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Scheibenbremsen bei der Tour de France

Erster Sieg dank Marcel Kittel

Andreas Kublik am 02.07.2017

Die vieldiskutierte Scheibenbremsen-Technologie hat ihren größten Erfolg gefeiert: Marcel Kittel gewann als erster Radprofi bei der Tour de France mit Scheibenbremsen am Rad.

 Auf dem Quai des Ardennes hatte Marcel Kittel im Zielsprint ganz knapp die Nase vorn. Der knappe Sieg des deutschen Sprintspezialisten könnte aber einen großen Schritt für die Scheibenbremstechnologie bedeuten. Der deutsche Radprofi ist der erste Rennfahrer in der Geschichte der Tour de France, der eine Etappe auf einem Rad mit Scheibenbremsen gewonnen hat. "Ich wusste gar nicht, dass ich diesen 'Titel' bekomme, wenn ich gewinne", sagte Marcel Kittel bei der Pressekonferenz nach dem Rennen.

Bei den Profis wurden die neuen Bremsen in den vergangenen Jahren viel diskutiert, der Radsport-Weltverband hat sie in dieser Saison bei der Tour de France zugelassen. Profis, Ex-Profis und Teamchefs sind sich weitgehend einig, dass sich die Scheibenbremsen in den kommenden Jahren durchsetzen werden. Insider vermuten, dass die ersten großen Erfolge der Technologie auch die skeptischen Profis umstimmen werden. Auf der 2. Etappe der Tour de France saßen erstmals bei der Tour drei Radprofis auf Rädern mit Scheibenbremsen. Nach Tour-Recherchen waren das Kittel sowie sein Sprintrivale Michael Matthews vom deutschen Sunweb-Rennstall und der Schweizer Reto Hollenstein vom Team Katusha Alpecin. "Wie ich bereits gesagt habe: Für mich sind die Scheibenbremsen ein wichtiger Schritt in der Entwicklung der Radtechnologie", betonte Kittel, der bereits einige Rennen mit Scheibenbremsen gefahren ist.

Bei dem Modell, das Kittel nutzte, handelt es sich um die hydraulische Scheibenbremse der neuen Shimano-Gruppe Dura-Ace 9000, die bereits im vergangenen Jahr präsentiert wurde. Wegen Lieferproblemen des Herstellers kommt sie aber de facto erst jetzt auf den Markt. "Ich bin heute auf einer verbesserten Version von Shimano gefahren, die auf jeden Fall besser funktioniert als die alte. Gerade wenn man den Regen heute gesehen hat: Es wird den Rennfahrern helfen, besser zu bremsen", erklärte Kittel seine Wahl bei den Bremsen. Das neue Modell hat eine besser belüftete und hitzestabilere Bremscheibe, die an den Kanten rund geschliffen ist. Zuletzt hatten viele Rennfahrer kritisiert, die Verwendung von Scheibenbremsen erhöhe die Verletzungsgefahr. Zur anhaltenden Diskussion um die neue Bremstechnologie sagte Kittel in Lüttich: "Ich hoffe, wir schaffen es zusammen mit der  Industrie, UCI und vor allem den Rennfahrer eine Lösung, um alle schlechten Aspekte zu beseitigen. Ich unterstütze alle Bemühungen, um Rennfahrer vor möglichen Gefahren zu schützen."

Während Kittel siegte, Matthews Rang neun belegte, löste Hollenstein rund 30 Kilometer vor dem Ziel einen Massensturz aus, als er in einem Kreisverkehr wegrutscht war. In den Sturz war zahlreiche Teilnehmer, darunter auch Christopher Froome verwickelt.

Fotostrecke: Scheibenbremsen bei der Tour De France

Andreas Kublik am 02.07.2017
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