Fahrbericht 2017: Diamant 132 Fahrbericht 2017: Diamant 132

Fahrbericht 2017: Diamant 132

Rennrad aus Sachsen: Diamant 132 im Praxis-Check

Manuel Jekel am 02.05.2017

Ein Diamant gilt als sichere Wertanlage. Ob das auch auf das schicke Tourensportrad 132 der Marke Diamant aus Hartmannsdorf bei Chemnitz zutrifft, klärt unser Fahrbericht.

Was für ein schönes Rad, lautete die einhellige Meinung in der Redaktion, als Anfang Februar eine Pressemitteilung der sächsischen Traditionsmarke Diamant zum "Kollektionsrad 132" ins Haus flatterte. Die Älteren ­unter den Kollegen dachten sofort an die sogenannten Halbrenner, die Ende der 1970er en vogue waren: Alltagsräder mit Schutzblechen, Gepäckträger und Beleuchtung, an denen ein gebogener Rennlenker montiert war. Ein modern ausgestattetes Stadt- und Tourenrad wie das 132, das die Idee dieser Halbrenner aufgreift und an klassische Rennräder erinnert: Sollten wir mal unseren Lesern zeigen, so die einhellige Meinung.

Nicht nur auf Fotos, auch in natura ist das 132 ein Sympathieträger. Der elegante Rahmen ist aus schlanken Stahlrohren geschweißt und mit sehenswerten, sinnvollen Details versehen. Ein Verstärkungsblech stabilisiert den Übergang zwischen Steuer- und Unterrohr, filigrane Ausfallenden nehmen klassisch eingespeichte Laufräder auf. Die liebevoll gemachte Sattelstützenklemme hebt sich wohltuend ab von den Billigschellen aus Alu, die an dieser Stelle oft verbaut werden. Die Schutzbleche sind beim 132 wie der Kettenschutz aus richtigem Alu-Blech gefertigt und im gleichen warmen Burgunderrot lackiert wie der Rahmen. Trotz Retro-Optik ist das Rad in Teilen top-modern ausgestattet. Von den sehr guten hydraulischen Scheibenbremsen von TRP und der Lichtanlage mit Nabendynamo und lichtstarkem LED-Scheinwerfer hätte man in den 1970ern nicht zu träumen gewagt.

Sitzposition für Profis

Die Sitzprobe versetzt der Vorfreude auf die erste Ausfahrt allerdings einen Dämpfer. Das Testrad in Größe 56, geeignet für Fahrer um 1,80 Meter, hat ein 570 Millimeter langes Oberrohr. Das ist sportlich, zumal für ein Rad, das eher für Alltagseinsätze denn als Sportgerät infrage kommt. Das eigentliche Problem des 132 ist aber nicht der lange Rahmen, sondern die Lenker-Vorbau-Kombination. Ab Werk kommt das Rad mit einem 110 Millimeter langen Vorbau, der – weil der Lenker extrem vorgebogen ist – die Bremshebel für normal proportionierte Fahrer in kaum erreichbare Ferne rückt. Die Sitzposi­tion, die sich daraus ergibt, wäre eines Radprofis würdig. Wir montierten einen 90-Millimeter-Vorbau und empfanden die Bremsgriffhaltung für den Stadtverkehr immer noch als sehr lang. Daneben sind es einige kleine Details wie die lieblos gemachte Lichtverkabelung, die den überwiegend guten Verarbeitungseindruck trüben.

Dennoch könnte das 132 mit einem anderen Lenker Spaß machen. Hat man die 14,7 Kilo, von denen 5,5 Kilo auf die Laufräder entfallen, ins Rollen gebracht, zieht das Rad etwas träge, aber gutmütig seine Bahn. Nur allzu steil sollte es nicht werden, weil das schmale Übersetzungsspektrum der von einem Lenkerendschalter angesteuerten Achtgang-Schaltung dem Fahrspaß an Anstiegen früh Grenzen setzt. Neben einer breiter gestaffelten Gang-Auswahl würden wir uns auch andere Reifen wünschen. Die schweren Schwalbe-­Reifen mit kultigem 70er-Jahre-Schriftzug passen zwar optisch super, ihr Pannenschutz ist aber nicht mehr zeitgemäß. Wir hatten schon nach 60 Kilometern auf von Streugut gespickten Straßen einen Platten. Beim genauen Hinsehen während der Reparatur fiel auf, dass die Reifen bereits nach so wenigen Kilometern von kleinen Scherben und Schnitten gespickt waren.

Kleine Wunschliste

Der Praxistest des 132 offenbarte also einige Schatten. Doch eigentlich müsste nicht viel geändert werden, damit das Rad den Erwartungen, die die gelungene Optik weckt, auch gerecht wird. Falls das 132 einen Nachfolger bekommen sollte, stünde auf der Änderungswunschliste ganz oben ein anderer Lenker. Es darf gerne wieder ein gebogener sein.

Fahrbericht 2017: Diamant 132

Fast ohne Makel (Bilder 1 bis 3): Das schöne Ensemble aus guter Beleuchtung, stilsicheren Schutzblechen und Lenkerendschalthebel leidet etwas unter nachlässigen ­Details wie der Verkabelung.

Fahrbericht 2017: Diamant 132

Bild 2: Lenkerendschalthebel

Fahrbericht 2017: Diamant 132

Bild 3: Verkabelung


TECHNISCHE DATEN:

Preis  1.299 Euro
Gewicht Komplettrad  14,7 Kilo

Rahmengrößen**  50, 54, 56, 58 cm
Sitz-/Ober-/Steuerrohr  560/570/155 mm
Stack/Reach/STR  596/388/1,54

Ausstattung
Tretlager  42 Z., BSA  
Bremsen  TRP Hylex (160/160 mm)
Schaltung  Shimano 8-Gang  
Laufräder/Naben  Shimano, vorne Nabendynamo 3D-72  
Felgen  Vuelta Cut 19  
Reifen  Schwalbe Century 37 mm  
Beleuchtung  Supernova E3, Spanninga-Rücklicht

*Herstellerangabe, Testgröße fett


Fahrbericht 2017: Diamant 132

Diamant Firmenhistorie

Auf bewegte 132 Jahre Firmengeschichte blickt Diamant 2017 zurück. Damit ist das Unternehmen aus dem sächsischen Hartmannsdorf bei Chemnitz der älteste noch produzierende Fahrradhersteller in Deutschland. Als eine der wenigen DDR-Marken überstand Diamant sogar die Phase des real existierenden Sozialismus. Dass die Marke in Teilen der Radwelt auch heute noch einen legendären Ruf genießt, hat nicht zuletzt mit den Erfolgen von Täve Schur zu tun, der auf Diamant 1958 und 1959 Amateurweltmeister wurde. Kein Wunder also, dass sich kurz nach der Wende ein Käufer fand: der Schweizer Hersteller Villiger, der die Marke mit dem schönen Namen in die Ära der Marktwirtschaft überführte. Der Systemwechsel führte allerdings auch dazu, dass Villiger und damit Diamant 1997 von Trek geschluckt wurden. Seitdem ist Diamant eine deutsche Marke unter US-Regie, die ihre Räder aber weiterhin in Hartmannsdorf montiert. Im riesigen Portfolio von Trek produziert Diamant heute vor allem hochwertige Trekkingbikes, Alltagsräder und E-Bikes für mitteleuropäische Märkte.


TOUR Titel 4/2017

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Manuel Jekel am 02.05.2017
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