Rose Xeon mit Shimano 105 Rose Xeon mit Shimano 105
Komplettgruppen

Test 2015: Shimano 105

Jens Klötzer am 24.10.2014

Shimanos 105-Schaltgruppe ist seit über 30 Jahren das Komponenten-Ensemble mit dem bestem Preis-Leistungs-Verhältnis. TOUR hat den ersten umfassenden Labor- und Praxistest der neuen Generation gemacht, die nun auch elf Ritzel zu bieten hat

Vor gut 30 Jahren brachte Shimano die erste Generation der Schaltgruppe 105 auf den Markt. Damals hatte sie den Beinamen Golden Arrow – die dreistellige Zahl war lediglich die inoffizielle Seriennummer. Die Gruppe ­sollte eine preiswerte Alter­native für ­Hobby-Radsportler sein und die damals recht große Lücke zwischen den teuren Rennrad-Gruppen Dura-Ace und 600 (später Ultegra) und den günstigen Sportrad-Angeboten schließen. Das schicke Ensemble mit dem eingravierten goldenen Pfeil und Bogen traf genau den Nerv des Marktes: Die Golden Arrow funktionierte beinahe genauso gut wie die teureren Schwestern, sah auf den ersten Blick auch genauso hochwertig aus – und kostete dabei nur einen Bruchteil dessen, was die ­europäischen Traditionsfirmen zu der Zeit im Rennrad-Programm hatten.

Schnell entwickelte sich die 105 zum Verkaufsschlager und wurde ein Grundstein für die heutige Marktmacht des japanischen Teileproduzenten. Die damals markt­beherrschenden Anbieter aus Italien und Frankreich konnten dem kaum etwas entgegensetzen und nicht wenige mussten bald darauf die Segel streichen. Zeitgleich ­mauserte sich Shimano vom Hersteller von kopierten Teilen zum Trendsetter, der mit hoher Schlagzahl eine Innovation nach der ­anderen herausbrachte und das Rennrad nachhaltig veränderte: Kassettennaben, gerasterte Schaltungen, Aero-Bremshebel, Dual-Pivot-Bremsen oder integrierte Schaltbremshebel sind nur einige der vielen Neuerungen, die in den Folgejahren zum technischen Standard wurden.

Monopol in der Mittelklasse

Shimano 105 2015

Das neue Shimano-105-Elffach--Schaltwerk ist an die ­Designsprache angepasst.

Für das Modelljahr 2015 wird nun die sechste Generation des Bestsellers 105 aufgelegt. Die erste Seriennummer behielt man als Tribut an den Erfolg als Modellnamen bei, die interne Bezeichnung änderte sich über die Jahre und lautet inzwischen 5800. Nach wie vor steht sie an dritter Stelle in der Shimano-Hierarchie, hat aber heute noch drei preiswertere Gruppen unter sich und findet sich damit in der Mittelklasse wieder. Darin nimmt sie fast eine Monopolstellung ein, denn die Marktanteile der Konkurrenten Campagnolo und SRAM sind abseits des High-End-Marktes verschwindend gering. Die 105 hat über die Jahre ihren Ruf gefestigt, für etwa die Hälfte des Preises annähernd die Funktionen einer Profi-Gruppe zu bieten, wenn man Kompromisse bei Gewicht und Optik eingeht. Ob das auch für die jüngste Generation gilt, haben wir in diesem ausgiebigen Test überprüft.

Shimano 105 2015

Das Schaltverhalten des Shimano-105-Umwerfers erreicht mit dem verlängerten Hebelarm und den beschichteten Schaltzügen eine neue Qualität.

Wie in Shimanos Produktstrategie üblich, bekommt die 5800 etwas zeitverzögert die Features der zuletzt renovierten Gruppen Dura-Ace und Ultegra weitergereicht – am deut­lichsten zu erkennen am elften Ritzel am Hinterrad. Bremsen, Kurbel und Umwerfer sind ebenfalls überarbeitet. Die hauptsächlich aus Aluminium bestehende Gruppe trägt das neue Shimano-Design und kommt in den Farb­optionen Silber oder Schwarz eloxiert; bei Letzterer wechseln sich viele matte mit wenigen glänzenden Flächen ab. Im Detail ist die Gruppe sehr sauber verarbeitet, alle Teile sind sehr passgenau; am Rad montiert, wirken ihr einfarbiges Design und der große Anteil matter Flächen sehr schlicht, zum Teil wie Kunststoff. Die gesamte Gruppe ist etwa 250 Gramm schwerer als die höherwertige Ultegra, funktionale ­Einbußen bringt das jedoch kaum mit sich. Die technischen Unterschiede zu den teuren Gruppen ergeben sich vor allem aus der Qualität der verwendeten Schrauben, Nieten und anderer Kleinteile sowie aus den Lagerungen der beweglichen Komponenten. Beim Gewicht hat die Neue im Vergleich zur Vorversion etwa 60 Gramm ver­loren – damit wiegt sie aber immer noch fast 500 Gramm mehr als die aktuelle Dura-Ace.

