Rennräder

Einzeltest: Specialized S-Works Tricross

Kuehn am 20.02.2008

Auf den ersten Blick ist das ”S-Works Tricross” nur eine sehr leichte Crossmaschine. 7,4 Kilo zeigt die Waage für das Testrad in Größe 56 an – rekordverdächtig für einen Serien-Crosser.

Auf den ersten Blick ist das “S-Works Tricross” nur eine sehr leichte Crossmaschine. 7,4 Kilo zeigt die Waage für das Testrad in Größe 56 an – rekordverdächtig für einen Serien-Crosser. Bei näherem Hinsehen zeigt sich aber, dass das Rad noch mehr kann. Dank der Gewinde für Schutzbleche und Gepäckträger könnte man das “Tricross” auch als Winterrenner und sogar als Reiserad einsetzen. Freilich ist das mit Alleskönnern so eine Sache. Wer sich in vielen Disziplinen versucht, läuft Gefahr, nichts richtig zu können.

Nicht so das “Tricross”: Es ist ein Sportler durch und durch, die Geometrie ist steil, der Radstand kurz, entsprechend agil und wendig fegt das Rad um enge Kurven. Dank des Federgewichts kommt es beeindruckend schnell auf Touren. Dazu passt der steife Carbonrahmen, der bei rauer Gangart spurtreu bleibt und bergab nicht aus der Ruhe zu bringen ist. Dabei überrascht das Rad mit spürbarem Komfort. Verglichen mit anderen Crossern fährt sich das “Tricross” auf ruppigen Untergrund merklich softer, schont Bandscheiben und Nerven. Die Messwerte aus dem TOUR-Labor bestätigen dies: Mit der zum Rahmen gehörenden Sattelstütze konnten wir sehr gute Federwege ermitteln (176 Newton pro Millimeter), die Gabel federt immerhin ordentlich. Der hauseigene “Phenom”- Sattel, der vielen Fahrern passen dürfte, unterstreicht die komfortable Auslegung.

Anders als die meisten Crosser bremst das “Tricross” nicht mit Cantilever-Bremsen sondern kurzen V-Brakes, die zum Übersetzungsverhältnis der Force- Bremsschalthebel von Sram passen. An diesem Rad unterbleibt damit das oft zu spürende lästige Vibrieren der Gabel, die Bremse ist leicht zu montieren und einzustellen. Trotz des etwas undefinierten Druckpunkts überzeugen die Bremsen; sie verzögern gut und sind leicht dosierbar. Der vielfach verstellbare Lenkervorbau betont die Vielseitigkeit des Rades: Mit Hilfe einer exzentrischen Hülse zwischen Vorbauklemmung und Gabelschaft kann man den Lenker um mehrere Grad nach oben oder unten verstellen. Da sich der Vorbau außerdem um 180 Grad drehen lässt, ergeben sich zahlreiche Lenker-Positionen zwischen sehr sportlich und aufrecht bequem.

Ein weiteres interessantes Ausstattungsdetail sind die Carbon-Kurbeln – die gleichen, die Specialized auch im Straßenrenner “Tarmac SL2” verbaut. Die Kombination mit in den Rahmen eingepressten Kugellagern und in der Mitte teilbarer Achse spart gegenüber anderen gebräuchlichen Varianten etwa 150 Gramm. Die Abstufung 48/34 Zähne geht in Ordnung, wenngleich wir ein 46er-Blatt vorgezogen hätten – die Differenz von 14 Zähnen beim Wechsel der Kettenblätter zwingt häufig zum Nachjustieren um zwei Ritzel.

Die Parade-Disziplin des “Tricross” ist die Hatz über Waldwege und kurvige Singletrails. Die 32 Millimeter breiten, faltbaren Houffalize-Stollenreifen krallen sich gut in den Untergrund, rollen auf Asphalt etwas träge. Ein Wechsel auf Spezialisten wie den “Racing Ralph” von Schwalbe würde die Straßen- sowie die Geländetauglichkeit steigern.

Fazit: Das “Tricross” ist ein traumhaft leichter, schöner Allrounder mit interessanten Details. Wie für alle Crosser mit Carbonrahmen gilt aber auch hier: Stürze bleiben im Cross nicht aus, und Carbon reagiert empfindlich auf harte Schläge. Ob der Rahmen dann beschädigt ist, kann man bei Carbon von außen kaum beurteilen.

PLUS: für einen Crosser sehr leichter Rahmen; fahrstabil; komfortabel; haltbarer Lack; vielseitig

MINUS: teuer

Preis: 4.499 Euro

Bezug/Info: Specialized Europe, Telefon 0031/314/676660, www.specialized.com

Rahmengrößen*: 49, 52, 54, 56, 58, 61 cm

Sitz-/Lenkwinkel: 73°/73°

Sitz-/Ober-/Steuerrohr: 613/565/153 mm

Radstand/Nachlauf: 1.030/57 mm

Rahmenhöhe/Überhöhung**: 613/130 mm

AUSSTATTUNG

Gabel: Specialized Tricross Carbon

Lenklager: Specialized 1-1/8 Zoll

Bremsen/Schaltung: Tektro Mini-V-Bremse/Sram Force

Tretlager: S-Works FACT Carbon, 48/34 Z.

Laufräder/Reifen: Roval Fusee E5/ Specialized Houffalize CX, 32 mm

Lenker/ Vorbau: S-Works SL FACT/S-Works

Sattel/-stütze: Specialized Phenom SL/S-Works SL FACT Carbon

MESSWERTE und EINZELNOTEN

Gewicht Komplettrad: 7,4 Kilo (ohne Pedale)

Gewicht Rahmen/Gabel/Steuerlager: 1.324/553/44 g Norm. Gewicht Rahmen-Set***: 1.953 g .. 2,5

Lenkkopfsteifigkeit: 95 Nm/° – 1,0

Seitensteifigkeit Gabel: 42 N/mm – 3,0

Tretlagersteifigkeit: 56 N/mm – 3,0

Komfort Rahmen: 196 N/mm – 1,0

Komfort Gabel: 72 N/mm – 2,3

* Die getestete Rahmenhöhe ist fett gedruckt.

** projiziertes Maß von Mitte Tretlager bis Oberkante Steuerrohr/ Sattel-Steuerrohrüberhöhung bei 75 cm Sitzhöhe (Mitte Sattelgestell-Oberkante Steuerrohr.

*** Bereinigtes Gewicht für Rahmengröße 57 und Gabelschaftlänge 225 mm.

**** In die Gesamtnoten fließen die Einzelnoten mit unterschiedlicher Gewichtung ein, die wir aus Platzgründen nur zum Teil angeben.

(Fotos: Daniel Simon) 

Teurer Spaß: das S-Works Tricross von Specialized

Kuehn am 20.02.2008