Kaufberatung: Kältecremes beim Radsport im Winter Kaufberatung: Kältecremes beim Radsport im Winter

Kaufberatung: Kältecremes beim Radsport im Winter

Fetter Schutz beim Radfahren: 9 Kältecremes im Check

Sebastian Schmidt am 15.01.2016

Helmmütze, Handschuhe, Überschuhe, Thermohose – der ganze Körper lässt ­sich im Winter gut schützen. Der ganze Körper? Nein! Das Gesicht ist der Kälte ­besonders ausgesetzt. Da helfen Kältecremes.

Wir klären, was sie können, worin sie sich unterscheiden und worauf man achten sollte. Beraten hat ­uns der Münchener Dermatologe und Sportmediziner Dr. med. Christoph Liebich

• Die Übersicht mit den Eindrücken aus dem Praxistest finden Sie unten als PDF-Download. • (Mit dabei sind die Produkte von Alterra, Avène, Balea, Born, Eutra, Ladival, La Roche-Posay und Weleda)

Was genau ist eine Kältecreme, und woran erkenne ich sie?
Kältecremes sind wasserarme, stark fetthaltige Schutzcremes, die meist einen hohen Anteil an Bienenwachs und Fett enthalten. Sie isolieren empfindliche Stellen, schützen gegen Kälte und lassen die Hautoberfläche nicht austrocknen. Herkömmliche Cremes dagegen haben einen sehr hohen Wasseranteil und ­können der Haut bei Kälte Feuchtigkeit entziehen, was zu ­Erfrierungen führen kann. Der Münchner Dermatologe Dr. med. ­Christoph Liebich erklärt, worauf es bei guten Kältecremes ankommt: "Grundsätzlich gilt: Je fettiger, desto besser. So bilden diese Salben einen ­guten Schutzfilm gegen Wind, Wetter und Wasser. In den einzelnen Inhaltsstoffen unterscheiden sich Kältecremes dabei meist nur unwesentlich."

An welchen Körperstellen kann man Kältecremes auftragen?
"Grundsätzlich am ganzen Körper", sagt der Experte. "Neigt man ohnehin zu ­trockener Haut, tut es gut, eine Fettcreme aufzutragen, auch unter der Kleidung. Hat man dagegen bereits ein öliges Hautbild und reibt die Haut ­zusätzlich dick mit Creme ein, kann es unangenehm werden." Darüber hinaus ist ein Blick in die Packungsbeilage immer sinnvoll: Manche Cremes sind wegen ­bestimmter Inhaltsstoffe nicht für die Verwendung im Gesicht geeignet.

Was ist der Unterschied zu ­einer Wärmecreme?
Neben Kälteschutz-Cremes gibt es auch Cremes, die die Haut aktiv erwärmen. "Wärmecremes enthalten oft Inhalts­stoffe wie Capsaicin", erklärt der Dermatologe. "Das aus Chili-Schoten gewonnene Extrakt fördert die Durchblutung und regt den Stoffwechsel an." Vor dem Sport einmassiert, wärmt die Creme den Körper, macht die Muskulatur geschmeidiger  und beugt gleichzeitig Verletzungen vor. Nach dem Sport hilft sie bei der Regeneration und kann Verspannungen lösen.

Ab welcher Temperatur ist eine Kältecreme sinnvoll?
"Ab einer Temperatur von zirka sieben Grad abwärts wird die Haut stärker belastet und kann sich durch ihren eigenen Fettfilm nicht mehr ausreichend schützen", erklärt Dr. Liebich. Beim Radfahren kühlt der sogenannte Windchill-­Effekt zusätzlich. Er reduziert die Temperatur auf unbedeckter Haut noch einmal um fünf bis sieben Grad – unangenehm und oft schmerzhaft. Im Extremfall können partielle ­Erfrierungen der Haut die Folge sein. Höchste Zeit also, die Stellen, an ­denen Kleidungsstücke keinen oder nicht genug Schutz bieten, mit einer Salbe einzucremen. Unser Experte erinnert dabei noch an ein weiteres Detail: "Wer bei Minustemperaturen in der Sonne Rennrad fährt, muss zusätzlich auch an verlässlichen Sonnenschutz denken."

Sind Kältecremes für jeden Hauttyp geeignet?
Sehen wir es mal pragmatisch: Klirrende Kälte lässt meist nicht viele Alternativen zu. Auch unser Experte empfiehlt, die Schutzfunktion in den Mittelpunkt zu rücken: "Normale Haut verträgt den Fettfilm, der vor Erfrierungen schützt, gut. Wenn ich Akne-Haut mit einer Fettcreme zukleistere, wird das zwar wahrscheinlich zu noch mehr Pickeln führen; auf einer Tour mit richtig niedrigen Temperaturen habe ich jedoch keine andere Wahl, als die Haut mit einer Fettcreme zu bedecken – der Schutz ist wichtiger. Es empfiehlt sich aber, die Haut nach dem Training zu reinigen, ­um die Poren wieder zu öffnen."

Gibt es Alternativen zu einer speziellen Kältecreme?
Melkfette und die klassische Vaseline enthalten sehr viel Fett und bilden beim Auftragen einen starken Fettfilm, der gut vor Nässe und Kälte schützt. Sie können die Haut aber auch verstopfen, sodass diese nicht mehr atmen kann.

Welche Inhaltsstoffe sollten Kältecremes enthalten?
Ein genauer Blick auf die Zusammen­setzung der Kältecremes lohnt sich. Denn vor allem Vaseline & Co. enthalten Stoffe, die man darin nicht immer ­erwartet: "Es gibt bei umweltbewussten Verbrauchern etwa eine Diskussion über ­Inhaltsstoffe wie Paraffine oder Erdöl", weiß der ­Dermatologe. "Diese Substanzen sind zugelassene Inhaltsstoffe. Wer dennoch lieber auf sie verzichten möchte, kann statt­dessen zu Produkten greifen, die andere Fette und Öle verwenden." Inhaltsstoffe wie Pflanzen­auszüge, kosmetische Wirk­stoffe oder spezielle Lipide sollen sich ­besonders gut mit der Haut vertragen, wirken beruhigend und setzen den Gefrierpunkt der Creme herab.

Sebastian Schmidt am 15.01.2016
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