Aufmacher Komponententest Schaltgruppen

So testet TOUR Schaltsysteme

Schaltungen, Bremsen und Antriebe im TOUR-Test

Jens Klötzer am 07.05.2018

Die Teilnoten bei Rennrad-Tests ergeben sich aus aufwendigen Tests der einzelnen Bauteile. TOUR erklärt, wie detailliert wir Schaltsysteme testen

Um schnell und genussvoll Rennrad zu fahren, braucht es vor allem Motivation, Ausdauer und Kraft. Aber auch das Rennrad muss gut laufen, für viele Radler liegt die Faszination auch in der Technik. Dabei bestimmen die verbauten Komponenten den Fahreindruck eines Rades noch mehr als der Rahmen. Bei unseren Tests fließt der Rahmen deshalb mit 40, die Ausstattung mit 60 Prozent in die Endnote ein. Um die Bewertungen der verwendeten Bauteile vornehmen zu können, führen wir laufend auch Tests dieser Einzelteile durch. 

Neben Laufrädern oder Reifen zählen dazu natürlich auch die Baugruppen, die Antrieb, Schaltung und Bremsen stellen. Sie stammen in der Regel zusammengehörig von einem Hersteller und sind innerhalb derer einzelnen Gruppen zugeordnet. Diese folgen einer gewissen Hierarchie und unterscheiden sich in Qualität, Funktion, Gewicht und Preis. Funktional sind die Unterschiede dabei vergleichsweise gering, alle Produkte der Hersteller funktionieren gut und die Unterschiede liegen hauptsächlich im Gewicht und in der Verarbeitung der Teile.

Um einen Überblick zu bekommen, welche Gruppe für Ihren Einsatzzweck und Ihr Budget die richtige ist, finden Sie hier eine Übersicht der aktuellen Rennrad-Gruppen der Hersteller Campagnolo, Shimano und SRAM und die zugehörigen Bewertungen.

Fotostrecke: Aktuelle Schaltgruppen in der Übersicht

So testet TOUR

Das Gewicht sowie die Teilnoten für Bedienhebel, Antrieb, ­Schaltung und Bremsen gehen zu jeweils 20 Prozent in die ­Gesamtnote ein.

Gewicht
Summe der Einzelgewichte aller Komponenten, Spezifikationen: Kurbel 53/39, Länge 172,5 Millimeter, Lager für BSA-Standard, Kassette 12-25 (SRAM: 11-26), Kettenlänge 113 Glieder.

Verarbeitung
Bewertet die Fertigungsqualität und Anmutung der Teile und Oberflächen, fließt als Teilnote in die Baugruppenbewertung ein

Montage/Einstellung
Bewertet, wie sich Montage und Demontage sowie Einstell­arbeiten erledigen lassen. Spezialwerkzeug, schwer erreichbare Schrauben und unnötig zeitaufwendige Arbeiten führen zu ­Ab­zug. Fließt als Teilnote in die Baugruppenbewertung ein.

Bedienung
Ergonomie: Beschreibt, wie handfreundlich die Bedienhebel ­gestaltet sind. Störende Kanten, fehlende Griffweiteneinstellung und große Abstände zum Lenker führen zu Abwertung; zusätz­liche, sinnvolle Griffpositionen werden positiv bewertet.
Hebelwege: Die Wege zum Schalten in den nächst größeren bzw. kleineren Gang werden vermessen und benotet.

Antrieb
Härte von Ritzeln und Kettenblättern: Mit einer Härteprüf­maschine werden alle Zahnräder getestet. Die ermittelten Härten (nach Vickers) sind ein Indiz für die Verschleißfestigkeit der ­verwendeten Legierungen und Oberflächen.
Kette: Die Abschnitte der Testketten werden zu Messketten zusammengenietet, auf eine Testmaschine montiert und verspannt. Bei einer Übersetzung von 53/17 werden die Ketten fünf Stunden mit Originalschmierung eingefahren und dann entfettet. Darauf folgen 75 Stunden mit 300 Newton Kettenkraft und weitere 15 Stunden mit 500 Newton. Jeweils nach 15 Stunden werden Quarzsand, Wasser und einfaches öl auf die Kette gebracht. Vermessen wird die Kette jeweils gewaschen und bei 100 Newton Kettenspannkraft.
Dichtigkeit Innenlager: Bewertet, wie gut die Lager der Kurbeleinheit gedichtet sind. Neben der Art der Dichtung fließen ­Erfahrungswerte aus früheren Tests und aus der Praxis ein.
Kurbelsteifigkeit: Erfasst die Nachgiebigkeit der Kurbeln im ­simulierten Wiegetritt auf dem Prüfstand.

Schaltung
Schaltverhalten: Basiert vorrangig auf Praxistests. Benotet wird, wie schnell und geräuscharm die Ritzel bzw. Kettenblätter mit und ohne Last gewechselt werden können.
Züge: Die Schaltzüge werden auf ihre Verschleißfestigkeit hin untersucht. Bei 5.600 Lastwechseln wird in definierten Ab­ständen Wasser und Quarzsand zugegeben und mehrfach die Reibung der Züge gemessen.

Testverfahren: Schaltung, Bremse, Antrieb

Kabellos: Viele Profis sind mit elektrischen Schaltungen unterwegs, hier Räder des Teams Ag2r. Die oben vorgestellten mechanischen Gruppen sind teils deutlich günstiger - bei ähnlicher Performance.

Bremsen
Labortest auf dem TOUR-Bremsenprüfstand: Getestet wird die vordere Bremse mit zugehörigem Hebel und Zug auf einer Aluminiumfelge. Gemessen werden die Bremskräfte bei Trockenheit und Nässe, zusätzlich wird ermittelt, ob die Bremsen bei Erwärmung zu sogenanntem "Fading", einem Nachlassen der Bremskraft, neigen. Aufgezeichnet wird dabei auch die Dosierbarkeit, die vom gesamten Übertragungsweg abhängt. Kreuzversuche mit einheitlichen Belägen isolieren den Einfluss der Beläge.

Bewertung:

Gewicht
Gesamtgewicht aller -Komponenten mit den -Spezifikationen: Kurbel 53/39, Länge 172,5 mm; -Ritzelpaket 12–25 (SRAM: 11–26); Umwerfer 2-fach für Sockelmontage, inkl. Kabel und Züge

Bedienung

  • Ergonomie (30 %)
  • Verarbeitung (20 %)
  • Montage/Einstellung (20 %)
  • Hebelwege rauf und runter (je 15 %)

Antrieb

  • Ritzelhärte (25 %)
  • Kurbelsteifigkeit (20 %)
  • Kettenverschleiß (15 %)
  • Dichtigkeit Tretlager (10 %)
  • Härte Kettenblätter (10 %)
  • Verarbeitung (10 %)
  • Montage/Einstellung (10 %) 

Schaltung

  • Schaltverhalten vorn und hinten (je 25 %),
  • Montage/Einstellung (20 %)
  • Züge und Verarbeitung (je 15 %) 

Bremsen

  • Bremskraft trocken und nass (je 25 %)
  • Dosierbarkeit und Felgenverschleiß (je 15 %)
  • Verarbeitung und Montage/Einstellung (je 10 %)

Gesamtnote

  • Gesamtgewicht und die Endnoten der Baugruppen gehen zu je 20 % in die Gesamtnote ein.
Jens Klötzer am 07.05.2018