Höhenmeter: Planen, aufzeichnen, auswerten Höhenmeter: Planen, aufzeichnen, auswerten

Höhenmeter: Planen, aufzeichnen, auswerten

Der Berg ruft: Höhenmeter sammeln mit dem Rennrad

Matthias Rotter am 15.07.2017

Höhenmeter sind für Bergfahrer wichtiger als der Kilometer – oft Auslöser für Erfolgs­erleb­nisse, aber auch Streitobjekt, denn Strecken mit ­Höhenmetern zu planen ist diffizil wie sie zu erfassen.

PLANEN

Was erwartet mich auf der Klettertour? Bin ich fit genug für den Anstieg? Gute Planung hilft, böse Überraschungen zu vermeiden.

Gedruckte Landkarte:

Die klassische Methode: Sie kann bei der Ermittlung der Höhenmeter eines einzelnen Anstiegs sehr genau sein. Voraussetzung ist eine topografische Landkarte mit Höhenlinien: Man zieht die am Beginn der Steigung anliegende Höhe von der Passhöhe ab. Übrig bleiben die zu erklimmenden Höhenmeter. Verfälschen können das Ergebnis Zwischenabfahrten, bei denen ­Höhenmeter verloren gehen, die zur Gesamtsteigung wieder addiert werden müssen. Auch ungenaue Angaben der Passhöhe kommen öfter vor, als man denkt, es handelt sich jedoch meist nur um wenige Meter. Bei hügeligen Strecken ist die Höhen­linien-Methode zu aufwendig. Beispiel: Eine Runde führt über zwei Pässe, aber dazwischen geht es viele Kilometer wellig dahin. Dabei können sich viele Höhenmeter ansammeln, die sich nicht präzise im Voraus ermitteln lassen – also lieber großzügig schätzen, um keine bösen Überraschungen zu erleben. Weiterer Nachteil: Gute Topo-­Karten sind teuer, und man benötigt,
je nach Region, viele Blätter.

Online-Landkarte, Routenplaner:
Im Netz findet man zahlreiche Portale mit Online-Landkarten und Routen­planern. Bei GPSies (www.gpsies.com) stehen verschiedene Basiskarten zur Verfügung, sogar das Satellitenbild von Google Earth. Gewünschte Strecken lassen sich mit wenigen Mausklicks erstellen. Der Track folgt automatisch und präzise der Straße. Ein Höhenprofil wird im Hintergrund berechnet. Diese Höhendaten basieren jedoch auf mehr oder weniger fein aufgelösten digitalen Geländemodellen, beispielsweise mit einer Rastergröße von 100 m2. Für jede dieser "Kacheln" existiert nur ein Höhenwert. Klar, dass es da zu Sprüngen im errechneten Profil kommt – die vom Programm geplanten Höhenmeter weichen von der Realität ab. Hinzu kommt, dass jedes Portal andere Algorithmen zur Berechnung nutzt. Online­-Routenplaner sind somit geeignet, um einen groben Überblick über die erwartbaren Höhenmeter zu bekommen.

Tourenplaner-Software, Digitale Karten:
Hersteller wie MagicMaps oder Kompass bieten topografische Landkarten im digitalen Format an. Die DVDs beinhalten außerdem Routenplanerprogramme und weitere Features wie Radwegenetze und Tourenvorschläge. Damit lassen sich Touren am Computer und vor allem offline planen. Präzise Geländemodelle erlauben bereits bei der Planung realistische Höhenprofile. Meist lassen sich die Karten auch aufs Smartphone übertragen. Man benötigt jedoch für jede Region separate Karten, die sehr teuer sein können.


AUFZEICHNEN

Radcomputer, GPS-Gerät oder Smartphone? Welches Gerät misst die Höhenmeter auf Tour am genauesten?

