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Welche Rahmengröße beim Rennrad brauche ich?

Rennradkauf: die richtige Größe

Manuel Jekel am 30.03.2011

Mit Rennradrahmen ist es wie mit Schuhen: Nur mit der passenden Größe kommt man gut voran. Hier verraten wir Ihnen, wie man die findet und was bei der Kaufentscheidung noch zu beachten ist. Tipps zur Wahl der richtigen Rahmenhöhe

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Das TOUR-Testverfahren ist darauf angelegt, Rahmen der Größe 57 zu bewerten – die meistverkaufte Größe hierzulande. Weil wichtige Bewertungskategorien wie Gewicht, Steifigkeit und Komfort größenabhängig sind, lassen sich die Noten nicht ohne Weiteres auf kleinere und größere Rahmen übertragen. Um auch andere Rahmengrößen einschätzen zu können, haben wir jeden Testrahmen in drei Größen angefordert: in der jeweils kleinsten und größten lieferbaren Größe sowie der Größe, die der Normgröße 57 am nächsten kommt.

Am Beispiel des Carbonrahmen-Tests (TOUR 3/2011) erklären wir die Vermessung eines Rennradrahmens: Endnoten können wir den kleinen und großen Rahmen zwar nicht geben. Sie finden aber im Diagramm auf den Seiten 28/29 zu allen Rahmengrößen die Steifigkeitswerte in Lenkkopf und Tretlager – wichtig für Ihre Kaufentscheidung. Eine weitere zentrale Information zu den unterschiedlichen Größen steckt in den jeweiligen Testbriefen. Dort finden Sie für jede gemessene Rahmengröße den STR-Wert. Er setzt die tatsächliche Höhe eine Rahmens (englisch „Stack“) ins Verhältnis zur realen Länge („Reach“). Der STR-Wert gibt also unabhängig von nomineller Rahmengröße, Sitzrohrlänge und Sitzwinkel an, ob ein Rahmen eher kurz und komfortabel oder lang und damit sportlich ausfällt. Die getesteten Rahmen reichen von Größe 44 bis 64 (Herstellerangaben), die STR-Faktoren von extrem sportlichen 1,32 (Trek, Größe 50) bis zu entspannten #1,58 (Cannondale, Größe 63).

Auffällig: Kleine Rahmen fallen – von wenigen Ausnahmen abgesehen – tendenziell sportlicher aus als große. Das liegt daran, dass große Rahmen stärker in der Höhe als in der Länge wachsen (sinnvoller wäre proportionales Wachsen). Limitierende Faktoren hierfür sind die gleichbleibende Laufradgröße und der nur marginal zulegende Radstand. Daraus könnte man schließen, dass kleinere Menschen zu einer gestreckten Sitzposition gezwungen werden und große zu einer aufrechteren Position – auch wenn sie vielleicht ganz anders sitzen wollen. Doch keine Panik: Der STR-Wert bezieht sich nur auf den Rahmen und berücksichtigt nicht, dass es Vorbauten in Längen von 70 bis 150 Millimetern gibt, die viel Spielraum für die Positionsanpassung erlauben. Im Übrigen sieht es auch besser aus, wenn ein kleines Rad mit einem kürzeren Vorbau, ein großes mit längerem Vorbau gefahren wird.

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Rahmengeometrie: Winkel und Abmessungen

WINKEL UND ABMESSUNGEN

• Lenkwinkel / Gabelvorbiegung bestimmen zusammen den Nachlauf – maßgeblich für das Lenkverhalten. Typisch: Lenkwinkel um 73° und Nachläufe zwischen 55 und 60 mm. Je steiler der Lenkwinkel bzw. je kürzer der Nachlauf, desto nervöser das Lenkverhalten

• Radstand
kurz = agiles Fahrverhalten
lang = guter Geradeauslauf

• Kurze Kettenstreben bedeuten höhere Last auf dem Hinterrad

• Tretlagerabsenkung beeinflusst Bodenfreiheit und fahrbare Kurbellänge

• Kleine Rahmen (unter 52 cm)
- haben flache Lenkwinkel und folglich ein trägeres Lenkverhalten
- profitieren von kleinen Laufrädern, die spritzigeres Fahrverhalten und bessere Balance erlauben
- haben (zu) steile Sitzwinkel

• Große Rahmen (über 60 cm)
- sind vergleichsweise kurz und hoch gebaut
- haben vergleichsweise kurze Radstände
- haben tendenziell flachere Sitzwinkel
- haben zu wenig Bodenfreiheit für lange Kurbeln

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SO BESTIMMEN SIE IHRE KÖRPERPROPORTIONEN

Ihre Schrittlänge, geteilt durch Ihre Körpergröße, ergibt einen Faktor, der Ihre Körperproportionen beschreibt. Ablesebeispiel: Bei 178 cm Körpergröße liegt man mit 81 cm Schrittlänge (Faktor 0,455) genau in der Mitte des Spektrums. Standardrahmen sind dann eine gute Ausgangsbasis. Langbeiner wählen den Rahmen eher komfortabler, Sitzriesen sportlicher. Hinweis: Im Vermessungsblatt wird der Faktor für die Körperproportion, anders als in der Grafik oben, als Zahl zwischen -5 (Sitzriese) und +5 (Langbeiner) ausgegeben.

DIE WAHL DES RICHTIGEN RAHMENS

So finden Sie, ausgehend von Ihren Körperproportionen und der gewünschten Sitzposition, den passenden Rahmen im Testfeld

1. Schrittlänge messen
Stellen Sie sich vor eine Wand, Füße mit Pedalabstand. Pressen Sie ein Buch mit dem Rücken in den Schritt und messen Sie den Abstand vom Buchrücken zum Boden.

Rahmenhöhe (Stack) = 0,69 x Schrittlänge (cm) Addieren Sie 2 Zentimeter (kleine Rahmen) oder 4 Zentimeter (große Rahmen) für eine Komfortgeometrie.

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Lesebeispiel: Wenn Sie als normal proportionierter Radler auf Ihrem Rad rennmäßig sitzen wollen, sollte bei dem Rahmen Ihrer Größe dieses Symbol in der Tabelle stehen.

2. Dividieren Sie Ihre Schrittlänge durch Ihre Körpergröße (jeweils in cm)
Überprüfen Sie anhand der Grafik links, ob Sie durchschnittliche Proportionen haben oder eher Sitzriese oder Langbeiner sind. Wenden Sie die folgende Matrix an, um unter den Rahmen mit der für Sie richtigen Höhe den zu finden, dessen Geometrie Ihnen am meisten zusagt (STR-Faktor):

Hier können Sie mit unserem Online-Berechnungstool Ihr Rad vermessen.

Manuel Jekel am 30.03.2011