Shimano 105 2015

Die neuen Shinano-105-Bremsen sind eine spürbare Verbesserung, auch wenn sie wegen einfacherer Lager und nicht beschichteter Züge nicht ganz so gut dosierbar sind wie bei ­Ultegra und Dura-Ace.

Liegt gut in der Hand

Bei der Testfahrt fällt auf, dass vor allem Ergonomie und Bedienung eine Klasse besser geworden sind. Die Körper der Schaltbremsgriffe sind schmaler gestaltet und liegen besser in der Hand als die voluminösen Vorgänger. Der Bremsgriff besteht aus Aluminium, seine nach außen geschwungene Form verbessert die Erreichbarkeit. Die Griffweite lässt sich nun stufenlos mit einer Schraube einstellen, die bisher verwendeten Einlegekeile aus Kunststoff werden überflüssig. 

Shimano 105 2015

Die neuen Shimano-105-Hebel liegen besser in der Hand, die Griffweite lässt sich jetzt stufenlos verstellen.

Die Schaltung beeindruckt mit sehr niedrigen Bedienkräften, dennoch bleibt der Klick beim Gangwechsel deutlich hör- und spürbar. Den Kettenblattwechsel er­ledigt der neue Umwerfer mit dem langen Hebelarm noch einmal besser, seine Einstellung ist aber aufwen­diger als bei den früheren Generationen. Die neuen Züge mit einer strukturierten Teflon-Beschichtung haben großen Anteil an den guten Schalteigenschaften. Nachteil: Unerfahrenen Mechanikern gelingt es kaum, die Züge so zu montieren, dass die Beschichtung keinen Schaden nimmt. Das verlangt Fingerspitzengefühl, denn die weiche Schicht löst sich beim unvorsichtigen Durchfädeln schnell vom Zug ab – das kann die Mechanik schwergängig machen und die Zugreibung stark erhöhen. Die Bremszüge sind nicht beschichtet, zusammen mit den einfacheren Lagerungen der Bremsarme ist das System etwas weniger kräftig und feinfühlig als die Profi-Ver­sion. Die neue, sehr steife Konstruktion der Bremskörper ist aber dennoch eine spürbare Verbesserung ­gegenüber der Vorgängergruppe 5700. Versionen für den neuen Direct-Mount-Standard wird es auch geben, darunter zwei Hinterradbremsen für die Montage am Sitzsteg oder unter dem Tretlager.

Neue Strategie

Neben dem zusätzlichen elften Ritzel ist vor allem die Kurbel neu. Der Shimano-Standard mit vier Aufnahmen für die Kettenblätter wird auch auf die 105 angewandt, der neue Lochkreis funktioniert mit allen angebotenen Kettenblattkombinationen. Ein Vorteil: Wer seine Übersetzung anpassen will, muss nun nicht mehr die Kurbel zwischen Kompakt- und Standardlochkreis wechseln, sondern nur die Kettenblätter tauschen. Zur Auswahl stehen zunächst die Kombinationen 50/34, 52/34 und 53/39, die bisher erhältliche Dreifach-Version wird ersatzlos gestrichen – die jetzt elf Ritzel sollen das nötige Spektrum abdecken und die Gangsprünge in erträg­lichen Grenzen halten.

Shimano 105 2015

Der Lochkreis mit vier Aufnahmen wird auch für die neue Shinano-105-Kurbel übernommen.

Dafür können Ritzelpakete mit bis zu 32 Zähnen ge­fahren werden, nachdem Shimano schon innerhalb der 5700-Reihe von 28 auf 30 aufgestockt hatte. Für die ­beiden größten Kassetten wird ein optional erhältliches Schaltwerk mit längerem Käfig empfohlen.

