© Daniel Kraus
Das 2012er E-Bike Electrolyte Düsenjäger im Einzeltest

Einzeltest: E-Bike Electrolyte Düsenjäger

Mit aufgeräumten Singlespeed-Rennern versucht Electrolyte, das Pedelec vom schwerfälligen, unsportlichen Image zu befreien. Wir haben den „Düsenjäger“ ausprobiert.

E-Bikes gelten als schwer, träge und optisch wenig ansprechend. Mit Sport oder Lifestyle bringt sie bisher kaum jemand in Verbindung. Die Macher der Marke Electrolyte, drei junge Fahrradenthusiasten aus München, wollen sich damit nicht abfinden und dem neuen Mobilitätstrend mit ihren E-Modellen mehr Leichtigkeit einhauchen. Zwei Ingenieure und ein Designer haben das Elektrorad aufs Nötigste beschränkt, um Elektromobilität auch einem jungen Publikum schmackhaft zu machen. Wir haben das auf zwölf Stück pro Jahr limitierte Topmodell „Düsenjäger“ ausprobiert: ein minimalistischer Singlespeeder im Military-Look, der mit nur 10,5 Kilo zu den leichtesten Rädern mit E-Antrieb zählen dürfte.

Das Rezept ist erstaunlich einfach. Die Basis ist ein sportlicher Rahmen – wahlweise aus Aluminium oder in unserem Fall Titan, auf Wunsch auch auf Maß – mit soliden, auf den Einsatzzweck abgestimmten Komponenten aus dem Trekking- oder Rennradregal. Beim fast 10.000 Euro teuren Spitzenmodell hat man sich an keiner Stelle lumpen lassen und Sahnestückchen aus dem High-End-Segment verbaut. Ein hochwertiges Syntace-Cockpit mit Stratos CX Zeitfahr-Basislenker und passender Sattelstütze aus Carbon, eine seltene Shimano-Dura-Ace Carbonkurbel, Felgen und Vorderradnabe von Tune, Keil-Carbonsattel und 25-Millimeter-Rennrad-Reifen von Schwalbe. Die Scapula- Gabel von THM mit integrierter Bremse setzt dem luxuriösen Konzept die Krone auf. Eine Hinterradbremse gibt es als Option, wir würden sie empfehlen.

Der Akku ist ein handelsüblicher 36-Volt-Akku aus dem Werkzeugmaschinen-Zubehör von Bosch, der in einer maßgeschneiderten Kiste am Unterrohr sitzt. Der Hinterradnaben-Motor ist erstaunlich kompakt, nur das Gehäuse wird extra angefertigt. Trittfrequenzsensor und Steuerung sind fast unsichtbar. Aktiviert wird der Turbo mit einem dezenten, verchromten Knopf im linken Lenkerende. Vorausgesetzt, die Kurbel dreht sich – denn rechtlich zählt das E-Bike nur dann als „Pedelec“, sprich versicherungsfreies Fahrrad, wenn der Motor die Tretbewegung unterstützt und nicht ersetzt –, dann katapultiert er den Fahrer mit 250 Extra-Watt nach vorn.

Kompakt: der Motor im Hinterrad
Kompakt: der Motor im Hinterrad
© Daniel Kraus

Das leise Surren schaltet erst ab, wenn dem Piloten 25 km/h schneller Fahrtwind um die Nase weht. Die Fuhre rollt, der festgelegte Gang passt. Wer schneller fahren will, muss jetzt selber treten. Dafür wäre in der Übersetzung noch etwas Luft. Aber das Erlebnis ist nicht die Geschwindigkeit, die für Rennradfahrer völlig normal ist. Das Erlebnis ist die Beschleunigung. Ampelstarts in der Großstadt werden zum reinsten Vergnügen, steile Anstiege verlieren ihren Schrecken. Schwitzen war gestern. Denn wann immer es anstrengend werden könnte, hat man eine gute Portion Extra-Leistung dabei. Das Grinsen, wenn man zur Verblüffung anderer Verkehrsteilnehmer mit gutem Vorsprung vor der Autokarawane über die Kreuzung spurtet, stellt sich wieder und wieder ein.

Das Konzept von Elektrolyte empfiehlt sich für urban geprägte Kurzstrecken, also den Weg ins Büro, oder als ideales Arbeitsgerät für Fahrradkuriere. Für lange Bergtouren ist der Akku zu knapp bemessen, bei ständiger Leistungsabgabe reicht er für zirka 15 vergnügliche Kilometer. Aber das sind Hunderte Ampelstarts.

Bezug/Info www.electrolyte.cc
Preis 9.900 Euro/andere Modelle ab 3.000 Euro

Ausstattung
Rahmen/Gabel Elektrolyte Düsenjäger/THM Scapula F Lenklager Leafcycles, 1-1/8 Zoll
Bremsen vorn THM in tegriert, hinten Dura Ace auf Wunsch
Antrieb Singlespeed 46/18 Z.
Tretlager Shimano Dura Ace FC 7800C (Carbon)
Laufräder/Reifen VR Tune Mig70, HR Nabenmotor mit Mavic CXP33 /Schwalbe Ultremo DD (25mm)
Lenker/Vorbau Syntace Stratos CX/F109
Sattel/-stütze Syntace P6/Keil Carbon

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Text: Jens Klötzer
31.07.2012

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