Das Rennrad-Kochbuch Das Rennrad-Kochbuch

Rennrad-Lekture: Buchempfehlungen aus dem Radsport

Die besten Bücher für Rennradfahrer

Paul Schuler am 28.11.2017

Für die nächsten Monate werden lange Wochenendrunden auf dem Rad wohl eher die Ausnahme sein. Wie wäre es da mit neuem Lesestoff, um es sich stattdessen auf der Couch gemütlich zu machen? Oder brauchen Sie noch ein Weihnachtsgeschenk für einen Radsport-Freund? Wir haben ein paar Buchempfehlungen für Sie

Irre kalt

Der britische Autor Tim Moore ist Experte für schräge Sport-Abenteuer, von denen er in seinen Büchern humorvoll erzählt. "Alpenpässe und Anchovis" sowie "Gironimo!" haben schon viele Leser gefunden. Für sein neues Buch ist er mit einem DDR-Klapprad von Lappland auf dem Iron Curtain Trail ans Schwarze Meer geradelt – im finnischen Winter. Das Ergebnis ist eine Sammlung skurriler Situationen, von Momenten des Leidens und der Verzweiflung bis zu lokalen Absurditäten. Moore übertreibt gerne, was den Leser zuverlässig zum Schmunzeln bringt – etwa wenn er statt geplanter 6.700 Kilometer seine Klapprad-Tour auf rund 10.000 Kilometer erhöht, was "ziemlich genau das Doppelte" sei. Das ­Ergebnis ist ein unterhaltsames Buch, mit dem man großen Spaß haben kann.

»Mit dem Klapprad in die Kälte«
Tim Moore, Covadonga, 14,80 Euro

Mit dem Klapprad in die Kälte


Im Fluss

Vom Flow sprechen insbesondere Ausdauersportler, wenn sie das Gefühl haben, beim Sport voll beansprucht zu werden und gleichzeitig alles unter Kontrolle zu haben – der Athlet geht ganz in seinem Tun auf, es läuft, trotz intensiver Anstrengung, wie von selbst. Sportler, die den Flow schon erlebt haben, beschreiben es als tolles Gefühl, vom dem sie gerne mehr hätten. In seinem Buch "Flow-Jäger" spürt der Extremläufer und Experte für Sportpsychologie, Dr. Michele Ufer, diesem Phänomen nach, das sich weder erzwingen noch planbar abrufen lässt. Man kann nur in gewissen Grenzen an den Voraussetzungen arbeiten, die den Flow ermög­lichen. Der Autor befragt dazu Leistungssportler, erläutert verständlich, was die Wissenschaft über das Thema weiß und schildert anschaulich seine eigene Forschung zum Flow am Beispiel mehrerer Langstreckenläufe. Dass das Buch fast ausschließlich die Extrem-Laufszene beleuchtet, ist aus Rennradlersicht einerseits ein Nachteil; andererseits ist es aber auch ganz interessant, Einblicke in eine Welt des Sports zu bekommen, in der auch der eine oder andere bemerkenswerte Zeitgenosse unterwegs ist.

» Flow-Jäger «
Michele Ufer, Delius Klasing Verlag,
162 Seiten, 24,90 Euro

Flow-Jäger

Maschine Mensch

Was passiert, wenn ein sportverrückter Professor in Rente geht und nach allen Regeln der Wissenschaft noch mal richtig aufdreht? Er kann den Trend des altersbedingten Leistungsverlustes stoppen und an seine Bestzeiten von vor elf Jahren anknüpfen! Seine positiven Erfahrungen haben den Niederländer Hans van Dijk motiviert, zusammen mit seinen Co-Autoren die Grundlagen sportlichen Erfolges aufzuschlüsseln. In "Das Geheimnis des Radfahrens" werden auf 383 Seiten Zahlen geknetet, um aufzuzeigen, wie die "Maschine Mensch" funktioniert und von welchen äußeren Faktoren die Leistung abhängt. So legen die Autoren ausführlich dar, wie Gewicht, Luftdruck, Temperatur und andere Größen den Radfahrer beeinflussen. Dabei nehmen sie Physik und Physiologie unter die Lupe. Der zahleninteressierte Leser findet hier viele Anregungen und lernt, sinnvolle Dinge mit
seinen persönlichen Trainingsdaten anzustellen, insbesondere mit den Daten von Powermetern. Querverweise zum Laufsport stellen die Thesen der Autoren zu den Grenzen der menschlichen Leistungsfähigkeit auf ein breites Fundament. Die Texte sind
praxisnah und knapp geschrieben und bieten eine Fülle von handfesten Informationen. Zahlreiche Grafiken illustrieren die Aussagen. Eine fundierte und unbedingt lesenswerte Lektüre –
wenn man ein bisschen Lust auf Zahlen hat!

