Einzeltest 2017: Cannondale SuperX 105 Einzeltest 2017: Cannondale SuperX 105

Einzeltest 2017: Cannondale SuperX 105

Crossrad: Cannondale SuperX 105 im Test

Manuel Jekel am 19.05.2017

Beim neuen SuperX schert sich Cannondale nicht um Cross-Traditionen. Manchen Querfeldein-Puristen könnte das Rad verstören – oder angenehm überraschen.


Kurz gebaut und wendig soll ein Crossrad sein – so lehrt es die alte Schule. Auf diese Tradition pfeift Cannondale beim neuen SuperX und dürfte damit viele Cross-­Puristen ins Grübeln bringen – sofern sie sich auf das spezielle Fahrerlebnis mit dem SuperX einlassen.

Satte 1.035 Millimeter misst der Radstand des SuperX in Größe 56 – das sind rund 2,5 Zentimeter mehr als bei einer klassischen Cross-­Geometrie. Dieser lange Radstand resultiert aber nicht aus besonders langen Kettenstreben. Vielmehr weist die Gabel eine stärkere Vorbiegung auf als üblich. Das Vorderrad rückt so gewissermaßen weiter nach vorne. Gemäß der alten Rahmenbauerweisheit "Vorbiegung frisst Nachlauf" lenkt sich das ­SuperX dadurch sehr agil; zugleich macht der lange Radstand das Rad sehr spurtreu. Für unseren Geschmack ist Cannondale mit dieser neu gedachten Cross-Geometrie ein Volltreffer gelungen. Ein positiver Neben­effekt ist die große Fußfreiheit. Selbst mit maximal zurückgesetzten Pedal-Cleats und Winterschuhen in Größe 44 bleibt genug ­Abstand zwischen Fußspitze und Reifen.

Einzeltest 2017: Cannondale SuperX 105

Cannondale SuperX 105

innovativ: Der Rahmen

Ein weiteres hervorstechendes Merkmal des SuperX ist der rekordverdächtig steife Lenkkopf, der dazu beiträgt, dass sich das Rad auch in kniffligen Fahrsituationen leicht kontrollieren lässt. Trotzdem schluckt das extrem fahrstabile Rad Unebenheiten und Vibrationen gut, was vor allem an der 25 Millimeter dünnen Alu-Sattelstütze und den 33 Millimeter breiten X-One-­Reifen von Schwalbe liegt. Überhaupt prägen die Reifen den tollen Fahreindruck ganz wesentlich. Trotz seiner vielen runden Stollen rollt der X-One auf Asphalt kaum schwerer als schnelle Straßen­reifen, und die Begeisterung lässt auch im Gelände nicht nach; hier brilliert der X-One und heftet sich geradezu an den Untergrund, auch in Kurven. Uns ist derzeit kein Crossreifen bekannt, dem der Spagat zwischen Straße und Gelände besser gelingt.

Exklusiv und speziell ist auch das Zusammenspiel von Hinterbau und Hinterrad. Sitz- und Kettenstreben sind auf der Antriebsseite weiter nach außen ­gezogen als üblich. Die als "Asymmetric Integration" bezeichnete Bauweise ermöglicht es, auf beiden Seiten des Hinterrads gleich lange Speichen zu verwenden (normalerweise sind die auf der Antriebs­seite kürzer). Die symmetrische Einspeichung sowie die Verwendung von 36 Speichen machen das Hinterrad zum mit Abstand steifsten, das wir bisher auf dem Prüfstand hatten – und das spürt man. Da der Reifen viel Platz im Hinterbau hat, setzt sich auch kaum Matsch und Dreck ab. Nachteil dieser Konstruktion ist, dass nur entsprechend eingespeichte ­Hinterräder passen; bei einem konventionellen Laufrad liefe die Felge außermittig. Außerdem wandert die Kettenlinie leicht nach außen. Damit die Schaltung dennoch einwandfrei funktioniert, baut Cannondale an die SuperX-Modelle spezielle Varianten seiner SI-Kurbeln, deren Kettenblätter etwas weiter außen sitzen. Das vergleichsweise hohe Gewicht von 8,7 Kilo tritt angesichts des in allen Fahrsituationen souveränen Fahrverhaltens in den Hintergrund. Wobei das Rad auch leichter zu haben ist: Mit identischem Carbonrahmen in drei verschiedenen Ausstattungen wird das SuperX leichter, allerdings auch teurer.

