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Ratgeber

Ab ins Gelände: Kaufberatung für Crosser

Manuel Jekel am 28.11.2014

Ein Crossrad ist auch ein Rennrad – aber ein spezielles: Wir erklären die Unterschiede und zeigen, worauf es beim Rad, bei der Ausrüstung und beim Zubehör ankommt.

DAS RAD

Auch wenn die Unterschiede auf den ersten Blick gering scheinen, im Detail sind Cyclocross- und Straßenrenner ­unterschiedliche Radgattungen. Die Ausstattung der Rahmen richtet sich nach Einsatzzweck und Komponenten, so brauchen Cantilever- oder Scheibenbremsen andere Aufnahmen als Rennradzangen. Auch die breiteren Reifen benötigen Platz, der Gabeldurchlauf ist größer und der Radstand länger. Praktisch sind Zugführungen, die möglichst wenig Dreck ausgesetzt sind und beim Tragen des Rades nicht auf der Schulter drücken – meist werden die Schaltzüge daher auf dem Oberrohr geführt. Die Geometrie weicht ebenfalls vom klassischen Rennrad ab. Das Oberrohr ist zirka einen Zentimeter kürzer, der Fahrer sitzt also etwas weniger gestreckt und hat eine bessere Kontrolle über das Rad. Ein flacherer Lenkwinkel macht zusammen mit dem längeren Hinterbau das Fahrverhalten gewollt träge – für besseren Geradeauslauf auf weichem oder ruppigem Terrain. Das Tretlager sitzt etwas höher, um die ­Bodenfreiheit über Hindernissen zu vergrößern. Auch beim Cyclocross hat sich Carbon als Material für leichte Räder bis in die Mittelklasse durchgesetzt. ­Extremer Leichtbau wird jedoch nicht ­betrieben, sodass die Rahmen auch leichte Stürze wegstecken. Bei günstigen Rädern sind robuste, eloxierte Alumi­niumrahmen mit wenig empfindlichen Oberflächen Standard; Individualisten setzen auf Stahl oder Titan.

SCHALTUNG UND BREMSEN

Alle drei Komponenten-Anbieter für Rennräder – Campagnolo, Shimano und SRAM – haben spezielle oder angepasste Cyclocross-Komponenten im Programm. Diese unterscheiden sich von den Straßengruppen bei Gangübersetzungen und Bremsen. Wer ein bestimmtes Schaltsystem gewohnt ist, kann also auch sein Crossrad damit ausstatten. Die crosstypische Ketten­blattabstufung mit 46/36 Zähnen ist für Wettkämpfe sinnvoll, für Hobbyfahrer kann eine Kompaktkurbel mit 50/34 die bessere Wahl sein, vor allem wenn Anstiege länger und steiler sind als auf einem Cross-Rundkurs. Scheibenbremsen sind heute Stand der Technik, man kann aber nicht jede Schaltung mit jeder Bremse kombinieren – hier gibt’s Einschränkungen. 

CAMPAGNOLO

Die Italiener bieten eine Carbonkurbel mit crosstauglicher Abstufung für ihre Elffach-Schaltungen sowie eine breite Palette an Laufrädern in ihrer CX-Linie an. Die Komponenten entsprechen weitgehend den ­Straßenmodellen, haben aber besser gedichtete Lager. Die Laufräder sind allesamt noch nicht für Scheibenbremsen ausgelegt, wie Campa auch bislang nur Cantileverbremsen anbietet. Wer italienische Schalttechnik mit Scheibenbremsen fahren möchte, muss die Rennradhebel mit mechanischen Scheibenbremsen anderer Anbieter oder einem ­Hydraulik Adapter kombinieren.

SHIMANO

Der japanische Marktführer bietet für die neue Elffach-Generation der Ultegra und 105 jeweils Kurbeln mit Ab­stufung 46/36 sowie zwei Zehnfach-­Modelle mit der gleichen Abstufung, die keiner bestimmten Gruppe zugeordnet sind. Für die Top-Gruppe Dura-Ace ist derzeit nur eine Kompaktkurbel mit 50/34 zu haben. Von Shimano gibt es mechanische Scheibenbremsen in unter­schied­lichen Qualitätsstufen, die sich mit den Rennrad-Hebeln – egal ob mechanisch oder elektronisch – problemlos kombinieren lassen. Hydraulische Bremsen kann man ebenfalls mit elektrischer oder mechanischer Schaltung fahren: Für beide Versionen gibt es Hebel, die keiner bestimmten Gruppe zugeordnet sind und die technisch auf Ultegra-­Niveau liegen.

