Werkstatt

Richtig schmieren, richtig fetten – so wird es gemacht

Dirk Zedler am 31.05.2005

Hier gibt’s Tipps und Tricks für mehr Geschmeidigkeit am Rad – und wichtige Erkenntnisse über eine neue Montagepaste für Teile aus Carbon.

Hier gibt’s Tipps und Tricks für mehr Geschmeidigkeit  am Rad – und wichtige Erkenntnisse über eine neue Montagepaste für Teile aus Carbon.

Fett ist nicht gleich Fett: Das ist keine neue Erkenntnis, aber eine, der sich Rennradler gerne verweigern. Bei Arbeiten am Rad verwenden sie ein und dasselbe Schmiermittel, ganz gleich, ob sie eine Schraube fetten oder ein Lager schmieren. Dabei werden ganz  unterschiedliche Fähigkeiten verlangt.  Die verschiedenen Farben der Fette deuten zwar deren Unterschiede an,  verraten aber noch nicht, wofür sie geeignet sind. In den so genannten Wälzlagern (Steuersatz, Pedale, Innenlager, Naben, Freilauf) rollen  Kugeln oder Nadeln ab und erzeugen dabei sehr hohe punktuelle oder  linienförmige Lasten auf den Laufbahnen. Diesem hohen Druck muss der Schmierstoff standhalten und zugleich am Wälzkörper haften bleiben, damit er dauerhaft von Schmiere umsorgt wird; das ist die Domäne von speziellen Lagerfetten.Schraubverbindungen, aber auch  Klemm-Passungen wie bei der Sattelstütze, verlangen nach einem Schmierstoff, der aufeinander gleitende Oberflächen voneinander trennt und vermeidet, dass sie angegriffen  werden. Der schlimmste Fall ist das so genannte Fressen: Dann sind die Oberflächen so zerstört, dass sie sich verbinden – kalt verschweißen, nennt das der Fachmann. Vor allem AluKomponenten, die weicher sind als ihre Stahlschrauben, sowie Titan, das eine hohe Reibung aufweist, müssen  mit spezieller Montagepaste oder speziellem Fett behandelt werden.

Gemeinsam ist beiden Schmierstofftypen, dass sie an Carbonteilen  nichts zu suchen haben. Selbst manche Hersteller wissen nicht, was bei der Montage von Sattelstützen oder Lenkern aus Carbon Schwierigkeiten hervorrufen kann. Die falsch eingefetteten Teile finden kaum Halt in einer Klemmung, Schrauben werden so stark angezogen, dass die Carbonfasern gequetscht und beschädigt werden können. Der spätere Bruch kann so schon programmiert sein.

Carbon gar nicht zu fetten, ist allerdings nicht die ideale Lösung. Eine neue Montagepaste für Carbon und Aluminium der Marke Dynamic soll nun Abhilfe schaffen. Der Hersteller mengt einer relativ dünnflüssigen Trägerkomponente kleine Festkörper aus Kunststoff bei. Die dringen etwas in die Oberfläche des Carbons ein und sollen die Reibung in der Passung erhöhen,damit die Schraubenkräfte niedrig bleiben können. Hoher Druck und die Scherkräfte einer Verschraubung hingegen zerreiben die Körnchen.

Im TOUR-Test an einer Carbonsattelstütze zeigte sich, dass das Anzugsmoment der Schraube bei Verwendung der Dynamic-Paste im Vergleich  zur trockenen Montage fast halbiert werden konnte. Mit üblichem Fett oder einer Standard- Montagepaste muss die Schraube um mehr als das Doppelte angezogen werden, um die Stütze sicher zu klemmen. Bei einer Aluminiumstütze bestätigte sich die gleiche Tendenz. Mit Dynamic-Paste halbes Schrauben-Drehmoment, mit  üblichem Fett das Eineinhalbfache der trockenen Montage. Langzeiterfahrungen mit dem Schmierstoff gibt es zwangsläufig noch keine, aber es scheint wenig wahrscheinlich, dass sich die Kunststoffpartikel zersetzen und die Wirkung nachlässt. Für die Montage von Lenkern und Sattelstützen aus Carbon oder von Vorbauten auf Carbongabelschäften ist die Dynamic-Paste daher empfehlenswert; für alle anderen Fette und  Schmierstoffe gilt aber weiterhin: für  Carbon ungeeignet!

Schwierigkeitsgrad: für jedermann

Sie benötigen dafür:

  • Werkzeug: Pinsel, Fettpresse, Bordwerkzeug
  • Material: Lagerfett, Montagepaste, Reinigungsbenzin, Spiritus oder Azeton, Lappen

TIPP 1: Bei Montagepaste führt nicht die Menge, sondern die gleichmäßige Verteilung auf den Kontaktflächen zum Erfolg.

Fotostrecke: Montagepaste

Schrauben müssen im Gewinde und auch an der Auflagefläche des Kopfes gleichmäßig gefettet werden. Am besten gelingt dies mit einem Pinsel.

Zerlegen Sie den Klemmkonus zur Einstellung des Lenkungslagers und bestreichen Sie dünn die innen aufeinander gleitenden Flächen und die Schraube.

Bauen Sie den Mechanismus wieder zusammen und wischen Sie überschüssigen Schmierstoff gründlich ab.

Fetten Sie auch die anderen Gewinde dünn ein, damit die innere Reibung deutlich reduziert wird. Die Einstellung des Lenkungslagers gelingt dann leicht und präzise.

Bestreichen Sie dünn die Sattelstützen-Klemmschelle innen und das Sitzrohr außen, um Knackgeräusche zu vermeiden.

Bei Patronen-Innenlagern gehört Montagepaste nicht nur auf das Gewinde der Befestigungsschalen, sondern auch innen in die Schale und auf die Lagereinheit.

Schrauben und Scheiben, die Teil des Abziehermechanismus einer Kurbel sind, sollten auf beiden Seiten geschmiert werden. Tut man dies nicht, entsteht beim Lösen viel Reibung im System.

TIPP 2: Fetten Sie beide Teile dünn ein und wischen Sie überschüssiges Fett gleich nach der Montage ab, damit es keinen Schmutz anzieht.

Fotostrecke: Carbon-Montagepaste

Entfetten Sie die Klemmflächen der zu montierenden Bauteile mit Spiritus, Reinigungsbenzin oder Aceton.

Bestreichen Sie Vorbaukorpus, -deckel und den Carbonlenker selbst. Auch hier sollten alle Schrauben sorgfältig geschmiert werden.

Wenn Sie Gabelschaft und Schaftklemme des Vorbaus behandeln, beugen Sie zerdrückten Carbonschäften und sich lockernden Lenkungslagern vor.

Bestreichen Sie das Sitzrohr innen und die Sattelstütze selbst dünn mit der Dynamic-Montagepaste. Fetten Sie die Klemmschraube und montieren Sie die Stütze.

TIPP 3:
Lager sollten so voll wie möglich aufgefüllt werden. Unnötiges Fett drückt sich nach außen und bildet einen dichtenden Fettbund.

Fotostrecke: Hier gehört Lagerfett hin

Geöffnete oder teilweise demontierte Lager können Sie mit Lagerfett auffüllen. Sparsam müssen Sie damit nicht umgehen, denn aufgrund der relativ geringen Drehzahlen beim Fahrrad bremst ein Zuviel an Lagerfett nicht spürbar.

Reinigen Sie Bowden Innenzüge mit einem Lappen von anhaftendem Schmutz und ziehen Sie den Innenzug beim Einfädeln durch die gefetteten Finger.

Dirk Zedler am 31.05.2005