US-Titanrenner US-Titanrenner
Rennräder

US-Titanrenner

Manuel Jekel am 23.07.2004

Titanrenner made in USA sind rollende Schmuckstücke: Perfekt im Finish, mit fantastischen Schweißnähten und hinreißenden Detaillösungen. Dafür kosten sie auch etwas mehr als andere Rennräder. (TOUR 5/2004)

Für einen Wissenschaftler hatte der Mann ein gutes Gespür für Namen: Als der Chemiker Martin Heinrich Klaproth aus Wernigerode im Harz Ende des 18. Jahrhunderts auf ein silbrig-grau schimmerndes Metall stieß, nannte er es „Titan“ – nach den Gestalten aus der griechischen Mythologie, die gegen Zeus kämpften. Seitdem verbindet sich mit Titan die Vorstellung von besonderer Stärke und Zähigkeit – Assoziationen, die gut zu einem Werkstoff passen, dessen Hauptabnehmer seit Jahrzehnten die Luft-, Raumfahrt- und Rüstungsindustrie ist.

In der Fahrradbranche spielt Titan seit etwa 25 Jahren eine kleine, aber feine Nebenrolle. Anfang der 90er Jahre schien es sogar, als könne der Werkstoff eine steile Karriere im Rahmenbau machen. Bei annähernd gleicher Festigkeit wie Stahl ist Titan etwa 40 Prozent leichter. Da es außerdem absolut korrosionsbeständig ist – sogar gegenüber Salzwasser – , galt es als ideales Material für leichte, haltbare Rennradrahmen. Mehrere europäische Edelmarken sprangen auf den Zug auf und boten Titanrahmen an, unter anderem Colnago und Merckx. 1993 wurde Lance Armstrong in Oslo auf einem Titanrahmen Weltmeister. Bei der Tour de France stiegen Alex Zülle und Richard Virenque vor schweren Bergetappen auf Titanrahmen um.

KURZ & KNAPP

Der Test zeigt: Der Reiz von Titan liegt vor allem in der edlen Anmutung des Werkstoffs und handwerklicher Perfektion. Technisch bieten Alu und Carbon mehr Potenzial. Der Testsieger „Ghisallo“ von Litespeed ist ein aufwändig konstruierter Rahmen, der technisch das Niveau guter Alu-Rahmen erreicht – aber das Vierfache kostet. Moots und Serotta sprechen eher konservative Kunden an: Klassischer Auftritt, toll verarbeitet, technisch solide. Gäbe es einen Preis für den am besten verarbeiteten Rahmen der Welt – Moots wäre ein heißer Anwärter. Merlins „Extralight“ zeigt den Fortschritt der letzten Jahre: Der Rahmen ist schön, aber technisch nicht mehr up to date.

Diese Räder finden Sie im PDF-Download:
Lightspeed Ghisallo, Merlin Extralight, Moots Vamoots-SL, Serotta Legend TI

Manuel Jekel am 23.07.2004