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Bei Shimano haben auch Crosser eine große Auswahl. Es gibt vier Kurbeln mit 46/36 Zähnen.

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Brandneu bei Shimano ist ein Hebel für hydraulische Discs und mechanische Schaltungen.

SRAM

Der einzige Anbieter mit einer speziellen ­Cyclocross-Gruppe – die Force CX-1 ist ausschließlich für Crossräder konzipiert. Besonderheiten sind ein einzelnes Kettenblatt ohne Umwerfer, ein Elffach-Ritzel mit breiter Abstufung und ein modifiziertes Mountainbike-Schaltwerk, welches das Schlagen der Kette im Gelände verringert. Die Hebel (rechts mit, links ohne Schaltmechanik) gibt es für mechanische oder hydraulische Bremsen. Zur Gruppe gehören hydraulische Scheibenbremsen; passende mechanische Discs oder Cantilever-Bremsen gibt’s von der Tochtermarke Avid. Auch mit der leichten Top-Gruppe Red oder den günstigeren Rival-Komponenten lässt sich ein Crossrad aufbauen, dafür werden auch entsprechende Übersetzungen und Bremssysteme angeboten.

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Wettkampftechnik: SRAM Force CX-1 mit Mono-Kettenblatt

Bremssysteme anderer Anbieter

Wer die Vorteile von Scheibenbremsen ­nutzen, sich aber nicht für ein teures, voll­hydraulisches System von Shimano oder SRAM entscheiden möchte, kann entweder zu rein mechanischen oder teilhydraulischen Systemen greifen. Das Angebot an mecha­nischen Bremsen ist inzwischen groß (siehe TOUR Test 2/2014), ein Testsieger und Kauftipp ist die TRP HyRd, welche von einem Bowdenzug angesteuert wird, aber hydraulisch bremst. Vollhydraulische Scheibenbremsen kann man mittels eines unter dem Vorbau sitzenden Adapters (z. B. Trickstuff Doppelmoppel oder Hope V-Twin) mit ­klassischen Rennradhebeln kombinieren.

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Guter Kompromiss: teilhydraulische TRP HyRd

REIFEN UND PEDALE

PEDALE

Ein weiterer Unterschied zwischen Straßen- und Crossrad sind Pedale und Schuhe. Da Crosser oft absteigen und das Rad tragen müssen, sind Rennradschuhe und -pedale ­unpraktisch. Mountainbike-Pedale sind an der Tagesordnung, sie funktionieren auch besser, wenn Schlamm oder Schnee die ­Mechanik verstopfen. Ein Kauftipp der BIKE-Kollegen sind die günstigen Shimano-SPD-Pedale aus der Deore- oder SLX-­Gruppe. Diese funk­tionieren keinen Deut schlechter als teurere Modelle.

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Gut und günstig: Shimanos SPD-Pedale

REIFEN

Eine der wichtigsten Fragen beim Cross betrifft die Reifenwahl: Das Profil entscheidet, wie gut man mit dem jeweiligen Untergrund klarkommt. Die Palette reicht vom Semislick mit unprofilierter Lauffläche für festen und glatten Untergrund bis zum ausgeprägten Stollenreifen für Matsch, Schlamm und Schnee. Wer nicht ständig wechseln will, für den empfehlen sich als Allroundreifen eher Letztere – lieber etwas mehr Widerstand auf einfachem Geläuf, als auf rutschigem Untergrund einen Sturz riskieren. Crossreifen sind in Breiten von 30 bis 40 Millimeter erhältlich. Dabei gilt: Je breiter die Reifen sind, umso ­sicherer ist das Fahrverhalten – wobei für Wettkämpfe nach UCI-Reglement 32 Millimeter das Maximum sind. Ein ­schmaler 30-Millimeter-Crossreifen (z. B. Schwalbe CX Comp) passt auch in so manches Rennrad – eine Option für Neugierige, die das nur mal ausprobieren wollen.