Sicher und bequem

Wegen des recht langen Steuerrohrs sitzt man auf dem SuperX nicht allzu gestreckt; wer eine tiefe Lenkerposition bevorzugt, sollte das Rad eventuell eine Nummer kleiner wählen. Die Ausstattung mit Shimanos mechanischer 105-Schaltung und preisgünstigen hydraulischen Scheibenbremsen funktioniert tadellos. Allerdings mussten
die Bremsen vor der ersten Ausfahrt durch mehrere, in kurzen Abständen wiederholte harte Bremsmanöver erst eingebremst werden, um ihre volle Leistung zu erreichen. Danach war das mit 160-Millimeter-Scheiben vorne und hinten bestückte Rad für crosstypische Einsätze bestens gerüstet. Ein besonderes Lob verdient auch der bequeme Sattel der Eigenmarke Fabric – es ist eine der bequemsten Sitzgelegenheiten, mit denen wir zuletzt ­unterwegs waren.

GESAMTNOTE   1,9

Preis  2.699 Euro
Gewicht  8,7 Kilo
Info  www.cannondale.com

Gewicht Rahmen/Gabel/Steuerlager*  1.186/465/77 Gramm
Rahmengrößen**  46, 51, 54, 56, 58, 61 cm
Sitz-/Ober-/Steuerrohr  550/555/155 mm
Stack/Reach/STR***  576/384 mm/1,50
Antrieb  Cannondale SI (46/36 Z.; BB30)
Bremsen  Shimano BR-RS505 (160/160 mm; Flatmount)
Schaltung  Shimano 105
Laufräder/Reifen (Gewichte)****  Cannondale Maddux CX 2.0/Schwalbe X-One 33 mm (v./h. 1.617/2.047 Gramm)

MESSWERTE & EINZELNOTEN****

Gewicht Komplettrad   8,7 Kilo:   4,0
Lenkkopfsteifigkeit   128 Nm/°:   1,0
Seitensteifigkeit Gabel   51 N/mm:   1,3
Tretlagersteifigkeit   63 N/mm:   1,0
Federweg Sattelstütze  160 N/mm:   1,7
Federweg Gabel   74 N/mm:   2,3

Einzeltest 2017: Cannondale SuperX 105

Cannondale SuperX 105: Der asymmetrische Hinterbau schafft Platz zwischen den Streben. 

Einzeltest 2017: Cannondale SuperX 105

Cannondale SuperX 105: Außerdem kann das Hinterrad anders eingespeicht und damit steifer werden. 

Einzeltest 2017: Cannondale SuperX 105

Cannondale SuperX 105: Die SI-Kurbel wurde an die geänderte Kettenlinie angepasst.

Einzeltest 2017: Cannondale SuperX 105

Cannondale SuperX 105

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Cannondale SuperX 105

* Gewogene ­Gewichte.  
** Herstellerangabe  Testgröße fett.  
*** Stack/Reach  projiziertes senkrechtes/waagerechtes Maß von Mitte Tretlager bis Oberkante Steuerrohr; STR (Stack to Reach) 1,36 bedeutet eine sehr gestreckte, 1,60 eine aufrechte Sitzposition.
**** Einzelnoten, die unterschiedlich gewichtet in die Gesamtnote einfließen, drucken wir aus Platzgründen nur zum Teil ab. Die Noten werden bis zur Endnote mit allen Nach­kommastellen gerechnet; zur besseren Übersichtlichkeit geben wir aber alle Noten mit gerundeter Nachkommastelle an.

TOUR Titel 12/2016

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Manuel Jekel am 19.05.2017
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