Norwegen Norwegen

Rennrad-Touren in Fjord-Norwegen

Fjord-Norwegens dramatische Kulisse für Rennradfahrer

Sven Bremer am 30.06.2015

Im Westen Norwegens, wo im milden Golfstrom-Klima sogar Äpfel und Birnen wachsen, schufen eiszeitliche Gletscher und das Meer eine grandiose, zerklüftete Landschaft aus Fels, Eis und Wasser.

Es gibt schlechtere Treffpunkte als die Terrasse des altehrwürdigen Sandven-Hotels in Norheimsund. Terje Ljones, Arve Øyri und Olav Byrkjeland – allesamt Mitglieder des Hardanger Radclubs – rühren dort in ihren Kaffeetassen und warten auf den Besuch aus Deutschland. Sie tragen schicke, blau-grüne Vereinstrikots, Hauptsponsoren sind eine Lachsfarm und ein Wasserkraftwerk. Die drei Radsportler schauen über den Hardangerfjord – den "König der Fjorde", wie man in Norwegen sagt. Und was sie sehen, ist unfassbar schön: sanft geschwungene Almen, die nördlichsten ­Apfelplantagen Europas, die das Fjordufer im späten Frühjahr in ein weiß-rosa Blütenmeer verwandeln, und sattgrüne Weiden, auf denen verstreut Holzhäuser stehen, in Dunkelrot, Weiß oder Gelb gestrichen. Über all dem ragen, eingerahmt von dunklen Wäldern, Felsen in den Himmel – mal zackig markant, wie in den Dolomiten, dann wieder rund wie Vulkankegel. Und zur Krönung des "Königs" glitzert weit oben das Eis des Folgefonna-Gletschers in der Morgensonne.

Gesäumt werden der Hardangerfjord und seine vielen ­verästelten Nebenarme von kaum befahrenen Nationalstraßen, die bisweilen so schmal sind wie ein Doppelbett. Und die hinter fast jeder Kurve Ausblicke bereithalten, die Besucher, wie meinen Kumpel Martin und mich, fast aus den Pedalen hauen. Als wir die Jungs vom Hardanger ­Sykkelklubb auf der Terrasse treffen, liegen bereits zwei Tagestouren in der Region Hordaland hinter uns. Zwei Tage, an denen wir uns öfters dabei erwischt haben, dass wir wie senile Männer vor uns hinbrabbelten: "Boah ey, Alter!" oder "Ist das geil!" oder gar "Alter Schwede!" – was ja ­blöder kaum sein kann, wenn man im norwegischen Fjordland unterwegs ist. Aber irgendwie musste unsere Begeisterung einfach ungefiltert raus.

Fotostrecke: Rennrad-Touren in Fjord-Norwegen

Ob Terje, Arve und Olav eigentlich wüssten, in was für einer paradiesischen Ecke sie leben und Rad fahren? "Ach ja", sagt Terje und rührt weiter in seinem Kaffee, "wir ­kennen es ja nicht anders." Auch Arve weiß nicht so recht, was er sagen soll: "Ja, wir haben schon viel Natur hier. Aber für uns ist das normal", sagt er. Und schiebt hinterher, als wolle er sich dafür entschuldigen: "Aber dafür ist das Wetter hier nicht so toll."

Da können wir ihm nicht widersprechen. Ein Sonnen­paradies ist Fjord-Norwegen nicht gerade. Bergen, die Hauptstadt des Hordalandes, gilt gar als regenreichste Stadt Europas. Als wir zwei Tage zuvor die freundliche ­Dame der Touristen-Information in Rosendal nach der Wettervorhersage fragen, strahlt sie übers ganze Gesicht und rattert die angesagten Werte für den kommenden Tag herunter: "Morgens gibt es ein paar Schauer, dann ist es heiter bis wolkig, am frühen Nachmittag kommt ein wenig Nieselregen, aber später scheint bis abends die ­Sonne." Was Radler im Süden Europas eher in Depressionen ­stürzen würde, ist im Norden Grund zur Freude. Dumm nur, dass die Vorhersage dann doch nicht stimmt und wir am nächsten Tag fünf Stunden durch den strömenden ­Regen pedalieren ... 

Den gesamten Artikel und die GPS-Daten zu diesen Touren finden Sie unten als Download:

• Tour 1: Sykkelklubb-Hausrunde (113  Kilometer, 1.600  Höhenmeter, max.  11 %  Steigung)
• Tour 2: Panoramatour (90  Kilometer, 1.170  Höhenmeter, max.  12 %  Steigung)
• Tour 3: Bike & Boot (95  Kilometer, 1.320  Höhenmeter, max. 12 % Steigung)
• Tour 4: Gletscher-Tour (114  km, 1.900  Höhenmeter, max.  23 %  Steigung)

TOUR Titel 06/2015

Den gesamten Artikel mit Infos zur Komfortgeometrie, dem Weg zum richtigen Rahmen und allen Testergebnissen im Überblick finden Sie in TOUR 5/2015: Heft bestellen->   TOUR IOS-App->   TOUR Android-App->

Sven Bremer am 30.06.2015