Laufräder

Systemlaufräder oder handgebaute Modelle

Robert Kühnen am 17.03.2011

Sind Systemlaufräder tatsächlich besser als individuell gefertigte Laufräder vom Spezialisten? TOUR vergleicht zwölf Allround-Systemräder und vier individuell gefertigte Modelle von 200 bis 1.250 Euro in Windkanal, Labor und Praxis.

Früher war die Sache eindeutig. Wer ein erstklassiges Laufrad wollte, ging zu einem erfahrenen Laufradflechter und ließ sich aus Speichen, Naben und Felgen handgebaute Preziosen seiner Wahl erschaffen. Die Qualität hing vom handwerklichen Geschick des Meisters und den Zutaten ab.

Mitte der 90er-Jahre ging Mavic – damals Marktführer für hochwertige Felgen – dazu über, komplette Laufräder aus aufeinander abgestimmten Naben, Speichen und Felgen herzustellen. Auch andere Anbieter entdeckten schnell, dass mit dem runden Ganzen mehr Geld zu verdienen ist als mit Einzelteilen, und zügig wuchs der Markt für sogenannte Systemlaufräder. Gleichzeitig schrumpfte die Auswahl verfügbarer Felgen für individuell aufgebaute Räder. Mavic bietet heute noch ein paar Klassiker wie die Open-Pro-Felge an – aber die modernen, überfrästen Felgen mit geringer Lochzahl, wie sie in der Ksyrium-Baureihe verwendet werden, sind, abgesehen vom Ersatzteilservice, einzeln ebenso wenig zu bekommen wie die speziellen Naben oder Speichen.

Dennoch sprechen immer noch gute Gründe für individuell gefertigte Räder: besonderes Aussehen, bestimmte Leistungsmerkmale – oder auch der günstigere Preis. Konventionelle Naben bieten viele Hersteller an, auch an verschiedenen Speichen herrscht kein Mangel. Das Angebot an Felgen ist nicht ganz so üppig, aber wer sucht, der findet fast alles von der 16-Loch-Carbonfelge bis zur keramikbeschichteten Alu-Felge. Laufrad-Konfiguratoren im Internet, wie der von Whizz Wheels, laden ein zum stundenlangen Tüfteln am Wunschrad – und man kann gut sehen, wie die Wahl von Felgen und Speichen das Gewicht beeinflusst. Nicht sichtbar ist jedoch, was das für Kriterien wie Steifigkeit oder Luftwiderstand bedeutet. Wir haben daher zwei renommierte Laufradspezialisten gebeten, je zwei individuelle Laufradsätze mit verschiedenen inhaltlichen Schwerpunkten zu bauen. Im Vergleich mit Systemrädern des Jahrgangs 2011 soll sich zeigen, ob und wie sie sich behaupten können.

Die Testergebnisse dieser Modell finden Sie unten im PDF-Download:

A Class ALX 730 Tubeless

Campagnolo Shamal Ultra 2 Way fit

Campagnolo Zonda

Citec 3000 S Aero Carbon

Easton EA 90 Aero

Fulcrum Racing 3

Fulcrum Racing 7

Mavic Cosmic Elite

Mavic Ksyrium Elite

Mavic Ksyrium SR

Shimano WH RS 30

Veltec Speed 4.0 RC

Komponentix Aero

Komponentix Allwetter

Whizz Wheels Leicht

Whizz Wheels Robust

Als Ergänzung zum Heft zeigen wir Ihnen Detailfotos der Laufräder und vom Windkanal:

55 Meter lang ist der offene Windkanal, der in einer stillgelegten Eisenbahntunnelröhre bei Genf aufgebaut ist.  Die Lage im Fels sorgt für konstante Temperatur und damit gute Messbedingungen rund ums Jahr

Blick durch die Düse in die Messtrecke des Kanals

Montage eines Rades auf die Messwaage. Anströmwinkel von 0 bis 25° werden in 2,5° Schritten erfasst, um Aussagen über den Widerstand bei Seitendwindeinfluss treffen zu können

Blick aus dem Führerstand in die Messstrecke.  Der Messablauf ist automatisiert, um eine höchstmögliche Qualität zu erreichen

A Class ALX 730 Tubeless 

Eine Versuchung in weiß: klare, aufgeräumte Optik. Technisch gut bis auf das wenig steife Hinterrad 

Campagnolo Shamal Ultra 2Way fit

Bogenlose Alu-Aerospeichen – intelligent verteilt (doppelte Anzahl auf Antriebseite) und frei von Biegebelastung

Campagnolo Zonda

Die dünnen Stahlspeichen sind etwas aerodynamischer als die dickeren Alu-Messer im Shamal

Citec 3000 S Aero Carbon

Beidseitig vernippelte Speichen machen diese frei von schädlichen Biegebelastungen

Easton EA 90 Aero

Aerodynamisch optimierte Flansche – dank breiter Abstützung sehr steif

Fulcrum Racing 7

Die doppelte Anzahl von Speichen auf der Antriebsseite verteilt die Speichenspannung gleichmäßiger als konventionelle Einspeichung

Mavic Cosmic Elite

Sehr steif, relativ aerodynamisch, günstig  - eines der besten Angebote von Mavic, wenn einem das Gewicht nicht so wichtig ist

Mavic Ksyrium Elite

Die überfräste Felge erleichtert das Rad, ist aerodynamisch aber einem Tropfenprofil unterlegen

Mavic Ksyrium SR

Alle Register gezogen, um Gewicht und Steifigkeit zu optimieren: der Mix aus Alu- und Carbon-Speichen macht das Hinterrad zum steifsten seiner Art

Shimano WH RS 30

Die asymmetrisch geformte Felge verbessert den Speichenwinkel auf der Antriebsseite

Veltec Speed 4.0 RC

Die 38 mm hohe Carbon/Alu-Felge bringt Tempo: insbesondere bei kleinen Anströmwinkeln schnell

Komponentix Aero

Nur 16 Speichen fesseln die Halo-Nabe an die 31 mm hohe Felge. Aerodynamisch bringt das Bestwerte in diesem Feld

Komponentix Allwetter

Es gibt sie noch: Mavic Open Pro-Felge mit Keramik-Beschichtung. Gut im Regen

Whizz Wheels Leicht

Konventionell aber höchst penibel gebaut aus leichten DT Swiss-Komponenten.  Lebenslange Garantie gegen Speichenbruch verpricht Whizz Wheels

Whizz Wheels Robust

Für schwere Jungs, die was Schönes wollen: hochlastfähige Kombi aus Chris-King-Nabe und DT 585-Felge

Das schnellste Laufrad: Komponentix Aero

Das steifste Laufrad: Whizz Wheels Robust

Das leichteste Laufrad: Campagnolo Shamal

Robert Kühnen am 17.03.2011