Team-Räder der Tour de France: IAM Cycling Team-Räder der Tour de France: IAM Cycling
Tour de France

Team-Räder der Tour de France: IAM Cycling

Jens Klötzer am 19.07.2014

Die TOUR-Reporter stellen zur Frankreich-Rundfahrt jeden Tag ein Original-Teamrad vor, mit dem die Profis die Tour in Angriff nehmen. Heute: das Scott von Roger Kluge, IAM Cycling.

Dem Schweizer Pro-Continental-Team IAM Cycling wurde bereits im zweiten Jahr seines Bestehens die große Ehre zuteil, eine Wildcard der Tour-Veranstalter zu erhalten. Sicher spielte dabei auch eine Rolle, dass vor dieser Saison mit Sylvain Chavanel und Jerôme Pineau zwei der derzeit bekanntesten französischen Profis verpflichtet wurden. Daneben treten auch der Deutsch-Australier Heinrich Haussler und Roger Kluge aus Eisenhüttenstadt für die von einem Vermögensverwalter finanzierte Équipe in die Pedale. Für Kluge ist es der zweite Tour-Start. 2010 zählte der 28-Jährige zur Auswahl des inzwischen aufgelösten Teams Milram.

Wie auch die Fahrer von Orica-Greenedge, dem zweiten von Scott ausgerüsteten Team, können die IAM-Profis zwischen zwei Rahmen-Modellen wählen. Kluge entschied sich wie vier seiner Kollegen für das aerodynamisch optimierte Modell Foil. Daneben kommt auch das Leichtbaumodell Addict SL zum Einsatz, mit dem vier IAM-Fahrer unterwegs sind.

Der Foil-Rahmen zählte bei seiner Markteinführung 2011 zu den ersten Carbon-Straßenrahmen, die unter aerodynamischen Gesichtspunkten entwickelt wurden. Revolutionär waren seinerzeit die Rohrprofile, die anders als bei Aero-Rahmen gewohnt nicht hinten spitz zulaufen. Stattdessen gleichen die Querschnitte einem Dreieck mit abgerundeten Ecken, was bei den im Radsport üblichen Geschwindigkeiten einen ähnlichen aerodynamischen Vorteil verspricht wie ein voll ausgeformtes Flügelprofil. Zugleich erlaubt es diese Rohrform, die Rahmen ähnlich leicht zu bauen wie typische Leichtbaurahmen. Foil-Rahmen in TOUR-Tests wogen zwischen 900 und 1.000 Gramm. Im Windkanaltest erwies sich das Modell zugleich als deutlich schneller als konventionelle Rundrohrrahmen (TOUR-Test 2/2012).

Roger Kluge bremst und schaltet mit der aktuellen Dura-Ace-Gruppe von Shimano. Wie mittlerweile die Mehrheit der Profis vertraut er der elektronischen Di2-Schaltung der Dura-Ace. Da IAM nicht offiziell von Shimano gesponsert wird, sondern seine Komponenten kaufen muss, darf man davon ausgehen, dass die Team-Leitung die Di2 bewusst gewählt hat. Ein Grund für die Beliebtheit der Elektroschaltung ist auch, dass sie den Team-Mechanikern eine Menge Stress erspart. Einmal richtig justiert, macht sie außer nach Stürzen während der dreiwöchigen Rundfahrt kaum noch Arbeit.

Auffällig ist, dass mit Ausnahme von Shimano und Reifensponsor Schwalbe überwiegend Schweizer Firmen am Aufbau von Kluges Foil beteiligt sind. Neben dem Rahmen von Scott stechen dabei vor allem die Aero-Laufräder von DT Swiss ins Auge. Zudem steuert Belag-Spezialist Swissstop seine speziell für Carbon-Felgen entwickelten Black-Prince-Bremsbeläge bei, die auch bei anderen Teams hoch im Kurs stehen. Selbst bei der Lenker-Vorbau-Kombination kommt die Swiss-Connection zum Tragen. Hersteller Ritchey kommt zwar aus den USA, die Europa-Zentrale der Marke allerdings sitzt im Tessin.

Ungewöhnliche Details an Kluges Rad sind rot eloxierte Alu-Röllchen mit Keramik-Lagerungen, die anstelle der originalen Schaltröllchen montiert wurden, sowie ein RWS-Schnellspanner von DT Swiss an der Vorderradnabe. Dieser für Scheibenbremsnaben an Mountainbikes entwickelte Spanner ist für sehr hohe Klemmkräfte ausgelegt. Bei Rennrädern konnte er sich bisher nicht durchsetzen, weil der Radwechsel im Vergleich zu konventionellen Schnellspannern etwas länger dauert. Durch eine kleine Nase an der Gegenmutter, die ein Mitdrehen verhindert, konnte dieser Nachteil aber eliminiert werden. Laut einem Team-Mechaniker soll der Radwechsel genauso schnell vonstatten gehen wie bei der üblichen Lösung. Weitere Details des Rades gibt's in unserer Bildergalerie und der Ausstattungsliste:

Fotostrecke: Team-Räder der Tour de France: IAM Cycling

Rahmen: Scott Foil

Laufräder: DT Swiss R55T Spline

Reifen: Schwalbe One 24 mm (Schlauchreifen)

Bremsen: Shimano Dura-Ace 9000 mit Black-Prince-Belägen von Swissstop

Schaltung: Shimano Dura-Ace Di2 9070

Zahnkranz: Shimano Dura-Ace 9000

Kette: Shimano Dura-Ace

Tretlager: Shimano Dura-Ace 7900 mit SRM-Powermeter

Pedale: Shimano Dura-Ace 9000

Lenker: Ritchey WCS Evo Curve (Alu)

Vorbau: Ritchey WCS

Lenkerband: Prologo

Sattel: Prologo Nago Evo

Sattelstütze: Scott Foil

Flaschenhalter: Elite Cannibal

Computer: SRM PC7

Besonderheiten: Rote Schaltwerkröllchen aus Alu, RWS-Schnellspanner von DT Swiss

Jens Klötzer am 19.07.2014