Monte Grappa Monte Grappa

Italien: 4 Rennrad-Touren Monte Grappa

Rund um den Monte Grappa mit dem Rennrad

Jörg Spaniol am 25.05.2016

Hinter dem norditalienischen Städtchen Bassano endet die ­Po-Ebene mit einem Paukenschlag: Das Monte-Grappa-Massiv ist eine südalpine Provo­kation, an der sich Rennradler lustvoll schinden.

Ganz da hinten, irgendwo im Südosten, muss Venedig sein. Also, die Richtung stimmt jedenfalls. Aber anhalten, die Augen mit der Hand abschirmen und genau hinsehen? Kein Gedanke. Tausend Meter über der Po-Ebene und mitten in einer Killer-Rampe am Grappa-Südhang ist man einfach nur froh, wenn das Vorderrad am Boden haftet und die Spur hält. Die Provinzstraße 141 ist stellenweise so schmal wie ein deutscher Radweg. Gerade haben wir zwei Italiener überholt, die auf Schuhplatten schiebend aufwärts eierten. Jetzt anhalten und sich eine Blöße ­geben, von wegen "wir wollten nur mal nach Venedig schauen"? Ganz sicher nicht!

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Am Monte Grappa haben sich schon viele abgearbeitet und wohl die wenigsten davon so freiwillig wie Radsportler heutzutage. Die ­vielen Straßen nach oben sind zum guten Teil Erbe des Ersten Weltkrieges. Von der einen Seite schafften die Italiener zehntausende ­Soldaten gipfelwärts, von der anderen Seite tat Österreich-Ungarn das gleiche. Dazu kamen Baumaterial, Kanonen, Verpflegung. Immer wieder, monatelang. Dann haben sich die ­Armeen gründlichst beschossen, was zigtausend junge Leben beendete. 22.000 Gefallene ehrt alleine das monumentale Denkmal am Gipfel des Monte Grappa. Die Nachschubwege blieben übrig und sind heute asphaltiert. Findige Vermarkter haben die "10 plus 1 Anstiege" zum Monte Grappa in einer Broschüre zusammengefasst. Sie ermuntert Rennradsportler, alle in einer­ Saison zu bewältigen, wofür eine ­Auszeichnung winkt. Auch der sogenannte "Anstieg der ­Helden" ist dabei, eine bis zu 26 Prozent steile Variante. Knapp hundert Jahre nach dem organisierten Massen­sterben ist die Eroberung des Monte Grappa endgültig ein Freizeitspaß geworden – makaber, vielleicht, aber zweifellos ein Fortschritt.

Den gesamten Reiseartikel und die GPS-Daten zu diesen Touren finden Sie unten als Download:

• Tour 1: Hundert Kilometer flach (101  Kilometer, 500  Höhenmeter, max.  5 %  Steigung)
• Tour 2: Die sieben Gemeinden (82  Kilometer, 1.300  Höhenmeter, max.  11 %  Steigung)
• Tour 3: Der lange Rücken (98  Kilometer, 2.100  Höhenmeter, max.  17 %  Steigung)
• Tour 4: Monte Grappa von Osten (82  Kilometer, 2.000  Höhenmeter, max.  16 %  Steigung)

TOUR Titel 5/2016

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Jörg Spaniol am 25.05.2016
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