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Deutschland: Stralsund und Rügen

Rennrad-Touren im Naturparadies um Stralsund

Sven Bremer am 26.06.2015

Wind und Kopfsteinpflaster – harte Gegner lauern an der Ostsee rund um die Hansestadt Stralsund. Wer mit ihnen spielen kann, erlebt auf einsamen Straßen ein Naturparadies

Rennradler an der Küste muss man wohl gebaut sein wie Gert Friedel. Hungerhaken, die von der erstbesten Böe umgeweht werden, haben es im Nord­osten Deutschlands nämlich nicht leicht. Aber ein Mecklenburger "Kanten" wie Friedel mit ­seinen knapp zwei Metern und rund hundert Kilogramm, der pflügt nur so durch die windumtoste Boddenlandschaft. Den kann nix umhauen, nix aufhalten, nix umwehen. Als Gast profitiert man bei der Radrunde des SV Hanse-Klinikum Stralsund dankbar von dem veritablen Windschatten, den der "Sektions­leiter Radsport" – so heißt das dort auch 26 Jahre nach dem Mauerfall noch – spendet. Und weil der Sektionsleiter eine Seele von Mensch ist, macht er das auch gerne, das Windschattengeben.

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Der TOUR-Besuch kann es sich in seinem ­Rücken also ein wenig bequem machen und die Landschaft im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft genießen. Wir fahren durch kleine Orte mit Backsteinhäuschen, entlang prächtiger Alleen und zur Küste, wo sich linker Hand der ­Weizen im Wind biegt; rechter Hand tanzen die Schaumkronen auf dem Bodden, einer Lagune der Ostsee, unter der ordentlichen Brise. Am kleinen Hafen in Barhöft, Wendepunkt der Trainingsrunde, wird kurz darüber "geschnackt", wo und wann man den besten fangfrischen Fisch bekommt. Dann geht’s wieder zurück in Richtung der altehrwürdigen Hansestadt Stralsund. Durch eine Gegend, in der im Spätsommer Abertausende von Kranichen auf ihrem Weg nach Süden rasten. Idyllisch ist es hier, aber auch ziemlich verschlafen. Und flach.

Weit und breit verstellt kein Berg den Horizont. Allenfalls erheben sich winzige Hügel, die aber gleich als "Alpen" bezeichnet werden – wie die rund 50 bis 60 Meter hohen Erdhaufen namens "Barther Alpen" gegenüber der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst oder die Bodenwellen im Südosten Rügens, aus denen die "Zickerschen Alpen" wurden. Die Gert Friedel aber allesamt auf dem großen Blatt wegdrückt.

Den gesamten Artikel und die GPS-Daten zu diesen Touren finden Sie unten als Download:

• Tour 1: Hanse-Tour  (97 Kilometer, 400 Höhenmeter, max. 1 %  Steigung)

Zwischen den altehrwürdigen Hansestädten Stralsund und Greifswald sagen sich Fuchs und Has’ Gute Nacht – was Radlern auf den kleinen, kaum befahrenen und überwiegend gut asphaltierten Sträßchen zugute kommt. Typisch norddeutsch geht es eben durch Felder und Wiesen, Waldstücke und verschlafene Dörfer. Bei Horst wird man erstmals richtig durchgeschüttelt, auf der Nebenstrecke der B 105 noch einmal – aber dort soll das alte Kopfsteinpflaster nach und nach einer neuen Asphaltdecke weichen.  

• Tour 2: Tour de Rügen (118 Kilometer, 800 Höhenmeter, max. 5 % Steigung)

Rennradfahren auf Rügen ist eine gute Idee – nur nicht in den Sommerferien: Deutschlands größte Insel ist in der Hauptsaison hoffnungslos überfüllt. Unsere Runde führt auf der Deutschen Alleenstraße durch den welligen Norden bis Putbus. Hinter Sassnitz klettert man in den ­Buchenwäldern des Nationalparks Jasmund bis auf knapp 140 Meter. Weiter geht’s mit ­herrlichen ­Ausblicken hinüber zum Kap Arkona über Sagard und Lietzow zwischen Kleinem und Großen ­Jasmunder Bodden nach Bergen (leider entlang der B 96). Hinter Bergen auf Nebenstraßen nach Altefähr und von dort aus ­weiter mit der Fähre über den Strelasund nach Stralsund. Wem die sechs Euro für die Überfahrt zu happig sind, der fährt einfach mit dem Rad wieder über den Damm zurück.
 

TOUR Titel 5/2015

Den gesamten Artikel mit Infos zur Komfortgeometrie, dem Weg zum richtigen Rahmen und allen Testergebnissen im Überblick finden Sie in TOUR 5/2015: Heft bestellen->   TOUR IOS-App->   TOUR Android-App->

Sven Bremer am 26.06.2015