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Tour de France

Tour de France 2014: Inside BMC RacingTeam, Teil 2

TOUR Online am 22.07.2014

Exklusiv für TOUR berichtet Ernährungsexpertin Judith Haudum von ihrer Arbeit aus dem Team BMC

Wirklich Ruhe am Ruhetag?
Am Ruhetag dürfen sich die Fahrer ein wenig von den Strapazen der vergangenen Tage erholen. Viele fragen sich immer, ob ein Ruhetag wirklich bedeutet, dass die Fahrer ruhen und das Rad für einen Tag nicht anrühren? Tatsächlich geht es aber auch an so einem Tag nicht ganz ohne Rad. Wer jeden Tag stundenlang auf dem Rad sitzt, wird auch am Ruhetag für eine bis Stunden aufs Rad steigen und ganz locker durch die Gegend rollen; für die Beine wäre es nicht gut, nach einem Tag gänzlich unbewegt wieder arbeiten zu müssen. Der Ruhetag dient den Fahrern vor allem zur Erholung, auch mental. Einige BMC-Fahrer wie Tejay van Garderen und Marcus Burghardt hatten Zeit, sich besser von ihren Stürzen zu erholen, weil die Belastung des Körpers für einen Tag auf ein Minimum reduziert ist.

Und dann gibt es da natürlich auch noch die Familie, die Fahrer konnten den freien Nachmittag mit Ehefrauen und Kindern verbringen. Eine willkommene mentale Abwechslung, um den Rennstress für einige Stunden zu vergessen. Wenn’s im Hotel einen Pool gibt, findet man den einen oder anderen Fahrer auch mit seinen Kindern dort. Die, die keine Familie zu Besuch haben, wissen sich auch zu beschäftigen: schlafen, Musik hören, sonnen oder mal ein Buch lesen. Und wer noch immer nicht genug hat vom Rennrad, der geht zum Mechaniker und tüftelt am Rad herum.

Anderes Essen am Ruhetag?
Das Essen unterscheidet sich auf jeden Fall von dem eines Renntages. Das fängt schon beim Frühstück an, denn da gibt es keinen Weckruf. Jeder Fahrer darf in den Tag hinein schlafen. Da die Belastung an dem Tag gering ist, gibt’s kein Wettkampffrühstück – das Omelette oder die Pasta bleiben mal weg. Die Mengen sind kleiner, aber dennoch vollwertig und gesund: vollwertiges Brot, Porridge, ein Esslöffel Nutella, frisches Obst und frischer Obstsaft sowie ein Stück Früchtebrot gestalten den Start in den Tag.

Und noch etwas ist anders: Es gibt mal ein richtiges Mittagessen! An allen anderen Tagen sitzen die Fahrer zu dieser Zeit auf dem Rad und das Mittagessen besteht eher aus Powerbar-Riegeln und Gels. Am Ruhetag aber steht eine richtige Mahlzeit auf dem Plan: reichlich Gemüse und Salat, aber Kohlenhydrate und Eiweiß. Die Fahrer sind zwar hungrig, aber auch nicht so, dass sie tellerweise Nudeln essen wie an den Renntagen. Als kleine Überraschung gibt es dann noch Bananenbrot und selbstgemachte Müsliriegel für zwischendurch. Wir haben so viel davon gemacht, dass für die nächsten Tage noch genug übrig bleibt, um den Fahrern die Transfers und die Zeit nach dem Rennen zu versüßen. Zur Vorbereitung auf den nächsten Renntag gibt es dann am Abend wieder reichlich Reis und Nudeln, damit die Beine wieder spritzig und topfit sind.

Was machen die Betreuer?
Unser Koch Jean Patrick ist einer der wenigen im Team, für den ein Ruhetag mehr Arbeit als sonst bedeutet, weil er auch das Mittagessen zubereiten muss.  Für das übrige Personal geht es etwas lockerer zu. Performance-Manager Allan Peiper steigt gerne aufs Rad und radelt mit dem Team durch die Gegend. Die Fahrer bekommen aber trotz Pause eine Massage und bei Bedarf auch mal ein paar Extraminuten, um die Beine wieder fit zu kneten. Die Sportdirektoren haben nicht wirklich frei, es gilt die nächsten Etappen und die Taktik für die nächsten Tage zu besprechen und zu analysieren, was bisher geschehen ist. Die Tour ist noch lange nicht zu Ende, aber die erste Woche hat Spuren hinterlassen. Deshalb ist auch der Teamarzt bei den Meetings dabei, der am besten weiß, wie es den einzelnen Fahrern geht und wie es um die Heilung der Verletzungen und Wunden steht.

Für mich war der Ruhetag auch eine Möglichkeit, mich mit dem Personal länger und in Ruhe zu unterhalten und Dinge zu besprechen. Sonst findet das meistens am Abend nach dem Rennen oder schnell einmal zwischendurch statt, aber nie in Ruhe ohne Stress. Heute gab es Zeit dazu und es wurde auch fleißig geplaudert. Und dann gibt es da ja immer noch den vollbeladenen LKW, der all unsere Vorräte an Essen gelagert hat. An einem Ruhetag einmal einen genaueren Blick auf die Vorräte zu werfen und in Ruhe einzukaufen und aufzufüllen, ist ebenso notwendig.

Judith Haudun

Judith Haudum ist 32 Jahre alt und stammt aus dem österreichischen Salzburg. Die studierte Sportwissenschaftlerin, Dozentin und Expertin für Sporternährung arbeitet beim Team BMC, das vom Sponsor Powerbar mit hochwertiger Sporternährung unterstützt wird.

TOUR Online am 22.07.2014