Campagnolo Disc 2017 Campagnolo Disc 2017

Neuheiten 2018: Hydraulische Scheibenbremsen von Campagnolo

Italo Disco: Campagnolo präsentiert Scheibenbremsen

Manuel Jekel am 09.05.2017

Nach mehrjähriger Entwicklung und längerer halböffentlicher Erprobungsphase bringt Campagnolo die ersten Scheibenbremsen der Firmengeschichte auf den Markt - für mechanische Schaltgruppen und EPS.

Große Stückzahlen erhoffen sich die Italiener vor allem von der neuen Mittelklassegruppe Potenza 11DB, die der in Kürze erwarteten neuen Ultegra von Shimano das Leben schwer machen soll. Darüber angesiedelt und deutlich teurer sind die gruppenübergreifenden H11-Hebel und -Bremsen. Mit ihnen können die High-end-Gruppen Super Record, Record und Chorus zu Disc-Gruppen aufgerüstet werden. Abgerundet wird das Programm durch spezielle neue Kurbeln für Disc-kompatible Rahmen.

Besonders große Hoffnungen setzt Campagnolo auf die Mittelklassegruppe Potenza 11DB, mit der die Italiener dem übermachtigen Konkurrenten Shimano Marktanteile abjagen wollen. Die Potenza 11DB rangiert auf dem Niveau der Shimano Ultegra und dürfte an Rädern ab ca. 4.000 Euro zum Einsatz kommen. Um den Preis im Rahmen zu halten, verzichtet Campagnolo bei der Potenza 11DB weitgehend auf teures Carbon. Bremshebel, Schaltwerk und die innen hohlen Kurbeln im modernen Vierarm-Design bestehen aus Aluminium. Im Inneren der Bremsschalthebel verrichtet die kostengünstigere Power-Shift-Schaltmechanik ihren Dienst, bei der Gangwechsel auf kleinere Ritzel schrittweise erfolgen. Wie die konventionelle Potenza ist auch die Potenza 11DB in schwarzem und silbernem Finish erhältlich.

Fotostrecke: Scheibenbremsen Campagnolo 2018

Scheibenbremsen Campagnolo 2018
Scheibenbremsen Campagnolo 2018
Scheibenbremsen Campagnolo 2018
Scheibenbremsen Campagnolo 2018
Scheibenbremsen Campagnolo 2018
Scheibenbremsen Campagnolo 2018
Scheibenbremsen Campagnolo 2018
Scheibenbremsen Campagnolo 2018
Scheibenbremsen Campagnolo 2018
Scheibenbremsen Campagnolo 2018

Über der Potenza 11DB rangiert die H11-Variante. Hier handelt es sich allerdings nicht um eine komplette Gruppe, sondern um ein Ensemble aus Ergopower-Bremsschalthebeln und Bremsen ohne Gruppenzuordnung. Die H11-Bauteile ergänzen die Top-Gruppen Super Record, Record und Chorus und sind für mechanische Schaltungen sowie für das elektrische EPS-Schaltsystem lieferbar, ausgenommen die EPS-Variante der Chorus. Im Unterschied zur Potenza 11DB verfügen die mechanischen H11-Hebel über die Ultra-Shift-Schaltmechanik, bei der die Kette beim Herunterschalten gleichzeitig um drei Ritzel und beim Heraufschalten um bis zu fünf Ritzel geschaltet werden kann. Außerdem bestehen die Bremshebel der H11-Ergopower-Varianten aus Carbon.

Griffform und Ergonomie der Ergopower-Hebel sind bei Potenza 11DB und H11 weitgehend identisch. Um Platz für die Hydraulikzylinder zu schaffen, wurden die Griffkörper gegenüber den konventionellen Ergopower-Hebeln um acht Millimeter nach oben verlängert. Zugleich sind sie in der Mitte etwas stärker tailliert als ihre mechanischen Pendants. Die Bremshebel sind wie bei Shimano und SRAM leicht nach außen gestellt. Die Griffweite lässt sich per Inbus stufenlos einstellen. Außerdem kann je nach persönlicher Präferenz zwischen einer Bremseinstellung mit kurzem Hebelweg und hartem Anschlag und einem weicheren Set-up mit mehr Hebelweg gewählt werden.

Die Bremssättel von Potenza 11DB und H11 sind formal identisch, bestehen aber aus unterschiedlichen Materialien und sind dank Flatmount-Standard mit den meisten aktuellen Disc-Rahmen kompatibel. Für die unterschiedlichen Scheibendurchmesser 160 und 140 Millimeter bietet Campa jeweils eigene Bremssättel. Dabei sind 160-Millimeter-Discs als Standardlösung für das Vorderrad vorgesehen, während hinten zwischen 160 und 140 Millimetern gewählt werden kann; für Fahrer über 80 Kilo empfiehlt Campagnolo auch am Hinterrad die größere Scheibe. Damit gehen die Italiener einen anderen Weg als die Konkurrenten Shimano und SRAM, die für ihre diversen Disc-Gruppen nur je einen Bremssattel anbieten, der mit Adaptern auf die unterschiedlichen Scheibengrößen abgestimmt wird. Die organischen Bremsbeläge sollen extrem hitzeresistent sein und verfügen über einen Verschleißindikator, der anzeigt, wann die Beläge ausgetauscht werden müssen. Die Beläge sind an den Kanten so geformt, dass die Bremsscheibe beim Radwechsel von selbst ihren Weg findet. Für eine geringere Verletzungsgefahr sind die aus Stahl gefertigten Bremsscheiben an den Kanten abgerundet. Bei der Entwicklung der Bremsen arbeitete Campagnolo mit dem schwäbischen Spezialisten Magura zusammen.

Als Ergänzung zu den H11-Scheibenbremsen bietet Campagnolo überarbeitete Kurbelgarnituren für die Gruppen Super Record, Record und Chorus an. Die Kurbeln sind speziell für Rahmen mit einer Einbauweite von 142 Millimetern am Hinterrad ausgelegt. Durch den gegenüber Felgenbremsmodellen breiteren Hinterbau verschiebt sich die Kettenlinie bei diesen Rahmen leicht nach außen. Um eine optimale Schaltfunktion sicherzustellen, rücken die Kettenblätter bei den H11-Kurbeln im Vergleich zu Standardkurbeln ebenfalls etwas nach außen. Der oft als Q-Faktor bezeichnete Abstand zwischen den Pedalen bleibt jedoch unverändert.

In Bezug auf die Preisgestaltung bleibt es beim Grundsatz, dass es schon immer etwas teurer war, Campagnolo zu fahren. Für die Potenza 11DB-Gruppe summieren sich die Preise aller Brems-, Schalt- und Antriebskomponenten auf rund 1.900 Euro; Ergopower-Hebel und Bremsen der Potenza 11DB kommen inklusive Scheiben auf rund 1.050 Euro. Für die mechanischen H11-Ergopower-Hebel samt Bremsen werden ca. 1.300 Euro fällig, für die EPS-Version sogar 1.434 Euro. Schalt- und Antriebskomponenten sind hier nicht inklusive. Die Auslieferung der schwarzen Version der Potenza 11DB beginnt im Juni, alle weiteren neuen Komponenten und Laufräder sollen spätestens bis September lieferbar sein.

Manuel Jekel am 09.05.2017
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