Das Elffach-Schaltwerk gibt sich ansonsten unauffällig und nur optisch modernisiert; aufgefallen ist uns, dass der Zug zwischen Hüllenanschlag und Klemmung an der Führung stark geknickt wird, wenn sich die Kette auf dem kleinsten Ritzel befindet. Ein kurzer Kunststoff-­Liner soll an dieser Stelle den Zug schonen. Ob das ausreicht, wird sich im Dauerbetrieb zeigen.

Dass die Schaltqualität von Shimanos vor­derem Umwerfer die der Wettbewerber übertrifft, liegt seit 2009 vor allem am Design der Kettenblätter. Die Innenseite ist zum kleinen Blatt hin gewölbt und fängt die Kette beim Schaltvorgang möglichst früh auf. Während das große Blatt bei Ultegra und Dura-Ace hohl ist und aus zwei verklebten Teilen ­besteht, ist das der 105 einfacher hergestellt. Es ist einteilig, hat außen die Form des Kurbel­sterns und auf der Innenseite 36 Verstärkungsrippen, die wie Turbinenschaufeln angeordnet sind und die entsprechende Nähe zum kleinen Blatt herstellen. Ob es am Design der Kurbel oder des Kettenblattes liegt, lässt sich schwer beurteilen, unsere Messungen zeigen jedoch, dass die neue Kurbel damit 20 Prozent weniger steif ist als ihre Vorgängerin. Hobbysportler dürfte das kaum stören, zumal die 5700 zu den steifsten Kurbeln überhaupt gehörte.

Die Verschleißfestigkeit von Kettenblättern und Ritzeln hat sich nach unseren Härtemessungen etwas verringert – aber nicht signifikant; der Unterschied dürfte sich in der Praxis kaum bemerkbar machen. Die Elffach-Kette zeigt auf dem Dauer-Prüfstand eine solide Leistung etwa auf Ultegra-Niveau; nur eine Dura-Ace-Kette hält deutlich länger.

Erwartungen erfüllt

Die neue 105 wird mit dieser Leistung kaum Marktanteile einbüßen, zu groß ist der Vertrauensvorsprung von Käufern und Herstellern, die auch diesmal nicht enttäuscht werden. Alle Teile funktionieren hervorragend – unbesehen sind sie von einer Top-Gruppe kaum zu ­unterscheiden. Dazu kommt das unschlagbare Preis-Leistungs-Verhältnis: Online-Händler ­offerieren die Gruppe bereits für deutlich weniger als 500 Euro, womit die 105 die günstigste ­Elffach-Gruppe am Markt ist. SRAMs Rival 22 kostet etwa 20 Prozent mehr. Und auch wenn die Rangordnung innerhalb der Shimano-Familie im Design wieder etwas deutlicher zu erkennen ist – grundsätzlich birgt die aktu­elle 105 fast alle Erfolgsgeheimnisse einer alten Golden Arrow.

DAS TESTRAD: ROSE XEON

Rose Xeon mit Shimano 105 2015

Das Testrad: Rose Xeon mit Shimano 105 2015

Leichter und und fahrstabiler Alu-Rahmen mit sportlicher, aber nicht zu gestreckter Sitzposition. Beeindruckendes Preis-Leistungs-Verhältnis.

Im ersten Praxistest musste sich die Shimano 105 an einem Rose Xeon RS beweisen. Das Rad steht exemplarisch für die 105-Räder der kommenden Saison, denn in dieser Preisklasse lohnt es sich nach wie vor, einem ­guten Aluminiumrahmen gegenüber Carbon den Vorzug zu geben. Das Set basiert auf einem alten Bekannten, der in TOUR-Tests regelmäßig gut ­abgeschnitten hat und für das Modelljahr 2015 noch einmal überarbeitet wurde. Stärken sind das beeindruckend geringe Set-Gewicht von Rahmen und Gabel, das mit einer neuen Legierung und optimierten Schweißverfahren noch einmal gedrückt werden konnte, sowie die hohe Fahrstabilität. Damit stellt das Xeon RS so manche Mittelklasse-Carbonrahmen in den Schatten. Überarbeitet wurde auch die Geometrie: Die bisher sehr rennmäßige Sitzposition wurde etwas entschärft, wobei das Rad immer noch sportlich ausfällt. Dank Versender-Vorteil und Top-Funktion der Ausstattung bekommt man mit dem Rose beeindruckend viel Rennrad fürs Geld.

