Landschaftlich ein Traum: die verkehrsarme Nordrampe des Col de la Cayolle Landschaftlich ein Traum: die verkehrsarme Nordrampe des Col de la Cayolle
Frankreich

Pass-Steckbrief: Frankreich: Col de la Cayolle

Matthias Rotter am 05.01.2011

Der Col de la Cayolle (2.326 m) gehört zu einem Pässe-Trio. Im Westen flankiert vom Col d’Allos, im Osten vom Col de la Bonette, führt er wie diese aus dem Tal der Ubaye in Richtung Süden. Ab der Passhöhe geht’s bis zur Côte d’Azur nur noch bergab. Der Cayolle ist etwas höher als der Allos, aber deutlich niedriger als der Bonette. Landschaftlich hingegen liegt er an der Spitze des Trios, vor allem, weil das schmale, verkehrsarme Sträßchen auf der Nordrampe durch die spektakuläre Schlucht des Flüsschens Bachelard führt.

Los geht’s im hübschen Dorf Barcelonnette, einem Ort mit kurioser mexikanischer Vergangenheit: Im 19. Jahrhundert wanderten viele aus der Region nach Mexiko aus und bauten nach ihrer Rückkehr in die alte Heimat ihre Häuser im Kolonialstil. Hinter Barcelonnette verläuft die Straße parallel zum Anstieg auf den Col d’Allos, jedoch im Talgrund und ohne groß an Höhe zu gewinnen. Immer steiler aufragende Felswände kündigen bereits die Gorges du Bachelard an, die nach einem markanten Schwenk nach Osten so deutlich an Dramatik zulegt, dass der Radler kaum bemerkt, dass jetzt auch die Steigung anzieht. Aber der Cayolle ist ein zahmer Pass, selten bäumt sich die Straße mit mehr als sieben Prozent auf. Am Talschluss, im Weiler Bayasse, läuten einige Serpentinen die verbleibenden zehn Kilometer zur Passhöhe ein.

Auch von Süden her rollt man stets durch die herrliche Landschaft der Seealpen und des Mercantour-Nationalparks. Dort beginnt der Anstieg zum Pass in St. Martin d’Entraunes, einem verschlafenen Nest, wo auch die Straße auf den Col des Champs abzweigt – ebenfalls ein schöner Pass und ein Geheimtipp! Vorbei an einigen Weilern und Kirchlein erreicht man bei gleichmäßiger Steigung Estenc. Ein See auf einem kleinen Plateau markiert die Quelle des Flusses Var, der nach Süden hinabgurgelt und bei Nizza ins Meer mündet. Den folgenden, beeindruckenden Aufschwung überwindet die Straße mit etlichen Serpentinen und einigen Felsentunnels. Am Ende schlängelt sich die Straße durch eine karge Karstlandschaft, in der vereinzelt knorrige Bäume in den Himmel ragen.

Nord- und Südrampe im Profil

Optisch ein Genuss: der Mercantour-Nationalpark

Lageplan des Col de la Cayolle an der Grenze zu Italien

Die Detailkarte

Matthias Rotter am 05.01.2011