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EPO-Fall im deutschen Radsport

Datenschutz verhindert Veröffentlichung

Andreas Kublik am 26.01.2017

Im deutschen Radsport gab es im Juni 2015 einen Dopingfall mit EPO, der erst jetzt öffentlich wurde. Die Nationale Antidoping-Agentur NADA begründet die späte Veröffentlichung mit der Gesetzeslage in Deutschland.

Vier Jahre Sperre – so lautet das Urteil gegen den deutschen Radsportler Christoph S. Dieser war am 28. Juni 2015 bei einer Wettkampfkontrolle positiv auf künstliches EPO. Der Name des Wettkampfs wurde nicht veröffentlicht. Es handelt sich aber um den Tag, an dem das Elite-Rennen der Deutschen Meisterschaft im Einer-Straßenrennen in Bensheim stattfand. Der betroffene Sportler soll seine aktive Karriere kurz nach dem Dopingfall beendet haben und in das Management eines Profi-Teams gewechselt sein.   

Das Urteil mit dem Aktenzeichen DIS-SV-SP-10/15, das vereinbarungsgemäß die Deutsche Institution für Schiedsgerichtsbarkeit (DIS) sprach, wurde am 24. Januar 2017 rechtskräftig und daraufhin in der Datenbank der NADA veröffentlicht. Den Fall hatte zunächst das Magazin Rennrad auf seiner Internetseite einer breiteren Öffentlichkeit publik gemacht.

In der Radsportszene sorgte für Irritation, dass der Fall erst eineinhalb Jahre nach dem Test öffentlich wurde. Die NADA berief sich auf Nachfrage von TOUR auf die geltenden Gesetze in Deutschland, vor allem den Datenschutz, der keine Veröffentlichung des kompletten Namens in der Datenbank erlaube. Grundsätzlich würden in Deutschland laufende Verfahren nicht öffentlich gemacht.

Tatsächlich ist die Vorgehensweise im Radsport und in den einzelnen Ländern nicht einheitlich. Der Radsport-Weltverband UCI, der in der Schweiz sitzt, handhabt die Veröffentlichung von Dopingverfahren anders: Er zeigt auf seiner Webseite auch vorläufig gesperrte Athleten unmittelbar nach einem positiven Test an. Allerdings musste sich die UCI in der Vergangenheit Vorwürfe gefallen lassen, dass der Dopingfall von Alberto Contador im Jahr 2010 und die drei verpassten Doping-Tests von Ex-Weltmeisterin Elizabeth Armitstead im Jahr 2016 nicht publik gemacht worden waren.

Andreas Kublik am 26.01.2017
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