Italien

Pass-Steckbrief: Italien: Passo San Marco

Kuehn am 05.10.2010

Passo San Marco? Meist kennen ihn nur Experten des Giro d’Italia, wo dieser Name immer wieder einmal im Streckenplan auftaucht, zuletzt 2007. Dabei können sich die knapp 1.800 Höhenmeter seiner Nordrampe mit viel berühmteren Anstiegen wie dem Stilfser Joch messen.

Dolomitenpässe wie Grödnerjoch oder Passo di Giau übertrifft der San Marco locker. Aber er liegt abseits der Touristenströme und verbindet die Region von Sondrio, das Valtellina, mit dem Valle Brembana, das nach Süden hin über San Pellegrino Terme in die Poebene mündet. Man mag kaum glauben, dass dort im Mittelalter einmal ein wichtiger Handelsweg von Venedig nach Süddeutschland verlief. Denn heute liegt das Sträßchen, das Tor in die Bergamasker Alpen, die meiste Zeit des Jahres recht verlassen. Ein Grund mehr für Rennradler, den San Marco unter die Räder zu nehmen.

Auf beiden Rampen liegt die durchschnittliche Steigung zwischen sieben und acht Prozent. Deshalb sind große Ritzel und ein gewisser Respekt angebracht. Im Norden erhebt sich der Anstieg in Morbegno ohne Umschweife aus dem oft sehr heißen Tal der Adda. Frühestens ab Albaredo, das man nach rund zehn Kilometern passiert, ist mit einem kühlen Lüftchen zu rechnen. Von Kilometer 17 bis 20 bietet sich die Gelegenheit zum Durchatmen, bevor im Finale bis zur Passhöhe die härtesten, elf Prozent steilen Passagen drohen. Auch auf der Südrampe wartet mit rund 1.500 Metern Höhendifferenz eine seriöse Aufgabe auf die Kletterer. Besonders die Steilstufen im serpentinenreichen Abschnitt ab Kilometer 11 verlangen mit bis zu zwölf Prozent Steigung ordentlich Druck auf dem Pedal.

Nord- und Südrampe des Passo San Marco

Nord- und Südrampe des Passo San Marco

Kombi-Möglichkeit: Wer seinen Urlaub am Nordende des Comer Sees (etwa in Colico) verbringt, kann eine attraktive Rundtour durch die Bergamasker Alpen in Angriff nehmen. Dabei verläuft nur der erste Teil bis Morbegno auf einer verkehrsreichen Hauptstraße. Danach ist man auf den Nebenstrecken mit sich und der Natur ganz alleine.

Kuehn am 05.10.2010