»Das Geheimnis des Radfahrens«
Hans van Dijk, Ron van Megen, Guido Vroemen
Meyer & Meyer 2017
36 Euro

Das Geheimnis des Radfahrens

Randonnée

Der Wiener David Misch blickt auf eine sehr kurze Karriere im Langstreckenradsport zurück: 2010 erlebt er seine Ultra-Premiere beim Glocknerman, 2013, nach seiner Teilnahme beim Race Around America, verabschiedet er sich bereits wieder vom Ultraradsport. Die Zeit dazwischen war intensiv und erfolgreich. In seinem "Ultra­cycling Tagebuch" gibt Misch einen tiefen Einblick in die Gefühls- und Trainingswelt eines Langstreckenathleten. Genau das ist die große Stärke von "Randonnée": Ungeschönt werden die hellen und dunklen Momente, die auftretenden Probleme und die Konflikte dargestellt. Wer sich für das Langstreckenradfahren begeistert, wird in diesem Buch viele fesselnde Anekdoten finden und lehrreiche Einblicke erhalten.

»Randonnée«
David Misch, Egoth Sport
19,90 Euro

Randonnée

Bunte Radsportwelt

Wie viel Rennfahrer braucht man, um die Leistung eines Wäschetrockners zu erreichen? Wie ernährt sich ein Profi heute im Vergleich zu früher? Wie funktionieren die verschiedenen Rennformationen, und welche Zahlen gibt es zu den bekanntesten Radsportlern? "Velopedia" hat auf 194 Seiten Zahlen und Erklärungen rund um den Radsport in bunte Infografiken verpackt. Das Ergebnis ist in jeder Hinsicht bunt und daher perfekt geeignet als leichte Lektüre nach schwerer Trainingsfahrt.

»Velopedia«
Die Fahrradwelt in Infografiken
Robert Dineen
Delius Klasing
19,90 Euro

Velopedia

Brevet-Erfahrung

Walter Jungwirth ist in der deutschen Brevetszene ein bekannter Name. Er nimmt nicht nur regelmäßig an den Langstreckenfahrten teil, sondern organisiert sie auch seit Jahren mit der ARA Breisgau. Nun hat er über das Brevet "Mille du Sud" ein Buch geschrieben, in dem er seine Erlebnisse beim Langstreckenritt durch den Süden Frankreichs und durch Norditalien
in blumige Worte fasst: "Die Schmerzen, die dem Körper entspringen, sind nachgeordnet: Was wirklich wehtut, ist der Eindruck, auf der Stelle zu treten." Die letzten Seiten spiegeln die geistige und körperliche Erschöpfung nach fast 1.000 Kilometern, man kann sich seine müden Augen förmlich vorstellen: "Es ist eine leichte Übung, man muss nur wach bleiben und den Lenker halten", beschreibt er eine Passabfahrt.

