der Nordostrampe ab und verteidigte seinen Vorsprung bis ins Ziel. 

Der Jaufenpass erhielt seine Straße erst kurz vor Beginn des Ersten Weltkrieges, bis dahin führte nur ein steiler Saumweg hinüber. Die Straßenbauer legten hingegen schöne Kehren in die Hänge – gut für Rennradler. Philip Götsch aus Dorf Tirol bei Meran, 2010 zusammen mit Hanspeter Obwaller Gewinner der TOUR-Transalp, macht sich am Jaufen fit. Sein Tipp: „Früh fahren, dann gibt es nur wenig Verkehr.“ Besonders gut kennt der 24-Jährige die 19 Kilometer lange Südwestseite, die etwas länger und mit mehr Höhenmetern gespickt ist als die Auffahrt von Sterzing. Direkt hinter St. Leonhard überwinden Kehren ein steiles Waldstück. Vorbei an Bauernhöfen und dem Dörfchen Walten zieht sich die Straße entlang des Südhangs, bevor sechs weitere Serpentinen über die Baumgrenze führen, wo der Blick zurück frei wird und man die Texelgruppe und die Ötztaler Alpen mit der vergletscherten Hohen Wilde (3.480 m) sehen kann. Das Ziel, der Pass mit der Edelweißhütte, umgeben von den Bergen Saxner (2.359 m) zur Linken und Jaufenspitz (2.483 m) zur Rechten, ist zum Greifen nah. 

Südwest- und Nordostseite des Jaufenpasses
Südwest- und Nordostseite des Jaufenpasses
© Christian Rolle

Die etwas leichter zu bezwingende Nordostseite ist landschaftlich ähnlich schön: Hier schaut man zurück über das südliche Wipptal bis zu den Zillertaler Alpen.

© Jörg Wenzel
Tour 1 ist die Strecke des Ötztaler Radmarathons, Tour 2 führt von Sterzing hinauf auf den Jaufen.
Tour 1 ist die Strecke des Ötztaler Radmarathons, Tour 2 führt von Sterzing hinauf auf den Jaufen.
© Jörg Wenzel

.

Twitter
Text: Jörg Wenzel 
13.05.2011

Download

Das könnte Sie auch interessieren

  • Maremma
    Unbekannte Toskana: Maremma in TOUR 3/2014 mit GPS-Daten

    Schon im Abseits: Wo in Mittelitalien die Küstenebene auf das Toskanische Erzgebirge trifft, liegt die Maremma. Sie ist der touristisch am wenigsten erschlossene Teil der Toskana, aber die Ecke mit dem mildesten Klima. Eine ideale Kombination für Rennradler

    mehr

  • Colle dei Morti: Nichts als Berge und Almen – zum Colle dei Morti klettert man durch ein fast autofreies Naturidyll.
    Pass-Steckbrief: Colle Dei Morti, Piemont

    Mit seiner Scheitelhöhe von 2.481 Metern müsste der Colle dei Morti Kletterer anziehen wie das Licht die Motten. Doch der Pass im Piemont nahe der Grenze zu Frankreich ist kein historischer Übergang mit klangvollem Namen.

    mehr

  • Goletto di Cadino: Bergamasker Alpen: einsame Sträßchen mit fantastischen Ausblicken – und manchmal schlechtem Belag.
    Pass-Steckbrief: Goletto di Cadino

    Nur Kennern dürfte der Übergang vom Val Camonica (Lago d’Iseo) und dem Val Giudicarie (Lago d’Idro) als Passo Croce Domini bekannt sein. So lautet aber die Beschilderung in den Talorten für den Goletto di Cadino mit seinen 1938 Metern) in den Bergamasker Alpen, die zur Lombardei gehören.

    mehr

  • Passo di San Boldo: Ein Winzling in den Alpen: Zwar hat der Passo di San Boldo nur 706 Höhenmeter zu bieten, dafür aber auch außergwöhnliche Serpentinen.
    Pass-Steckbrief: Passo di San Boldo

    Gerade einmal 706 Meter überm Meer liegt der Übergang des Passo di San Boldo, der das Val Belluna Richtung Süden mit der Po-Ebene verbindet.

    mehr

  • Passo del Vivione: Schmales Traumsträßchen vor der Cimone della Bagozza
    Pass-Steckbrief: Passo del Vivione

    Hand aufs Herz: Wer kennt schon den Passo del Vivione (1.828 m)? Dabei darf man den kleinen Übergang in den Bergamasker Alpen zu den Top Ten der schönsten Alpenpässe zählen.

    mehr

Schlagwörter

JaufenpassItalienSüdtirolPass-Steckbrief

Artikel empfehlen |  Artikel drucken