Werkstatt

Schlauchreifen: Fester Sitz und trotzdem runder Lauf

Dirk Zedler am 13.08.2004

Schlauchreifen sind zum schnellen Fahren gedacht, verlangen dafür aber bei der Montage Zeit und Geduld. Es grenzt an Kunsthandwerk, bis Schlauchreifen rund laufen, dauerhaft sicher auf der Felge sitzen und dennoch bei einer Panne demontierbar bleiben. TOUR zeigt, wie der Umgang mit Pinsel und Tube gelingt.

Schlauchreifen sind zum schnellen Fahren gedacht, verlangen dafür aber bei der Montage Zeit und Geduld. Weil der Reifen nur in eine muldenförmige Vertiefung der Felge eingelegt wird, muss er fest verklebt werden, damit er sich beim Bremsen nicht verschiebt und in Kurven nicht abspringt. Die sorgfältige Montage eines Schlauchreifens wird in Schritten durchgeführt, dazwischen brauchen Reifen und Felge immer wieder Ruhezeiten. Beim ersten Aufkleben auf eine neue Felge kann die Prozedur bis zu einer Woche dauern. Samstags ein neues Laufrad zu kaufen, um am Sonntag damit einen Wettkampf zu bestreiten, ist keine gute Idee. Übung und Erfahrung mit Kleber und Schlauchreifen sind von Vorteil. Bei jeder folgenden Montage spart man sich einen Teil der Vorbehandlung. Wer Zeit hat, sollte die frischen Reifen einige Tage lagern – aufgepumpt und ohne Kleber auf die Felgen gezogen. Das erleichtert die Montage.

Es gibt zwei Möglichkeiten den Reifen festzukleben: Klebebänder und flüssiger Reifenkleber. Vorteil des Bandes ist die schnelle Montage und Demontage. Der Nachteil: Bänder halten den Reifen weniger sicher – insbesondere bei sommerlichen Temperaturen oder wenn sich die Felge beim Bremsen auf langen Abfahrten erhitzt. Außerdem bleibt das Band im Pannenfall am demontierten Reifen kleben; der Reservereifen sitzt dann ohne Klebstoff ungesichert auf der Felge.
Ein Bett aus mehreren Lagen flüssigem Reifenkleber ist auf Dauer praktischer. Wird der Reifen abgezogen, bleibt ein Teil des Klebstoffs auf der Felge. Ein Reservereifen hält dann noch so passabel, dass man vorsichtig weiterrollen kann. Danach muss der Pneu allerdings abgezogen werden. Das Klebstoff-Bett wird dann mit Schmirgelleinen geglättet und um eine frische Lage Kleber ergänzt, bevor der am Nahtband ebenfalls mit Klebstoff bestrichene Reifen wieder aufgezogen werden kann. Da Reifenkleber auch gut an Fingern und Kleidung haftet, empfiehlt sich gebrauchte Arbeitskleidung. Achten Sie außerdem auf eine gute Belüftung des Arbeitsraumes.

Schwierigkeitsgrad: für begabte Hobby-Mechaniker

Sie benötigen dafür:

  • Werkzeug: Pinsel, spezieller Reifenkleber, Zentrierständer, eventuell eine kleine Rundfeile, Schmirgelleinen

Tipp zur Reifen-Demontage

Fotostrecke: Schlauchreifen: Fester Sitz und trotzdem runder Lauf, Tipp

Drücken Sie den Reifen auf der dem Ventil gegenüberliegenden Stelle zur Seite, bis sich ein Spalt bildet. Schieben Sie einen Kunststoff-Montierhebel in diesen Spalt und hebeln Sie den Reifen dann herunter.

Schlauchreifenmontage – so wird's gemacht

Fotostrecke: Schlauchreifen: Fester Sitz und trotzdem runder Lauf

1. Pumpen Sie den Reifen so weit auf, bis er seine runde Form bekommt und stecken Sie das Ventil in das Loch der Felge. Drücken Sie den Reifen vom Ventil ausgehend beidseitig gleichmäßig in das Reifenbett, wie dies ab Bild 6 beschrieben wird. Lässt sich der Schlauchreifen nicht oder nur mit sehr großen Kräften auf die Felge schieben, ist eine saubere Montage nicht gewährleistet, der Reifen muss gedehnt werden. Lassen Sie die Luft wieder ab, stellen Sie einen Fuß in den Reifen und ziehen Sie ihn mit beiden Händen kräftig nach oben. Dehnen Sie den Reifen mehrmals über den gesamten Umfang. Prüfen Sie anschließend erneut, ob er sich jetzt besser montieren lässt.

