Laufräder

Dauertest: Nabe Powertap SL

Kuehn am 11.12.2010

Die PowerTap-Messnabe ist für die mobile Leistungsmessung eine der wenigen Alternativen zur bewährten, aber teuren SRM-Messkurbel. Die Nabe wird normalerweise mit 32 oder 36 Speichen in Trainingslaufräder eingespeicht – zweckmäßig, aber mit Blick auf Wettkampfeinsätze weder besonders leicht noch aerodynamisch. Wir haben die aktuelle PowerTap ”SL+” deshalb in Kombination mit Zipps ”404”-Felgensatz getestet (24 Speichen, 58 mm Felgenhöhe), der für Training und Wettkampf gleichermaßen geeignet ist.

Das Hinterrad (Drahtreifen, Alu-Felge) wird durch die Messtechnik um 234 Gramm schwerer (1.171 statt 928 Gramm), der komplette Satz wiegt so 1.893 Gramm. Kein Leichtgewicht, dafür aerodynamisch gut. Das “404” rollt besonders gut bei leichtem Wind schräg von vorne – ideal also für “langsame” Zeitfahren auf Langstrecken wie Trondheim-Oslo, auf der TOUR-Tester Manuel Jekel das Rad auch einsetzte.

Es ist wenig seitenwindempfindlich und läuft sehr gut rund, was sich über die Testdistanz nicht geändert hat. Die Steifigkeit fällt durch den Einbau der Messnabe von schwachen 36 N/mm auf noch schwächere 33 N/mm. Offensichtlich ist die Mess-Achse biegefreundlicher als das Original. Für Zeitfahren und Training sind diese Werte OK, bei harten Antritten am Berg hatten aber selbst leichte Fahrer das Gefühl, in Gummi zu treten. Ärgerlich, dass beide Testradsätze nach Regenfahrten Schäden am linken Achslager zeigten, die (tauschbaren) Rillenkugellager setzten sofort Rost an. Die Leistungsmessung funktionierte über die Testdistanz ohne Aussetzer und Batteriewechsel (selbst durchführbar) und lieferte immer plausible Werte an die beiden verfügbaren PowerTap-Lenkercomputer, mit der wir die Nabe kombinierten.

Der einfachere “Cervo” verlangte nach 3.000 Kilometern neue Batterien. Auf einem holprigen Wegstück sprang der Computer vom Rad, weil sich die Plastikhalterung spontan auflöste. Der Computer überstand den Sturz unbeschadet. Bei anderer Gelegenheit aber verschwand ein Kontakt des USB-Adapters im Gehäuse, und der Computer ließ sich nicht mehr auslesen.

Der größere “Joule 2.0” wird per Kabel und Steckverbindung direkt ausgelesen und verfügt über einen Akku mit etwa 14 Stunden Laufzeit. Er bietet genügend Speicher für ein Trainingsjahr und ein vielzeiliges Display, das bis zu acht (bei Cervo drei) Werte gleichzeitig anzeigt. Der Joule verfügt über umfassende Auswertefunktionen, sodass man auch ohne Download der Daten einen guten Überblick über sein Training gewinnt und die aktuellen Werte mit den Bestwerten des Jahres vergleichen kann. Das grenzt den Joule von anderen ANT+-kompatiblen Geräten ab, die auch mit der Nabe kommunizieren können (z.B. von Garmin).

Joule und Cervo sitzen dem Radler, auf dem Vorbau montiert, ein bisschen dicht vor der Nase. Besser wäre eine Platzierung vor dem Lenker.

Die mitgelieferte “Power-Agent”-Software liefert eine Vielzahl brauchbarer Daten, läuft stabil und ist kompatibel mit Windows, Mac und Linux. Nur die Darstellung der aufgezeichneten Intervalle könnte besser sein.

Fazit: In der Verbindung mit Zipps 404-Laufrädern ist die PowerTap-Nabe ein gutes Trainingsinstrument im Renntrimm mit verlässlicher drahtloser Datenaufzeichnung. Die Schwächen liegen im mechanischen Bereich. Die schlechte Lagerdichtung und das Versagen der Plastikteile beim Cervo-Computer sind ebenso ärgerlich wie die unverständliche Bedienungsanleitung.

PLUS: Messsystem; Aerodynamik; “Joule-2.0”-Computer; Software; guter Rundlauf

MINUS: Steifigkeit; Dichtung Nabenlager; Gewicht; Halter und USB-Adpater; “Cervo”-Computer

Bezug/Info: Sport Import, Telefon 04405/9280-0, www.cycleops.com

Preise:

404-Hinterrad mit SL+-Nabe: 1.699 Euro

Joule-Lenkercomputer: 499 Euro

Cervo-Lenkercomputer: 239 Euro

Foto: Markus Greber

Kuehn am 11.12.2010