Deutschland: Höhenzüge im Mittleren Schwarzwald Deutschland: Höhenzüge im Mittleren Schwarzwald

Deutschland: Höhenzüge im Mittleren Schwarzwald

Fast wie in den Alpen: Rennradtouren im Schwarzwald

Patrick Kunkel am 25.08.2015

Verschwiegene Täler, aussichtsreiche Höhenzüge und Bergstraßen, so schwer wie Alpenpässe: Der Mittlere Schwarzwald bietet alle Zutaten für ein perfektes Rennradwochenende.

Manchmal ist stehen bleiben besser als fahren: Das Rad an einen alten, knorrigen Baum gelehnt, den Anstieg für einen Moment Anstieg sein lassen und ­anstatt Kettensurrens und Gangschaltungs­klackerns bloß noch das Sirren umherschwirrender Fliegen hören, das ferne Gebimmel von Kuhglocken und das Rascheln des Windes in den tiefgrünen Baumwipfeln ringsum. "Ich genieße solche Momente", sagt Ingmar Kerschberger aus Freiburg, der mich zwei ­Tage lang auf dem Rennrad durch den Mitt­leren Schwarzwald begleitet.

Deutschland: Höhenzüge im Mittleren Schwarzwald

Naturschauspiel Kaum Autos, kaum Men­schen: Auf einsamen Nebenstrecken rund um den Kandel bekommt man einen Schwarzwald zu Gesicht, wie ihn viele Touristen nicht kennen

Vor der Abfahrt am frühen Morgen hatte Kerschberger geschwärmt: "Hier gibt es ein richtiges Netz aus kleinen, feinen Nebenstraßen." Und dass man stundenlang auf wunderschönen und einsamen Strecken unterwegs sein könne. Den ganzen Vormittag über hatte er uns heftige Anstiege hinauf gejagt, bis die Beine brannten und lange, schnelle Abfahrten wieder hinunter. "Auf diesen Nebenstrecken, die von Hof zu Hof führen", sagt der Freiburger, "bekommt man einen Schwarzwald zu Gesicht, wie ihn viele Touristen, die sich bloß für Wurstsalat, Kuckucksuhren und Bollenhüte interessieren, nicht kennenlernen."

Das geht dann so: Erst rollen wir wie im Rausch auf einer verschlungenen Nebenstraße durch das abgeschiedene Wildgutachtal. Und kurz darauf lernen wir einen alten Bauern kennen, dessen Gesichtshaut ebenso zerfurcht ist wie die Berge ringsum. Er trägt einen riesenhaften Holzrechen in den robusten Pranken und einen Zigarrenstumpen im Mundwinkel. Ein paar Meter weiter bearbeitet die ganze Großfamilie einen Steilhang mit Sensen. Gemäht wird noch per Hand. "Mit einer Maschine kommst du da nicht hin", sagt der Alte – "do kumsch nit noa", klingt das in seinem breiten alemannischen Dialekt.

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Fast wie L’Alpe d’Huez

Aber mit dem Rennrad kommt man bestens in die verschwiegenen Täler mit ihren steilen Bergflanken, die von einem Mosaik aus Weiden, zumeist aber von einem dichten, struppigen Waldpelz überzogen sind. Ab und an klammert sich ein kleines Hofgut an die Steilwand oder duckt sich ans Ufer der wirbelnden Wildgutach. Der Mittlere Schwarzwald beginnt wenige Kilometer nördlich von Freiburg im Breisgau und reicht nordwärts bis zum Renchtal und dem Kniebis. Mehrere Fluss­täler durchschneiden das Gebiet, die höchsten Berge erreichen über 1.200 Meter Höhe. Kein Wunder, dass Ingmar Kerschberger und etliche andere Freiburger Rennradler hier aus­gesprochen gerne trainieren.

Den gesamten Reisebericht und die GPS-Daten zu diesen Touren finden Sie unten als Download:

• Tour 1: Immer auf und ab (113  Kilometer, 2.400  Höhenmeter, max.  17 %  Steigung)
Der Rohrhardsberg bei Schonach ist die wohl schönste Sackgasse des Mittleren Schwarzwalds – und die steilste. Danach geht es über einsame und steile Asphaltwege durch die lieblichen Täler Prechtal, Elztal, Kinzigtal und Gutachtal zurück auf die Höhenzüge bei Furtwangen.

• Tour 2: Kandel und Wildgutach (122  Kilometer, 2.500  Höhenmeter, max.  19 %  Steigung)
Nach der Abfahrt durch die klammartige Wildgutachschlucht ins Elztal folgt der längste, ­härteste und kurvenreichste Anstieg der Region auf den Kandel. In einem Bogen über St. Peter und St. Märgen – wo weitere Höhenmeter ­gesammelt werden. Ausruhen? Erst am Ziel.

TOUR Titel 08/2015

Den gesamten Artikel mit Infos zur Komfortgeometrie, dem Weg zum richtigen Rahmen und allen Testergebnissen im Überblick finden Sie in TOUR 8/2015: Heft bestellen->   TOUR IOS-App->   TOUR Android-App->

Patrick Kunkel am 25.08.2015