2. Neue Felgen sind oft sehr glatt, Carbon-Felgen sogar klar lackiert. Rauen Sie deshalb die Oberfläche mit grobem Schmirgelleinen etwas an, damit der Reifenkleber Halt findet. Säubern Sie das Felgenbett von anhaftendem Fett oder Öl mit Spiritus oder Reinigungsbenzin. Warten Sie, bis das Lösungsmittel vollständig verdampft ist, bevor Sie damit beginnen, den Reifen aufzukleben. Am einfachsten lässt sich der Kleber aufbringen, wenn Sie das Laufrad in einen Zentrierständer spannen oder in eine alte Gabel, die in einem Schraub stock klemmt.

3. Oft ist der Reifen am Ventil etwas verdickt, sodass ein Höhenschlag entsteht. Entgraten oder senken Sie das Ventilloch einer Alu-Felge mit Bohrer, Dreikantschaber oder einer Rundfeile an. Bei Carbon-Felgen entgraten Sie vorsichtig mit einer Rundfeile, die Sie nur von außen nach innen führen – nicht zurück, sonst können sich Fasern lösen. Versiegeln Sie die Stelle danach mit Klarlack, Zweikomponenten- oder Sekundenkleber.

4. Mit einiger Übung lässt sich der Kleber direkt aus der Tube verteilen. Gelingt dies nicht, erleichtert ein Pinsel mit steifen Borsten die Arbeit. Für einen gut haftenden Untergrund sind mehrere Lagen Klebstoff notwendig. Verteilen Sie ihn gleichmäßig und möglichst dünn. Nur auf der dem Ventil gegenüberliegenden Seite sparen Sie fünf bis zehn Zentimeter aus, damit Sie später einen Angriffspunkt haben, um den Reifen wieder abzuziehen. Lassen sie den Reifenkitt so lange trocknen,bis er sich nicht mehr klebrig-feucht anfühlt, wenn Sie mit dem Finger darauf drücken – das kann mehrere Stunden dauern. Pinseln Sie nach dem gleichen Schema zwei weitere dünne Schichten Kleber auf die Felge, die sie wiederum antrocknen lassen. Lassen Sie die Felge in diesem Zustand zumindest über Nacht stehen. Danach können Sie das Klebstoffbett mit einer letzten Schicht vervollständigen.

5. Bevor Sie den Schlauchreifen montieren, streichen Sie auch das Nahtschutzband mit Klebstoff ein. Kurz ablüften lassen.

6. Felge mit dem Ventilloch nach oben auf den Boden stellen. Die kleberfreie Seite liegt unten – so bleiben Boden und Felge sauber. Reifen leicht aufpumpen und das Ventil durch die Felge stecken. Reifen fest andrücken, die Flanken dürfen nicht mit dem Kleberbett in Kontakt kommen, sonst sieht der Reifen sofort schmutzig aus.

7. Umgreifen Sie den Reifen mit den Händen gleichmäßig links und rechts des Ventils, ziehen Sie ihn sehr kräftig nach unten und heben Sie ihn Stück für Stück in das Felgenbett. Oft hilft dabei eine leichte Drehbewegung, die den Reifen in das Bett hineinrollt. Gleichmäßig fortfahren, bis noch etwa 20 Zentimeter verbleiben.

8. Ziehen Sie den Reifen, abermals oben am Ventil beginnend, nach unten. Halten Sie den Reifen unter Spannung, indem Sie die Finger an der Felge und die Daumen am Reifen abstützen und setzen Sie das Laufrad in der Hüftbeuge ab. Drücken Sie den Reifen mit beiden Daumen über den Felgenrand.

9. Nachdem der Reifen im Bett sitzt, muss er zentriert werden, da er in den seltensten Fällen sofort rund läuft. Spannen Sie das Laufrad dazu wieder in die Montagehilfe ein und drehen Sie es. Sitzt die Lauffläche nicht mittig oder taumelt der Reifen seitlich, heben Sie die betreffende Stelle an, um die Position zu korrigieren.

10. Wischen Sie Klebstoffreste von der Felgenflanke und von der Seitenwand des Reifens mit Reinigungsbenzin ab. Wenn der Reifen ohne Seitenschlag läuft und sauber ist, nehmen Sie das Laufrad aus der Halterung und pumpen Sie den Reifen bis etwa zur Hälfte des angegebenen Druckes auf.

11. Belasten Sie das Rad über Achsstummel und Schnellspanner und schieben Sie es druckvoll mehrere Meter über den Boden. Dabei sollte das Rad sowohl senkrecht abrollen, als auch einige Umdrehungen nach beiden Seiten geneigt. Läuft der Reifen bei der abschließenden Kontrolle rund, können Sie ihn mit dem maximalen Druck aufpumpen. Bevor Sie das erste Mal damit starten, warten Sie mindestens acht Stunden, besser einen ganzen Tag.

Dirk Zedler am 13.08.2004