Laufräder

Laufräder im Transalp-Praxistest

Dirk Zedler am 20.10.2009

Ultraleicht oder aerodynamisch, Draht- oder Schlauchreifen, Carbon oder Alu: Wer in den Bergen schnell sein will, muss Laufräder clever auswählen. Wir haben die Probe aufs Exempel gemacht und ein Testteam zur TOUR-Transalp geschickt – jeden Tag mit einem anderen Laufradsatz.

Nicht schon wieder!”, denke ich, als Christian ruft: “Dirk, ich hab’ platt!” Es ist unser dritter platter Schlauchreifen an diesem Tag, und unsere eigenen Reserven sind aufgebraucht. Schon zum zweiten Mal bei dieser Transalp müssen wir auf das Servicefahrzeug warten – mitten im Rennen, diesmal auf der Königsetappe. Ein Radler nach dem anderen rauscht auf der Abfahrt an uns vorbei, Platz um Platz geht verloren. Als die hilfsbereiten Rose-Jungs mit dem Servicewagen dann kommen, stecken wir schnell neue Laufräder in Christians Rennmaschine, passen die Bremsbeläge an die Drahtreifenfelgen an und hetzen hinter den anderen her Richtung Kaltern. Beim Weiterfahren in das 80 Kilometer entfernte Etappenziel denke ich: Selbst mit dem tollsten Material kann man nie so viel Zeit gutmachen, wie man bei einem Defekt mit dem tollsten Material verliert. Doch der Reihe nach.

Die Idee zu dieser Geschichte entstand, weil kaum eine Diskussion die Rennradlerstammtische und Online-Foren so befeuert wie der Streit ums richtige Laufrad. Welchen Schwerpunkt soll man setzen, gerade bei einem Wettkampf wie der TOUR-Transalp, die an sieben Tagen über 18.000 Höhenmeter und 900 Kilometer führt? Ein leichtes Laufrad für die vielen Kletterpassagen? Ein schnelles, aerodynamisches für die Abfahrten und Flachstrecken? Carbon- oder Alu-Felgen – Drahtreifen oder geklebte Schlauchreifen? Oder gibt’s ein perfektes Laufrad für alle Lebens lagen? Klare Sache: ausprobieren.

In der Hoffnung auf deutliche Unterschiede und spannende Erkenntnisse haben wir ein breites Spektrum an Laufrädern für die Höhenmeter-Jagd eingeladen, darunter die beiden wohl leichtesten serienmäßigen Laufradsätze ihrer Art: das “Skyline-Reynolds” von Tune (893 Gramm) und das Pvelotec “Supreme 2.2a lite” mit Aluminumfelgen (1.283 Gramm).

KURZ & KNAPP

Carbonlaufräder faszinieren, stoßen bei einem Rennen in den Alpen aber an Grenzen: Weich werdender Kleber bei Schlauchreifen, sich auflösende Felgenflanken und die nach wie vor schlechten Bremseigenschaften im Regen sind für Rennradler ohne professionellen Materialservice zu viele Unwägbarkeiten. Laufräder wie Shimanos “Dura-Ace” mit Drahtreifen und sauber verarbeiteter Aluminiumbremsfläche sind für Unternehmungen wie die TOUR-Transalp eine sehr gute Wahl. Wer es richtig eilig hat, verwendet ein Aero-Laufrad mit Drahtreifen wie Mavics “Cosmic Carbone SLR”.

Diese Laufräder finden Sie im PDF-Download:

Citec 6000 CX Carbon

Lightweight Ventoux DT/Standard III

Mavic Cosmic Carbone SLR

Pvelotex Supreme 2.2a lite

Shimano Dura-Ace Carbon 1380

Tune Skyline-Reynolds

Tune Schwarzbrenner

Zipp 303 Clincher

Wenn der Schlauchreifen-Klebstoff aufgrund der Bremswärme weich wird, verdrehen sich die Reifen auf der Felge, bis das Ventil abreißt.

Materialschlacht: Am Ende jeder Etappe häuften sich die beschädigten Laufräder in den Materialwagen der zwei offiziellen Service-Begleitfahrzeuge.

Dirk Zedler, 46 Jahre, 68 Kilo, Dipl.-Ingenieur, Fahrrad-Sachverständiger und TOUR-Tester, Triathlet und Hobby-Rennfahrer seit 24 Jahren, rund 9.000 Jahreskilometer. Erfahrung mit Carbonlaufrädern vor der Transalp: rund 20.000 Kilometer

Christian Baumhof, 52 Jahre, 71 Kilo, Buchhändler, Hobby-Rennradfahrer seit 20 Jahren, rund 10.000 Jahreskilometer. Erfahrung mit Carbonlaufrädern vor der Transalp: rund 500 Kilometer

Dirk Zedler am 20.10.2009