Südengland-Nordfrankreich-Ärmelkanal Südengland-Nordfrankreich-Ärmelkanal

Südengland-Nordfrankreich für Rennradfahrer

Sieben Etappen per Rennrad rund um den Ärmelkanal

Mathias Rotter am 20.04.2016

An den rauen Küsten des Ärmelkanals liegen hübsche Fischerdörfer, Seebäder und mittelalterlichen Städte. Zu denen führt seit 2013 der Fernradweg „Tour de Manche“, dem wir in groben Zügen folgen

Wir sind nicht alleine. Beruhigend. Ein dick eingemummter Rennradler lehnt bereits neben seiner Maschine, als mein Radkumpel Christian und ich am frühen Morgen ungelenk über die Rampe auf die kleine Autofähre staksen. Bald zieht sich die Sandbanks-Ferry ratternd an zwei mächtigen Ketten 300 Meter hin­über nach Shell Bay, quer über die Einfahrt zum Hafen von Poole, einem der weltweit größten Naturhäfen. Ohne die Kettenführung würde die Fähre zum Spielball des Meeres, dessen gewaltige Gezeiten hier mit unglaublicher Kraft durch das 300-Meter-Nadelöhr strömen. Ebbe und Flut sollen uns die nächsten sieben Tage eindrucksvoll begleiten.

"Hi, I’m Andrew", stellt sich der Eingemummte vor. ­"Wohin geht’s?", fragt er und schaut mitleidig auf unsere Rucksäcke. Als wir von unserer Tour erzählen, warnt er vor den "Rolling Hills" und dem launischen Wetter. Letzteres hätte er in Anbetracht seiner Kleidung nicht ­betonen müssen. Auch wir tragen seit dem ersten Schritt vor die Hoteltüre Armlinge, Beinlinge und Windjacke. Aber heute, Anfang Mai, sei das Wetter ja "exzellent", betont Andrew. Offensichtlich sind zehn Grad bei grau-trübem Himmel für britische Verhältnisse ein schöner Frühlingstag. Mehr Zeit fürs Gespräch bleibt uns nicht. Nach fünf Minuten Kettengerassel hat sich die ­Fähre zum Anleger an der Shell Bay gehangelt. Andrew tritt an – und ist weg.

Fotostrecke: Südengland-Nordfrankreich für Rennradfahrer

Wir lassen es deutlich entspannter angehen. Rucksack zurechtrücken, zur Sicherheit noch einen Riegel einwerfen, GPS-Gerät starten. Der Track auf dem Display führt nach Westen, wie auch die Radrouten-Wegweiser der "Tour de Manche", der Tour um den Ärmelkanal. Den Schildern werden wir folgen, ­solange der Untergrund sich mit unseren schmalen Pneus verträgt. Wenn nicht, führt uns das Navi auf parallel verlaufende Straßen. Nebenstrecken gibt es in den Grafschaften ­Dorset und Devon genug. Netzartig legen sich die einspurigen Sträßchen über die sanften grünen Hügel. Sie verbinden kleine Weiler und einzelne Gehöfte, an ­denen manchmal eine rote Telefonzelle steht. Seriöse ­Gebirge finden wir im Süden Englands keine. Die Topografie, das zeigt die Karte, spielt sich zwischen Null und rund 200 Metern Höhe ab. Kaum der Rede wert, denken wir, sollen aber bald eines Besseren belehrt werden. 

Den gesamten Artikel und die GPS-Daten zu diesen Touren finden Sie unten als Download:

• Tag 1: Immergrünes Dorset
Poole-Sandbanks - Bridport (83  Kilometer, 800 Höhenmeter, )max.  10 %  Steigung

• Tag 2: Steile Küstenwellen
Bridport – Exeter (88  Kilometer, 1.200  Höhenmeter, max.  20 %  Steigung)

• Tag 3: Rund ums Dartmoor
Exeter – Plymouth (101  Kilometer, 1.230  Höhenmeter, max.  10 %  Steigung)

• Tag 4: Bonjour Bretagne
Roscoff  – Kérénoc (114  Kilometer, 1.200  Höhenmeter, max.  8 %  Steigung)

• Tag 5: Wilde Buchten
Kérénoc – Saint Brieuc (109  Kilometer, 1.200  Höhenmeter, max.  12 %  Steigung)

• Tag 6: Stürmisches Cap Fréhel
Saint Brieuc – Saint Malo (102  Kilometer, 1.000  Höhenmeter, max.  8 %  Steigung)

• Tag 7: Abtei im Wattenmeer
Saint Malo – Le Mont-Saint-Michel (53 Kilometer, 200 Höhenmeter, max.  2 %  Steigung)

TOUR Titel 4/2016

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Mathias Rotter am 20.04.2016
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