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Scheibenbremsen am Rennrad einstellen

Rennrad Disc: Einstellung und Wartung

Dirk Zedler am 12.11.2015

Damit Scheibenbremsen die lautlose Fahrt mit dem Rennrad nicht stören und zugleich sicher zupacken, ist exakte Einstellung und gelegentliche Wartung notwendig. TOUR vermittelt Basiswissen für mechanische und hydraulische Systeme. Neue Technik, neue Wartungsaufgaben: So behandeln Sie Scheibenbremsen richtig.

Schwierigkeitsgrad: für begabte Hobbymechaniker

Werkzeug:
• Innensechskant
• Drehmomentschlüssel
• Bits
• Spitzzange

Hilfsmittel:
• Bremsenreiniger
• Baumwolllappen

TIPPS

SAUBER BLEIBEN
Halten Sie Bremsscheiben und Bremsbeläge frei von Schmier- und Pflegemitteln wie Kettenöl und Wachs. Gelangen solche Mittel auf die Scheibe, müssen diese sofort mit speziellem Bremsenreiniger und einem saugfähigen, sauberen Lappen entfernt werden. Sind die Beläge erst einmal verschmutzt, gibt es dafür keine Abhilfe und sie müssen ersetzt werden.

FESTE SCHRAUBEN
Die meisten Befestigungsschrauben von Scheibe und Bremssattel der Scheibenbremsen sind werksseitig mit Schraubenkleber versehen. Sollten Sie die Schrauben herausgedreht haben, erneuern Sie den Kleber. Kontrollieren Sie alle Schrauben mit dem Drehmomentschlüssel nach 100 bis 300 Kilometern auf sicheren Sitz.

VOLLER BEHÄLTER
Wenn hydraulische Bremsen bei Bergabfahrt oder in der prallen Sonne nicht mehr ganz aufmachen, kann das System zu stark befüllt sein. Abhilfe schafft der Radhändler.

KRÄFTIGE SPANNER
Scheibenbremsen und leichte Tuning-Schnellspanner passen nicht zusammen. Die Laufräder müssen mit höherer Kraft in den Ausfallenden gespannt werden als normale Laufräder; das schaffen nur starke Stahlspanner.

HYDRAULISCHE SCHEIBENBREMSEN

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Schleifgeräusche resultieren aus minimalem Kontakt von
Belag und Scheibe. Meist ist der Bremssattel nicht passend zur Scheibe positioniert. Durch asymmetrische Bremskräfte verrutschen die Naben leicht in den Ausfallenden des Rahmens. Positionieren Sie das Laufrad und schließen Sie den Schnellspanner betont fest.

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Entfernen oder öffnen Sie mechanische Schraubensicherungen in Form von Splinten, Drähten, Blechen,
etc. Lösen Sie die beiden Schrauben der Bremssattelbefestigung etwa eine Umdrehung. Ziehen Sie den Bremshebel, sodass die Beläge an der Scheibe anliegen. Drehen Sie die Schrauben leicht an.

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Lassen Sie den Hebel los und kontrollieren Sie, ob die Scheibe schleift. Wenn ja, schauen Sie ins Fenster, welche Seite mehr Freigang hat und justieren Sie bei erneut gelösten Schrauben nach. Es können mehrere Versuche notwendig sein. Drehen Sie die Schrauben abschließend mit einem Drehmomentschlüssel fest.

Scheibenbremsen


MECHANISCHE SCHEIBENBREMSEN

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Hier müssen Laufrad- und Bremssattelposition ebenfalls stimmen. Darüber hinaus weisen mechanische Bremssättel drei Verstelleinrichtungen auf. Mit der Schraube zum Laufrad hin justieren Sie den inneren, feststehenden Belag. Schauen Sie durchs Schaufenster und drehen Sie den Belag knapp an die Scheibe heran.

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Stellen Sie den äußeren Belag ein. Drehen Sie die äußere Schraube im Uhrzeigersinn ein, um näher zu kommen – oder anders herum für mehr Luft. Ziehen Sie immer wieder am Bremshebel, bis der Hebelweg passt. Die Beläge dürfen bei ruhendem Hebel nicht schleifen; er sollte spätestens nach der Hälfte des Weges einen sauberen Druckpunkt haben.

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Stellen Sie gegebenenfalls den Zug an der Verstellung direkt am Sattel nach, bis der Hebelweg Ihren Anforderungen genügt. Lösen Sie dazu die Kontermutter und drehen Sie die gerändelte Zugschraube entgegen dem Uhrzeigersinn. Kontern Sie abschließend. Passt der Freigang innen oder außen nicht, müssen Sie erneut justieren.

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VERSCHLEISS AUSGLEICHEN UND BELAGWECHSEL

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Hydraulische Scheibenbremsen gleichen den Belagverschleiß selbsttätig aus. Bei mechanischen Bremsen wird der Hebelweg länger. Nachstellen kann man an der Stellschraube des Bremszugs und eventuell zusätzlich an der inneren Schraube.

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Wenn der Belag auf dem Metallträger bis auf 0,5 Millmeter abgefahren ist, muss er spätestens erneuert werden. Kontrollieren Sie die Stärke im Sichtfenster. Leider verschleißen die Beläge nicht immer gleich und parallel, sodass Sie sicherheitshalber nachmessen sollten.

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Bauen Sie das Laufrad aus. Drehen Sie bei mechanischen Systemen die Belageinstellschrauben und die Zugeinstellung komplett zurück. Bei hydraulischen Systemen schieben Sie die Kunststoff- Belagsicherung zwischen die Beläge und drücken die Kolben in die Ausgangsstellung.

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Ziehen Sie den eventuell vorhandenen Sicherungssplint vom Belagsbolzen und drehen Sie den Bolzen mit dem Innensechskant komplett heraus. Entnehmen Sie die Bremsbeläge.

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Wischen Sie das Innere des Bremssattels mit einem Baumwolltuch sauber. Hartnäckige Verschmutzungen und eventuell vorhandene Schmierstoffe lösen Sie mit speziellem Bremsenreiniger und einem saugfähigen, sauberen Lappen. Der Einbau geschieht in umgekehrter Reihenfolge.

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Stellen Sie bei mechanischen Systemen Beläge und Einstellschrauben wie beschrieben neu ein. Bei hydraulischen Systemen müssen Sie den Bremshebel wiederholt ziehen, bis sich ein sauberer Druckpunkt einstellt. Wichtig: Bremsen Sie die neuen Beläge unbedingt nach Angabe des Herstellers ein.

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TOUR-Autor Dirk Zedler ist Inhaber von www.zedler-institut.de

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Dirk Zedler am 12.11.2015