Steillage: Wo die Rebsorte Blauer Wildbacher reift, schießt dem Radler die Milchsäure in die Beine. Steillage: Wo die Rebsorte Blauer Wildbacher reift, schießt dem Radler die Milchsäure in die Beine.
Österreich

Österreich: Steiermark (mit GPS-Daten)

Sven Bremer am 19.03.2010

Obstwiesen, Kürbisfelder, Weinberge: Auf den ersten Blick kommt sie lieblich daher, die südwestliche Steiermark. An den steilen Stichen der Weinberge jedoch zeigt sie Radlern, dass sie auch ganz anders kann.

Den Lenker fest in der Hand geht ein flüchtiger Blick nach hinten. Mist, das Material bietet keine Reserven, die Kette liegt auf dem größten Ritzel. Also, am Lenker ziehen, was das Zeug hält und auf dem Bock im Schlingerkurs von einer Straßenseite zur anderen. Der Computer zeigt 20 Prozent. Mit “Genussradeln” haben die Touristiker der südwestlichen Steiermark ihren Radführer überschrieben. Ja, sind die narrisch? Genussradeln? Falls man masochistisch veranlagt oder als Bergfloh auf die Welt gekommen ist. Dann vielleicht ...

Die Steilrampe lehnt sich schon bald zurück. Die Beine lockern sich, nur der Schweiß brennt noch etwas länger in den Augen. Auch, weil die Sonne vom Himmel herunterbrennt. Das macht sie gern, in der Steiermark. Also gut, verrückt sind sie nicht, die Touristiker. Denn die verschiedenen Routen in der südwestlichen Steiermark ergeben am Ende ein perfekt komponiertes Mehrgängemenü für Radsport-Gourmets.

Mal geht es “obi”, wie man hier sagt, mal “aufi”, dann wieder “aussi” und schließlich “ummi”. “Du hast unglaublich viele Möglichkeiten und dabei auch noch atemberaubende Ausblicke. Langweilig jedenfalls wird es dir nie”, sagt Bernhard Eisel, Profi vom Team Columbia und bei Voitsberg in der Steiermark geboren und aufgewachsen. “Ein fantastisches Trainingsrevier, um mir die Form für die Klassiker zu holen.” Und die Alpen sind nah. Am Pass auf der Weinebene, an der Grenze zu Kärnten, schnuppert man knapp oberhalb der Baumgrenze schon Gebirgsluft, auch wenn die hier meist moderat ansteigenden Serpentinen auf “nur” 1.668 Meter hinaufführen.

Der Blick hinunter über die Ausläufer der Koralpe offenbart ein Gemälde aus Grüntönen. Das Dunkel der dichten Mischwälder dominiert, hier und da ist das satte Grün der Weiden dazwischen gepinselt. Weiter unten leuchten die Weinberge, und in der Ferne schimmern blassgrün die Silhouetten der slowenischen Bergkuppen. Wie sagte einst Erzherzog Johann, der Schutzheilige der Steiermark? “Jeder Gedanke an die große Welt, jeder Kummer schwindet hier. Frei ist der Atem, und man denkt sich auch frei.” Einverstanden, solange man nicht die Rampen mit dem Rad hinaufmuss.

Den gesamten Artikel als PDF und diese Routen als GPS-Daten finden Sie unten zum Downloaden:

• TOUR 1: Auf der Ölspur

(64 Kilometer, 850 Höhenmeter, maximal 20 Prozent Steigung)

• Tour 2: Auf die Weinebene

(112 Kilometer, 2.700 Höhenmeter, maximal 17 Prozent Steigung)

• Tour 3: Besuch beim Nachbarn

(128 Kilometer, 1.700 Höhenmeter, maximal 18 Prozent Steigung)

• Tour 4: Zu den Lipizzanern

(109 Kilometer, 1.400 Höhenmeter, maximal 12 Prozent Steigung)

GPS-DATEN: TOUR bietet die Daten der Touren zum kostenlosen Download an. Die Tracks im GPX-Format können Sie zum Nachfahren direkt auf ein GPS-Gerät laden oder am Computer in Google Earth oder Google-Maps betrachten.

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Sven Bremer am 19.03.2010