Wer den Crosser als Alltags-, Reise- oder Trainingsrad nutzt, fährt gut mit den handels­üblichen Drahtreifen, die sich einfach ­wechseln und im Falle einer Panne mit einem Ersatzschlauch wieder flottmachen lassen. Im Wettkampf sind auf spezielle Felgen ­geklebte Schlauchreifen nach wie vor die bessere Wahl, da sie sich mit weniger Druck fahren lassen und so im Gelände weniger Rollwiderstand und besseren Grip bieten. Die Handhabung ist allerdings aufwendig: Die Reifen müssen auf die Felge geklebt ­werden, eine Panne ist quasi irreparabel und damit teuer und der Wechsel mit einer umständlichen Prozedur verbunden. Profis besitzen deshalb für unterschiedliche Bedingungen mehrere Laufradsätze.

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Im Gelände spielt das Reifenprofil eine große Rolle

TIPPS FÜRS OUTFIT

BEKLEIDUNG

Beim Crossen ist Bewegungs­freiheit und Schutz vor Kälte und Nässe gefragt. Außerdem schadet es nicht, wenn die ­Klamotten etwas robuster sind als die dünnen Lycra-Leibchen aus dem Straßenrennsport. Das althergebrachte Zwiebelprinzip funktioniert immer. Wind- und wasserabweisendes Stretch­material wie es Castelli für seine Gabba- bzw. Nanoflex-Linie ­verwendet (im Foto rechts Kurzarmtrikot und Arm­linge) oder Santini für die Acquazero-Reihe (Knielinge), hält warm und trocken. Die Assos-Mountainbike-Hose ist deutlich robuster als die der Straßenfahrer und lässt sich mit Protektoren zum Schutz vor Sturzverletzungen aufrüsten. ­Etliche Anbieter haben bei ­Trikots und Hosen dickere und gefütterte Materialien im Programm (sogenannte Roubaix-Qualität). Eine Empfehlung für nasse Tage, als ­Ergänzung zur Regenjacke, sind kurze Regen­hosen zum Drüberziehen.

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Das richtige Outfit für Crosser

Im Bild Castelli Gabba-Trikot, 150 Euro, Nanoflex-Armlinge, 35 Euro, www.castelli-cycling.com
Assos T.rally-Shorts, 300 Euro, www.assos.com
Santini  Acquazero-Knielinge, 45 Euro, www.santinisms.it

RENNKAPPE

Nicht nur als modisches Accessoire ist die Rennmütze aus dem Cross-Sport kaum wegzudenken, auch funktional ist sie sinnvoll: Unter dem Helm schützt sie den Kopf in der kalten Jahreszeit. Die Giro-Kappe ist sogar aus Funk­tionsfaser und trocknet schnell.

Im Bild Giro Peloton Cap, 30 Euro, www.giro.com

BRILLE

Eine Brille ist im Gelände Pflicht, um die Augen vor fliegenden Steinen, Dreck oder in die Spur hängenden Zweigen zu schützen. Achten Sie auf festen Sitz. Für Herbst und Winter besonders gut sind klare oder kontrast­verstärkende Gläser. Komfortabel, aber teuer sind Brillen, deren Gläser sich der Helligkeit anpassen.

Im Bild  Uvex 202 Small Race Vario, 140 Euro, www.uvex-sports.com

HANDSCHUHE

Langfingerhandschuhe sind bei Mountainbikern selbst im Hochsommer Pflicht, denn sie schützen die Hände nicht nur vor Kälte, sondern auch vor Verletzungen beim Ritt durch die Botanik. Gut sind gepolsterte Hand­flächen, Protektoren an der Oberseite und Touchscreen-empfindliche Fingerkuppen, mit denen sich auch Smartphone und Navi bedienen lassen.

Im Bild  Roeckl Marlengo, 50 Euro, www.roeckl.de

SCHUHE

Passend zu den Pedalen kommen Mountainbike-Schuhe zum Einsatz – mit den profilierten Sohlen läuft sich’s im  Gelände leichter und sicherer. Selbst wenn im Cross-Sport der ganze Körper mehr arbeitet: Die Füße werden auch hier als Erstes kalt. Je nach Jahreszeit sind wasserdichte, warme ­Winterschuhe empfehlenswert, wärmende Überschuhe sind im Dreck dagegen eher unpraktisch und gehen zudem sehr schnell kaputt.

Im Bild  Northwave  Extreme Winter GTX, 270 Euro, www.northwave.com

Manuel Jekel am 28.11.2014