Laufräder

Aero-Laufräder

Robert Kühnen am 22.07.2010

Die leichtesten, teuersten und schnellsten Carbonlaufräder der Welt: 18 Carbon-Laufradsätze zwischen 1.200 und 4.700 Euro im Labor- und Praxistest. Lesen Sie hier, wer nach Windkanal, Kletter-, Abfahrts- und Bremstests das Rad vorn hat.

Die Revolution begann 1995. Die Werkzeugmacher Rudolf Dierl und Heinz Obermayer fertigten als Erste ein aerodynamisches Speichenrad ganz aus Faserverbundwerkstoff – in einer Traktor-Werkstatt vor den Toren Münchens. Zwei Jahre später rollten die im Nebenerwerb gebauten “Lightweight”-Räder schon bei der Tour de France. Nahezu die gesamte Radsport-Elite der späten Neunzigerjahre leckte sich seither die Finger nach den Carbon-Prezio sen und überwies per Vorkasse Geld nach München an Dierl und Obermayer, um ein paar hundert Gramm Rollgut einzusparen. Der Gag: Die beiden Erfinder hatten mit Radfahren eigentlich nichts am Hut.

Soweit die Geschichte, die als erfundenes Drehbuch sicher nie eine Chance gehabt hätte. In der Realität aber ist die Nachfrage nach Lightweight-Rädern ungebrochen. 2003 verkauften die bayerischen Tüftler ihr Know-how an die Firma Carbon Sports, die seither die begehrten Räder herstellt und unters Radelvolk bringt. Profis zahlen jetzt nicht mehr Vorkasse, sondern werden gesponsert. Einige jedenfalls. Das liegt am Konkurrenzdruck, denn fast jeder Laufradhersteller hat inzwischen Carbon im Angebot. Das mitgelieferte Versprechen ist immer das gleiche: klettern, mühelos! Und natürlich schnell über die Ebene jagen, dank aerodynamischer Felgenprofile.

Jenseits aller Marketingversprechungen ist da auch wirklich was dran: Mit hohen Felgen lässt sich der Luftwiderstand senken, die steiferen Felgenringe kommen mit weniger Speichen aus – gut für geringes Gewicht, gut im Wind. Carbon ist das logische Material für die Laufräder – wäre da nicht die Sache mit dem Bremsen. Die Felgenbremsen von Rennrädern harmonierten bislang nicht gerade perfekt mit den Carbonfelgenflanken.

Ob es dabei inzwischen Fortschritte gibt, soll dieser Test zeigen:

18 Aero-Laufradsätze zwischen 1.200 und 4.700 Euro, die eins gemeinsam haben – Carbon ist Teil der Felgenkonstruktion. Die Felgen sind zwischen 45 und 90 Millimeter hoch und fallen damit alle in die Kategorie “Aero”. Das Gewicht pro Laufradsatz liegt zwischen 920 und 2.100 Gramm. Um einen vollständigen Überblick zu bekommen, haben wir alle Bauarten eingeladen: Schlauchreifenfelgen aus Carbon, Hakenfelgen aus Carbon für normale Faltreifen, einen Satz Tubeless-Räder mit Carbonflanken von Hutchinson sowie einige Räder mit einem Mix aus Alu (zum Bremsen) und Carbon.

KURZ & KNAPP

Carbonlaufräder vereinen geringes Gewicht und gute Aerodynamik. Die leichtesten Radsätze wiegen weniger als ein Kilo und bestehen nahezu komplett aus Fasern, auch die Bremsflanken. Deren Bremsleistung ist besser geworden – auch bei Nässe –, erreicht aber nicht das Niveau von Alu-Rädern. Alltagstauglich sind vor allem Hybridfelgen aus Alu und Carbon (um 1.700 Gramm), die normale Faltreifen aufnehmen. Mit Carbon-Schlauchreifenfelgen lassen sich 300 Gramm einsparen, sie sind aber empfindlich und schnell beschädigt. Eine Unfallersatz-Versicherung ist, sofern angeboten, unbedingt empfehlenswert.

Die Testergebnisse dieser Laufräder finden Sie unten im PDF-Download:

Campagnolo Bora One

Citec 6000 CX

DT Swiss RRC 625/725

Easton EC90 TT

Edge 68 S

FSA K-Force Wheels

Fulcrum Racing Speed XLR

Hutchinson RT 1

Lightweight Obermayer 3

Mavic Cosmic Carbone SLR

Pro RC 50

Reynolds RZR 46T

Reynolds Strike

Roval Rapide SL 45

Shimano Dura-Ace C50-CL

SRAM S 60

Tune Schwarzbrenner 58

Vision Trimax Carbon

Testsieger 1: Citec „6000 CX“ mit vernieteter Alu-Flanke

Testsieger 2: Klassiker von Lightweight, Modell „Obermayer 3“

Leichtbau extrem: Das Reynolds „RZR 46T“ wiegt als Satz nur 920 Gramm!

Sehr schnell: Eastons „EC90 TT“ hat im Test die höchste Felge

In Verbindung mit schlauchlosen Reifen extrem windschnittig: Hutchinson „RT 1“

Toller Allrounder: Shimanos „Dura-Ace“-Rad mit Drahtreifenfelge

Schnell durch die bauchige Felge: SRAM „S 60“

Robert Kühnen am 22.07.2010