Kaufberatung: Räder für schwere Fahrer Kaufberatung: Räder für schwere Fahrer

Kaufberatung: Rennräder für schwere Fahrer

XXL: Das richtige Rennrad für Fahrer über 90 Kilo

Robert Kühnen am 20.03.2017

Große, schwere Fahrer fordern ihr Rad härter als leichte Athleten. Aber wo sind die Grenzen? Sind 90 Kilogramm schon zu viel? Und wo findet man passende Räder? Unsere Kaufberatung hilft weiter.

TOUR-Leser Andreas Schumann, 57, aus Möglingen, besitzt als ehemaliger Ruderer und Kraftsportler deutlich mehr Muskeln als der typische Ausdauerathlet: Er misst zwei Meter und wiegt 125 Kilogramm. Vier Rahmen hat er schon verschlissen, die jeweils nur rund 7.000 Kilometer hielten. Dreimal traten Risse auf, meist im Bereich des Sitzrohrs, einmal brach ein Rahmen plötzlich über dem Tretlager und verursachte einen Sturz.

Schumann ist kein Einzelfall. In Rennrad-­Foren finden sich viele Storys darüber, wie Masse und Kraft ihrer Fahrer der Haltbarkeit filigraner Räder Grenzen setzen. Schumanns Rahmen wurden zwar anstandslos ersetzt oder er bekam sogar das Geld zurück; aber zu wissen, dass das Rad jederzeit kollabieren kann, schafft nicht gerade Vertrauen. Nach langer Recherche hat sich Schumann daher dem Titan-Spezialisten Miles anvertraut, der für ihn einen Maßrahmen bei ­Seven in den USA in Auftrag gab und die Anbauteile auswählte. "Mit dem 50 Millimeter starken ­Unterrohr steht das Rad wie eine Eins", sagt Peter Hinterlang von Miles.

Es ist nun Schumanns Rad für die Berge. Im flachen Geläuf nutzt er ein Colnago C59 in Rahmenhöhe 65, erworben auf Empfehlung eines Radhändlers. Colnago selbst ist nicht so optimistisch und schreibt ins Kleingedruckte zu seinen Rädern, dass die Rahmen individuell verstärkt werden müssen, wenn der Fahrer schwerer als 90 Kilogramm ist. Welche Limits für solche verstärkten Rahmen dann gelten, konnte uns Colnago auf Anfrage leider nicht mitteilen.

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Das Kleingedruckte

Colnago ist da keine Ausnahme. Die meisten Hersteller verstecken ihre Gewichtslimits, sofern sie welche angeben, im Kleingedruckten der Bedienungsanleitung. So wird schon die Suche nach einem belastbaren Sportgerät zum Hindernislauf. Warum schreiben die Hersteller nicht einfach zu den technischen Daten, welche Beschränkungen für ihre ­Räder gelten? Als Ergebnis unserer Recherche drängt sich die Vermutung auf, dass viele es selbst nicht wissen oder das Thema lieber nicht ansprechen wollen ...

Eine positive Ausnahme ist da der Versandhändler Canyon. Auf dessen Website steht deutlich, dass die zulässige Zuladung – Fahrer plus Kleidung und ein etwaiger Rucksack – 120 Kilogramm betragen darf. Also liegt das Limit für den Fahrer je nach Nutzung bei bis zu 115 Kilogramm, was schon etwas überdurchschnittlich ist. Auch große Rahmen für mehr als zwei Meter große Radler, die ebenfalls rar sind, haben die Koblenzer Versender  im Programm. Und noch besser: Canyon ­testet im hauseigenen Prüflabor; von bestimmten eigenen Carbonteilen werden nicht nur Stichproben sondern alle Exem­plare im Computertomografen kontrolliert. Auch die Sechs-Jahres-Garantie des Herstellers auf Rahmen und ­Gabel ist ein starkes Argument für schwere Radler. 

So weit, so vorbildlich. Dennoch hat offenbar auch Canyon Angst vor der eigenen Courage, denn die Angabe von 120 Kilo ist dennoch mit einer Fußnote versehen, die besagt, dass Anbauteile und Lauf­räder das Limit even­tuell herabsetzen können.

Die gesamte Kaufberatung finden Sie unten als PDF-Download mit diesen Themen:

  • Die ISO-Norm 4210 reicht nicht
  • Am Limit: Laufräder
  • Rahmen aus Alu, Carbon, Stahl oder Titan?
  • Genügen Bremsen mit 160er Scheiben?
  • Welche Komponenten sind stark genug (Innenlager, Sattelstützen, Laufräder, Lenker und Vorbauten)?
TOUR Titel 1/2017

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Robert Kühnen am 20.03.2017
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