Waldviertel Waldviertel
Österreich

Österreich: Waldviertel

Matthias Rotter am 21.04.2014

Im Nordosten Österreichs liegt das Waldviertel – ein traumhaftes Hügelland mit weniger Wald als ­vermutet und mehr Höhenmetern als erwartet. Großartig für Rennradler: Die Region ist durchzogen von ­asphaltierten Feldwegen, die dort „Güterwege“ heißen.

Geht es um Streckentipps, sollte man Rockys Empfehlungen lieber beherzigen. Franz "Rocky" Rockenschaub, der Dorfwirt von Liebenau, hatte mich gewarnt: Nein, zwischen Mitterschlag und Bad Großpertholz sei ihm keine rennradtaugliche ­Verbindung bekannt. Jetzt stehe ich mittendrin im Gehölz, und vor mir verwandelt sich der holperige Asphalt vollends in eine üble Schotterpiste. Die Himmelsrichtung stimmt zwar, aber Lust auf ein plattfußträchtiges Abenteuer verspüre ich nicht. Also kehrtmachen, und ­zurück zum letzten Posten menschlicher Zivilisation, ein paar Gehöften an einem Fischweiher.

Diese Waldviertel-Lektion ist schnell gelernt: Nicht alles, was in der Landkarte wie eine seriöse Straße aussieht, muss in Realität auch eine sein. Doch eine reizvolle Alternative ist schnell gefunden, und bald rolle ich wieder schmalspurreifengerecht nach Norden in Richtung tschechischer Grenze. Einsam bleibt es allerdings, abgesehen von grasendem Vieh und zwitschernden Vögeln. Viele Kilometer geht es auf einspurigen Sträßchen dahin, die hier "Güterwege" heißen und die vielen Gehöfte und Weiler verbinden. Motorisierter Verkehr? Nur, wenn man ein paar Traktoren als Verkehr bezeichnen will.

Am Abend als Rocky Rockenschaub meine Geschichte hört, grinst er. "Der kleine Umweg hat deinem Trainingszustand bestimmt gut getan", feixt der Wirt. "Und ein paar nette Höhenmeter gab’s sicher auch noch als Dreingabe? Auf 50 Kilometer hast du hier im Schnitt 1.000 Höhenmeter beisammen. Und am Ende geht’s garantiert noch mal bergauf!" Schließlich liegt Liebenau oben auf dem Grenzkamm zwischen Mühl- und Waldviertel. Kein Wunder, dass der passionierte Radler Rockenschaub einmal als wilder Hund in Österreichs Marathonszene bekannt war. Bei dem ewigen Auf und Ab im Waldviertel stellt sich eine gute Form ja fast von alleine ein. Das ist jedoch ein paar Jahre her. Heute führt Rocky einmal pro Woche eine Genusstour über seine Lieblingsstrecken. Ein Pflichttermin für radfahrende Gäste.

Den gesamten Artikel übers Waldviertel mit diesen Touren sowie die GPS-Daten finden Sie unten als Downloads:

• Tour 1 – Grenztour (85 km, 1.700 hm, max. 18 Prozent Steigung): Die Tour führt auf Güterwegen durch Wälder und Hochmoore entlang der tschechischen Grenze. Kletterkünste sind im Grenzgebirge Freiwald gefragt, wo es am Nebelstein mit bis zu 18 Prozent auf fast 1.000 Meter Höhe geht. Oben wartet eine rund fünf Kilometer lange, feine Naturstraße.

• Tour 2 – Auf Güterwegen (76 km, 1.370 hm, max. 10 Prozent Steigung): Diese Tour folgt auf und ab auf einspurigen, asphaltierten Feldwegen, den sogenannten Güterwegen. Am östlichsten Punkt sollte man Zwettl besuchen, schon wegen der historischen Innenstadt und des berühmten Hundertwasserbrunnens. Auf dem Rückweg passiert man die historisch bedeutende Burg Rappottenstein. Körnersollte man sich fürs Finale aufheben, denn die Strecke steigt bis ins Ziel stetig an.

TOUR gibt es auch online unter www.delius-klasing.de/zeitschriften/TOUR.19400.html

Matthias Rotter am 21.04.2014