Werkstatt

Naben: Lagerspiel-Einstellung

Dirk Zedler am 01.04.2003

Die Naben moderner Laufräder sind wartungsarm und langlebig – deswegen weiß kaum noch jemand, wie man das Lagerspiel einstellt, wenn’s doch mal wackelt. Hier steht wie’s geht.

Lagerspiel in den Naben sieht man nicht – aber man hört es. Zuerst nur gelegentlich, aber dann umso lästiger, wenn im Wiegetritt die Bremsbeläge bei jeder Radumdrehung an den Flanken der Felge schleifen. Es bremst zwar nicht wirklich, aber das Geräusch vermittelt einem das schlechte Gefühl, dass das Rad nicht optimal rollt. Das kann einen an langen Anstiegen schon zur Verzweiflung treiben. Wer dann die Bremse etwas öffnet, um seine Ruhe zu bekommen, spielt jedoch mit seiner Gesundheit: Bei der nächsten schnellen Abfahrt reicht möglicherweise der Hebelweg nicht mehr aus, um maximale Bremswirkung zu erzielen.

Ursache für die schleifenden Bremsbeläge: Schlecht eingestellte Naben. Korrekt eingestellt, drehen sich die Rennradachsen reibungsarm und viele tausend Kilometer. Ist das Lager jedoch zu stark vorgespannt oder lose, gehen die Lagerungen schnell und meistens irreparabel kaputt. Sind die Konen und Lagerflächen beschädigt, kann man das beim Drehen der Achse mit den Fingern spüren, nach der Demontage der Achse sehen, oder mit etwas Erfahrung sogar hören, wenn man einen Schraubendreher als Stethoskop-Ersatz ans Nabengehäuse setzt. Schleifende Bremsbeläge können auch drohendes Unheil andeuten: Ist der Schnellspanner nicht richtig geschlossen, liegt die Achse der Nabe nur lose in den Ausfallenden – das Laufrad kippt im Wiegetritt leicht hin und her. Man kann so zwar möglicherweise viele Kilometer fahren, aber die Fahrt kann auch schon nach wenigen Metern zu Ende sein, wenn man ein Schlagloch durchfährt oder an einer Kante das Vorderrad leicht anhebt.

Schwierigkeitsgrad: für begabte Hobby-Mechaniker

Sie benötigen dafür:

  • Werkzeug: Konusschlüssel, ggf. Innensechskant oder markenspezifisches Lagerwerkzeug sowie Schonhammer

Nabeneinstellung – so wird's gemacht

Fotostrecke: Naben: Lagerspiel-Einstellung

1. Zur Überprüfung des Lagerspiels heben Sie das Rad so hoch, dass sich das Laufrad frei drehen kann. Umfassen Sie die Felge oder eine Speiche im Bereich der Bremsklötze und bewegen Sie die Felge leicht quer zur Fahrtrichtung. Kippt die Felge dabei, müssen Sie das Lagerspiel nachstellen. Kontrollieren Sie aber zuerst den Sitz des Schnellspanners, bevor Sie zum Werkzeug greifen.

2. Dreht sich die Achse nicht sauber, obwohl kein Spiel feststellbar ist, bauen Sie das Laufrad aus und entfernen Sie den Schnellspanner. Prüfen Sie durch Drehen der Achse, ob diese seidenweich läuft.

3. Bewährte Konuslager setzt Shimano bei allen Naben ein, Campagnolo noch bei der Hälfte der Gruppen. Setzen Sie einen passenden Konusschlüssel (sehr flacher Maulschlüssel) am Konus (innere Mutter) an und fixieren Sie ihn durch Umklammern einiger Speichen mit zwei Fingern. Setzen Sie den zweiten Schlüssel so an der äußeren Mutter an, dass sich Ihre Hand vom ersten Schlüssel weg bewegt und es auch zu keiner Kollision mit den Speichen kommen kann. Dies ist wichtig, da sich die Konterung in der Regel plötzlich öffnet.

4. Halten Sie die Achse auf der dem Werkzeug gegenüberliegenden Seite fest und stellen Sie das Lager vorsichtig ein. Bewegen Sie den Konus höchstens in Viertel-Umdrehungen. Drehen und wackeln Sie dabei zwischendurch immer wieder an der Achse. Lässt sich die Nabe so nicht einstellen, weil der Konus sich auf dem Achsgewinde schlecht dreht, können Sie die Achse auch in einen Schraubstock spannen, dessen Backen mit Kunststoff geschützt sind.

5. Passen Spiel und Lagerlauf, spannen Sie die Achse im Schraubstock fest und setzen den Maulschlüssel wieder am Konus an. Setzen Sie den zweiten Maulschlüssel wie im Bild gezeigt so an, dass Sie die Finger außerhalb der Gefahrenzone halten. Montieren Sie das Laufrad mit dem Schnellspanner und lassen Sie es langsam drehen. Dreht es sich nicht sehr leicht, öffnen Sie den Schnellspanner etwa zur Hälfte. Dreht sich das Laufrad wieder einwandfrei, liegt dies daran, dass Schnellspanner die Achse etwas stauchen können. Stellen Sie in einem solchen Fall das Lager etwas zu lose ein, dann passt das resultierende Spiel zusammen mit der Kraft des Schnellspanners.

6. Bei Mavic-Laufrädern ist das Einstellen der Lager sehr einfach. Das Laufrad kann dabei im Rahmen verbleiben. Benötigt wird ein spezieller Schlüssel, der den Laufrädern normalerweise beiliegt.

7. Setzen Sie den Schlüssel mit allen vier Zapfen in die Bohrungen der Abdeckkappe und drehen Sie die Kappe schrittweise etwas im Uhrzeigersinn. Kontrollieren Sie dazwischen immer wieder das Spiel oben an der Felge.

8. Wirkt das Lager zu straff, öffnen Sie die Abdeckkappe mit dem Mavic-Werkzeug eine Umdrehung weit. Nehmen Sie das Laufrad aus dem Rahmen und entfernen Sie den Schnellspanner. Versetzen Sie der Achse von der Einstellseite her einen leichten Schlag mit einem Schonhammer, damit die Lagervorspannung sich lösen kann. Erneute Einstellung wie vorstehend beschrieben.

9. Die hochwertigen Laufräder von Campagnolo weisen wie jene von Mavic eine Lagerung auf, die bei eingebautem Laufrad eingestellt werden kann. Lösen Sie zuerst mit dem 2,5mm-Innensechskant die tangential angeordnete Schraube des Einstellringes eine bis zwei Umdrehungen.

10. Drehen Sie den Einstellring entweder von Hand oder mit einem 21mm-Maulschlüssel etwas nach. Kontrollieren Sie immer wieder die Spielfreiheit. Drehen Sie die kleine Schraube wieder fest, um die Einstellung zu erhalten.

11. Ist die Nabe zu straff vorgespannt, lösen Sie die Klemmschraube und drehen den Einstellring eine oder zwei Umdrehungen auf. Schlagen Sie mit dem Schonhammer auf das Achsende der einzustellenden Seite. Hat sich die Lagerung entspannt, können Sie neu justieren. Bei der Einstellung in ausgebautem Zustand kann man die Nabenachse mit einem von der Gegenseite eingesteckten Innensechskant gegen Verdrehen sichern.

Dirk Zedler am 01.04.2003