Mainfranken Mainfranken

Deutschland: Rennradeln im Fränkischen Weinland um Würzburg

Mainfranken: Rennrad-Touren durch die Weinberge

Cristiane Bertelsmann am 28.09.2015

Mild wie das Klima ist die sanft hügelige Landschaft im Fränkischen Weinland östlich von Würzburg. Ein Rennradrevier für Genießer – wenn da nicht einige giftige Anstiege in den Weinbergen wären.

Der erste Eindruck trügt nicht. Wein, wohin man schaut. Eingebettet in Rebhänge liegt auch unser Ausgangsort Volkach. Das an der Mainschleife gelegene Städtchen ist einer der populärsten Orte im östlich von Würzburg gelegenen Fränkischen Weinland. Dort reiht sich eine Weinstube an die nächste, und sogar aus dem Fahrradkorb der Dame vor uns, die wir kurz hinter dem Volkacher Stadttor überholen, ranken junge Reben – die kommen vermutlich noch schnell in irgendeinen Weinberg oder als Deko in eine Vase. Auch für uns geht es bald in die Weinberge. Steil steigt die schmale Straße an – kurz, aber knackig. Der Ausblick lohnt sich – gegenüber thront, ­umstanden von üppigen Reben, die Vogelsburg, deren einstige Burganlage schon im 13. Jahrhundert zu einem Kloster umgewandelt wurde. Im benachbarten Nordheim informiert uns eine Werbetafel, dass dort die Fränkische Weinkönigin lebe. Hoheit Christine hat aber schon abgedankt, erfahren wir von einem Einheimischen. Die aktuelle Weinkönigin, Kristin Langmann, residiert in Bullenheim, das später jedoch auch noch auf unserer Runde liegt.

Sommer in Sommerach

Doch zunächst rollen wir hinunter nach Sommerach, in einen Muster-Weinort mit geraniengeschmückten Höfen und plätscherndem Dorfbrunnen. Riesige Torbogen, durch die locker jeder noch so hoch aufgetürmte Ernte­wagen passt, führen zu geräumigen Innenhöfen, in denen manchmal heute noch die Weinernte verarbeitet wird – oder, wenn’s ein Gasthof ist, verkostet. In der Luft liegt der ­süßlich-herbe Geruch leicht vergorener Trauben, vor den Häusern haben viele Besitzer Reben gepflanzt, die ihre Ranken bis über die Innenhöfe strecken und so im ­Sommer ein grünes, schattiges Dach bilden. Sommerach konnte sich übrigens in den vergangenen Jahren mehrmals zum schönsten Dorf Deutschlands küren lassen – die Entscheidung der Juroren ist gut nachvollziehbar.

Deutschland: Mainfranken

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Doch auch die kleineren Weinorte, durch die wir fahren, gefallen uns. Martin Kaltdorf, der gerade an der Uni­versität Würzburg seine Doktorarbeit in Bioinformatik schreibt, tourt schon seit Jahren mit seinem Radsportverein, der RSG Würzburg, von dort aus ins Weinland und hat uns Tipps gegeben. Gerade unter der Woche, wenn es auf den Straßen ruhiger zugeht, mag er besonders gerne die Strecke in den östlich von Volkach gelegenen Steigerwald. Auch eine Weingegend, aber eine mit vielen schmalen Straßen in ständigem Auf und Ab. Als wir ­seine Empfehlung nachfahren, merken wir spätestens in Castell, am Rand des Steigerwalds, wie fordernd das ist. Hinter dem Ort zieht ­eine Rampe ganz schön den Berg hoch. Und ruhiger wird es auf dieser Tour erst zum Schluss. Eigentlich könnte man dort eine neue Messeinheit einführen: Weinbergmeter statt Höhenmeter.

Den gesamten Artikel und die GPS-Daten zu diesen Touren finden Sie unten als Download:

• Tour 1:  Durch die Weinberge (83  Kilometer, 960  Höhenmeter, max. 8 %  Steigung)

Angenehme, aber dennoch knackige Tour durchs Agrarland Mainfranken. Es geht zu ­Blaukohlfeldern (bei Fährbrück) und immer wieder die steilen Weinberge hoch und runter. In Wipfeld bringt einen die Fähre über den Main. Zum Ende der Tour lohnt sich ein kurzer Abstecher zur Wallfahrtskirche Maria im ­Weingarten (bei Km 82,2 links) – auch wegen der tollen Aussicht.

• Tour 2:  Zum Rand des Steigerwalds (125  Kilometer, 1.400  Höhenmeter, max. 7 %  Steigung)

Den Main entlang durchs Herz des Weinlands. Vor Castell wartet die erste längere Steigung, danach folgen bis zum Steigerwald stille ­Straßen in stetem Auf und Ab. Zum Schluss, den Main immer im Blick, wird es wieder flacher.
 

TOUR Titel 09/2015

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Cristiane Bertelsmann am 28.09.2015