Rad-Computer: 
Der Klassiker am Lenker, leicht und kompakt, verhältnismäßig preiswert und – was die Höhenmessung betrifft – sogar sehr präzise! Modelle mit barometrischer Höhen­­messung gibt’s für weniger als 100 Euro. Hochwertigere Modelle beinhalten weitere Features wie einen Steigungsmesser. Die barometrische Höhenmessung hat zwar ihre Schwächen (z. B. Beeinflussung bei Wetteränderung), ist aber grundsätzlich der reinen GPS-Messung überlegen. Wichtig ist die gewissenhafte Kalibrierung der Höhe – und zwar beim Start sowie sporadisch auch während der Tour anhand von Höhenangaben auf Schildern an Hütten oder Passhöhen. Der Computer informiert über die aktuelle Höhe und die erarbeiteten Gesamthöhenmeter. Wer Höhenprofile ausdrucken oder archivieren möchte, benötigt ein Modell mit Schnittstelle.

GPS-Gerät:
Sie sind die Alleskönner, aber auch entsprechend teuer. Für den Einsatz am Rad eignen sich spezielle Radcomputer mit integrierter GPS-Funktion (z. B. Garmin Edge) und kompakte Outdoor-GPS-Geräte. Wer jedoch in puncto Höhenmessung ein fehlerfreies Ergebnis erwartet, wird enttäuscht. Die ­Geräte können zwar neben der Position auch die Höhe über die Satelliten ermitteln, aber die Werte sind ungenau und schwankend. Die Qualität hängt unter anderem von der Anzahl der empfangenen Satelliten ab. Hochwertige Modelle besitzen zusätzlich einen barome­­trischen Höhenmesser, der wesentlich präziser und gleichmäßiger arbeitet. Diese Kombination liefert sehr gute Ergebnisse. Darüber hinaus bieten GPS-Geräte perfekte Möglichkeiten zur Datenübertragung und -auswertung.

Smartphone:
In Verbindung mit einer der zahlreichen Sport-Apps (z. B. Komoot, Strava oder Runtastic) entwickelt sich das Smartphone zur seriösen Alternative zu Computer und den reinen GPS-Spezialisten. Die Analysemöglichkeiten sind fantastisch. Nicht zuletzt kann man auch Landkarten in den Speicher laden. Einen GPS-Empfänger besitzen inzwischen fast alle Smartphones. Aber da liegt in Sachen Höhenmessung das Problem: Die reine Höhenmessung über die GPS-Signale ist ungenau. Weitere Nachteile von Smartphones: die begrenzte Akku-Laufzeit bei Aktivierung aller Funktionen; außerdem sind die wenigsten Geräte robust genug für den dauerhaften Outdoor-Einsatz.


AUSWERTEN

Wohin mit den Daten von Radcomputer und GPS-Gerät? Am ­ PC kann man Touren archivieren und bearbeiten.

Für Geräte mit einer Schnittstelle zum Computer stellen die Hersteller meist Software zur Verfügung, mit deren Hilfe sich die Daten auslesen lassen – zum Beispiel, um ein Höhenprofil der absolvierten Tour darzustellen. Mit Smartphone und App lassen sich die Daten auf dem User-Account im zugehörigen Webportal ablegen. Die Möglichkeiten der Online-Bearbeitung – zum Beispiel einen GPS-Track verändern – hängen vom Funktionsumfang des jeweiligen Portals ab. GPS-Daten lassen sich auch aus dem Portal exportieren, um sie auf dem eigenen Computer zu speichern und zu bearbeiten. Für die Option kommen GPS-User kaum an einem Programm wie Garmin Basecamp vorbei. Es bietet umfangreiche Features, von der Kartendarstellung (z. B. auch die kostenfreie OpenStreetMap) über Tourenplanung bis hin zur detaillierten Korrektur von GPS-Tracks. Für allzu gezackte Höhenprofile gibt es eine Glättungsfunktion. Das Programm steht kostenlos auf der Garmin-Website zur Verfügung. Wer Software und Computer effektiv nutzen will, muss sich aber gründlich einarbeiten.

Tipp: Für jegliche Art von Datentransfer empfiehlt sich das GPX-Format. Das steht für "GPS Exchange" und kann inzwischen von fast allen Geräten gelesen werden.


TOUR Titel 6/2017

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Matthias Rotter am 15.07.2017
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