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Italien

Italien: Piemont Durchquerung

Matthias Rotter am 13.06.2014

In Cross-Manier durch die piemontesischen Westalpen: sieben Tage über zwölf einsame Pässe, garniert mit Holperpisten und einem Saumpfad, auf dem das Rad auf die Schulter muss. Plus: die besten Jedermann-Rennen über die Alpen und sechs weitere Transalp-Vorschläge

Früher konnte ich vor Prüfungen nie etwas früh­stücken. Und obwohl ich seit Jahrzehnten nicht mehr die Schulbank drücke, bekomme ich an diesem Morgen fast nichts runter. Die Uhr zeigt halb sechs, die Nacht war kurz im Albergo Gran Paradiso auf 2.000 Metern Höhe. Bruno, der Wirt, hat extra für meinen Freund Mike und mich die Espressomaschine unter Dampf gesetzt. Sogar ein Körbchen mit Panini steht auf dem Tisch, dazu krümeliger ­Kuchen. Typisch Italien. Radsportler hin oder her, da macht Bruno keine Ausnahme. Kurze Zeit später verlassen wir die Wärme des Frühstücksraums. Als die Tür hinter uns ins Schloss schnappt, klicken wir nicht in die Pedale, sondern schultern die Crossräder und stapfen den steilen Saumpfad hinter dem Albergo bergauf. Auf uns warten 600 Höhenmeter zum Colle del Nivolet. Brunos Koffeinspritze zeigt Wirkung, mein Puls hämmert bereits auf den ersten ­Serpentinen gegen die Schädeldecke. Aber schon nach wenigen hundert Metern ist ein angenehmer Rhythmus gefunden. Die Morgen­sonne wirft blasse Strahlen auf die schnee­bedeckten Bergriesen, die Luft ist herrlich frisch und vertreibt auch die letzten Zweifel. Außer uns ist kein Mensch unterwegs. Schade eigentlich – die fragenden Blicke der Wan­derer wären lustig gewesen. Zwei Verrückte, die Rennräder durchs Hochgebirge tragen.

Alles über die 7-tägige Tour finden SIe unten als PDF-Download - inklusive GPS-Daten.

Fotostrecke: Piemont Durchquerung

Die schwere Tour (653 Kilometer, 15.840 Höhenmeter) startet in Martigny im Schweizer Kanton Wallis, wechselt aber gleich über den Col du Grand Saint-Bernard ins Aostatal, in eine eigene italienische Provinz. Bis auf zwei Abstecher nach Frankreich verläuft die Route nun auf der italienischen Seite des Westalpen-Hauptkamms durch die Provinz Piemont. Der erste französische Schlenker, zwischen Sestriere und dem Col d’Agnel, ist deutlich attraktiver als die Fahrt durch die Po-Ebene. Und der letzte Routen-abschnitt, die -direkte Verbindung vom Stura-Tal an die Riviera, führt zwangsläufig ein Stück durch die französischen Seealpen.

Diese Etappenfahrt ist trotz der geringeren Zahl an Höhenmetern deutlich schwerer als die auf französischer Seite der Westalpen verlaufende Route des Grandes Alpes. Härteprüfung ist gleich am zweiten Tag der 2.612 Meter hohe Colle del Nivolet, mit einer rund dreistündigen Schiebe-/Tragestrecke bergauf. Aber auch an Colle di Finestre (3. Tag) und Colle di Tenda (7. Tag) warten fahrbare, längere Schotter-Abschnitte. Auf den übrigen Strecken dominieren schmale, oft raue Asphaltsträßchen.

Nur manche Überführungsstrecken – zwischen Sestriere und -Briançon oder im Val di Susa – verlaufen unvermeidlich auf Hauptstraßen. Die Täler im südlichen Piemont sind wild und einsam, nur selten passiert man Bergdörfer. Die "Cima Coppi" ist der 2.744 Meter hohe Col d’Agnel, dritthöchster Pass der Alpen. Unsere Route erfordert ein robustes Rad, mindestens 25-Millimeter-Reifen und eine extrem bergtaugliche Übersetzung. Wir sind mit Cross-rädern und Scheibenbremsen gut gefahren. Tipp: eine Schönwetter-periode ausnutzen und das Gepäck aufs Minimum reduzieren. Wichtig: MTB- oder Laufschuhe für den Aufstieg zum Colle del Nivolet.

Nachtrag: Bei der Auflistung der Transalp-Reiseveranstalter auf Seite 29 haben wir Champions-Training (Telefon 0171/2978998, www.champions-training.de) vergessen. Champions-Training bietet eine Etappenfahrt Genf – Nizza mit einem Abstecher in die Provence zum Mont Ventoux an.

Alles über die 7-tägige Tour finden SIe unten als PDF-Download - inklusive GPS-Daten.

 

Matthias Rotter am 13.06.2014