»Tausend Kilometer ­Süden«
Walter Jungwirth
Covadonga
14,80 Euro

Tausend Kilometer Süden


Radeln und Schlemmen

Der Autor Ben Van Beurten war zwei Jahre lang Koch des Profiteams Rabobank. Alle
60 Rezepte, die er im "Rennrad Kochbuch" präsentiert, orientieren sich an den täglichen Bedürfnissen der Radprofis und sind nach Einsatzzeitraum gegliedert. Besonders das Kapitel "Unterwegs" ist für viele Hobbyradler interessant, denn es zeigt zahlreiche Ideen für den Snack in der Trikottasche. Es müssen ja nicht immer Bananen oder gekaufte Riegel sein. Ergänzt werden die Rezepte mit Tipps zur Ernährung bei extremem Wetter, bei Bergtouren – und mit Geschichten aus dem Profisport. Für Sportler, die tiefergehenden ernährungswissenschaftlichen Rat suchen, greift das Buch etwas zu kurz; weniger geübten Köchen bietet die Rezeptvielfalt aber die Chance, schnell und ohne großen Aufwand mehr Abwechslung in den Essensplan zu bringen. Vor allem für Einsteiger ist das "Rennrad Kochbuch" ein guter Wegweiser in Sachen Ernährung im Ausdauersport. Toll bebildert und gestaltet ist es obendrein.

»Das Rennrad
Kochbuch – 60 Rezepte für jede Tour«
von Ben Van Beurten
Delius Klasing
24,90 Euro

Das Rennrad-Kochbuch

Historische Fahrt

1928 wagte sich erstmals ein Team aus zwei Neuseeländern und drei Australiern zur Tour de France. Der neuseeländische Autor David Coventry hat die reale Begebenheit in einen fesselnden Radsportroman gepackt, der mit lebendiger Sprache überzeugt: "Die Strecke führte mitten durch den Wind", heißt es im Prolog und kurz darauf: "Eine Stunde prasselte Regen auf uns ein und wusch das Blut aus unseren Wunden." Die Tour de France mit ihren damals langen Etappen, gefährlichen Schotterpisten und ständigen Pannen bilden die Bühne, die historischen Zusammenhänge den Rahmen für eine spannende Geschichte. Besonders die Kriegserfahrungen der Akteure führen über einen klassischen Radsportroman hinaus. "Die unsichtbare Meile" zählt zu den literarisch anspruchvollsten Rennradbüchern der vergangenen Jahre.

»Die unsichtbare Meile«
David Coventry,
Insel Verlag, 22 Euro

Die unsichtbare Meile

Trainingstipps

Das aus dem Englischen übersetzte Buch trägt den markigen Untertitel "Lernen von den Besten" und versucht auf 240 Seiten, dem Anspruch einer allumfassenden Trainingslehre gerecht zu werden. In der Tat deckt James Witts in den zwölf Kapiteln alle Bereiche ab, die zur weit gefassten Thematik der Leistungsoptimierung zählen – von wissenschaftlichen Themen wie Wattmessung und Bikefitting über Auszüge aus der klassischen Trainingslehre bis zu technischen Aspekten rund um Rennrad, Bekleidung und Zubehör. Oftmals angereichert mit unterhaltsamen Anekdoten aus der Geschichte des Radsports, ist Witts ein abwechslungsreicher Rundumschlag gelungen, der kaum Fragen offen lässt. Auch für Einsteiger geeignet.

»Trainieren wie die Radprofis«
James Witts,
Delius Klasing, 29,90 Euro

Trainieren wie die Profis

Das Trikot

"Ich habe es bei 17 Tour­de-France-Auflagen nur zweimal je einen Tag lang getragen. Aber wenn man Gelbes Trikot war, ist das für die Ewigkeit", sagte Jens Voigt 2014 über das berühmteste Kleidungsstück im Sport. Claude Droussent widmet dem Markenzeichen der Tour ein komplettes, modern und übersichtlich gestaltetes Buch, das penible Chronik und unterhaltsamer Rückblick auf die Tour-Geschichte zugleich ist.

»Das Gelbe Trikot«
Claude Droussent,
Delius Klasing, 34,90 Euro
 

Das gelbe Trikot

Fotoschätze

Mit der Akkreditierung zu den Olympischen Spielen 1972 begann die Fotografen-Karriere von Hans A. Roth. In den folgenden Jahren wurde der gebürtige Kölner, den alle Welt nur "Hennes" nennt, zu einem der wichtigsten Chronisten des deutschen und internationalen Radsports. Der 2016 erschienene Bildband bietet auf 344 Seiten spektakuläre Fotos aus den Radrennen der vergangenen Jahre. Kauftipp!

»Tourleben«
Vier Jahrzehnte
Radsportfotografie,
Hennes Roth,
Covadonga, 45 Euro

Tourleben

Paul Schuler am 28.11.2017
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