Preis Komplettrad 1.349 Euro
Gewicht 7,5 Kilo
Erhältlich über den Versandhandel / Baukasten

Bezug/Info  www.roseversand.de

Gewicht Rahmen/Gabel/Steuer­lager**  1.134/323/60,4 Gramm 
Rahmengrößen***  49,51,53, 55, 57, 59, 61 cm   
Sitz-/Lenkwinkel  74°/73° 
Sitz-/Ober-/Steuerrohr  540/555/ 162 mm plus 26 mm Steuersatzkappe 
Radstand/Nachlauf  990/55 mm  
Stack/Reach/STR**** 560/393 mm/1,42

AUSSTATTUNG

Lenklager  Rose, oben 1-1/8, unten 1-1/2 Zoll  
Bremsen/Schaltung  Shi­mano 105 11-fach  
Tretlager  Shimano 105 (50/34 Z., Pressfit)  
Laufräder/Reifen  Mavic Ksyrium Equipe S/Mavic Yksion Comp 23C  
Lenker/Vorbau  Ritchey WCS Evo Curve/Ritchey WCS  
Sattel/-stütze  Selle Italia SLS Momo Link/Ritchey Carbon WCS (27,2 mm)

MESSWERTE & EINZELNOTEN

Gewicht Komplettrad  7,5 Kilo
Normiertes Gewicht Rahmen-Set*****1.558 Gramm2,3
Lenkkopfsteifigkeit  98 Nm/°1.0
Seitensteifigkeit Gabel  55 N/mm1.0
Tretlagersteifigkeit  51 N/mm2,7
Komfort Rahmen  119 N/mm1,3
Komfort Gabel 70 N/mm2,0

Rose Xeon mit Shimano 105 2015

Rose Xeon mit Shimano 105 2015

Shimano 105 2015 Bewertung

BEWERTUNG: Im Vergleich zur vorangegangenen Generation spart die neue Shimano 105 nur marginal Gewicht, hat dafür aber auch ein Ritzel mehr. Beim Antrieb führen die deutlich geringere Steifigkeit der Kurbel und etwas schlechtere Verschleißwerte zu Abwertung, für Hobbyfahrer ist das aber kaum von Bedeutung. Schaltverhalten und Bremsen der Neuen sind klar besser.

* In die Gesamtnote gehen das Rahmen-Set mit 40 Prozent, die Ausstattung mit 60 Prozent ein. In diese Bewertung fließen Einzelnoten ein, die wir aus Platzgründen nur zum Teil abdrucken. Die Noten werden bis zur Endnote mit allen Nachkommastellen gerechnet; zur besseren Übersichtlichkeit geben wir aber alle Noten mit gerundeter Nachkommastelle an.
** Gewogene Gewichte.
*** Herstellerangaben; Testgröße fett.
**** Stack/Reach: projiziertes senkrechtes/waagerechtes Maß von Mitte Tretlager bis Oberkante Steuerrohr;
STR (Stack to Reach): 1,36 bedeutet eine sehr gestreckte, 1,60 eine aufrechte Sitzposition.
***** Bereinigtes Gewicht für Rahmengröße 57 cm und Gabelschaftlänge 225 mm.

SHIMANO 105 – DIE GENERATIONEN IM ÜBERBLICK
Die Entwicklung der 105  (Baujahre – Modellnamen – Besonderheiten)

Shimano 105 Generationen

Die erste Shimano-105-Gruppe trug den Namen "Golden Arrow" und war Verkaufsschlager der 1980er-Jahre.

1983–1985 Golden Arrow (105), Fünffach, Unterrohr-Friktionsschalthebel

1985–1989 105 (1050/1051) – Sechsfach, UniGlide-Kassettennabe, gerasterte SIS-Unterrohr-Schalthebel (Shimano Integration System). Ab 1987 (1051) siebenfach, Biopace-Kettenblätter, Bremshebel mit Aero-Zugverlegung am Lenker

1990–1999 105 SC (1055/1056/1057) – Siebenfach, Dual-Pivot Bremsen, HyperGlide-Kassette und -Nabe. Ab 1995 (Modell 1056) Achtfach, STI-Schaltbremshebel (Shimano Total Integration), Klickpedale, optional Dreifach-Kurbel (Modell 1057)

2000–2006 105 (5500) – Neunfach, Octalink-Tretlager

2007–2010 105 (5600) – Zehnfach, Hollowtech-II-Tretlager, optional Kompaktkurbel (5650)

2011–2014 105 (5700) – Zehnfach, am Lenker verlegte Schaltzüge, gewölbtes Kettenblatt

Jens Klötzer am 24.10.2014