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Ketten

Einzeltest: Rotor-Kettenblätter

Robert Kühnen am 12.12.2011

Ovale Kettenblätter sollen den Tritt verbessern und die Leistung erhöhen. Können sie das? Wir haben die Q-Rings von Rotor ausprobiert.

Der Tritt des Radlers aufs Pedal ist – nicht perfekt. Jedenfalls verglichen mit einem gleichmäßig drehenden Motor. Die von den Muskeln abgegebene Energie schwankt stark im Verlauf einer Kurbelumdrehung. Der Radler bringt also nicht in jeder Kurbelposition gleich viel Kraft aufs Pedal. 

Ziel: runder Tritt

Diese pulsierende Leistung spornt Erfinder immer wieder an, technische Lösungen zu ersinnen, um den Tritt zu optimieren. Der spanische Hersteller Rotor ist nicht der erste, der mit ovalen Kettenblättern den Tritt „runder“ machen will. Die Idee: Die Totpunkte sollen schneller überwunden werden, die Zeit der Druckphase verlängert und die Tretbewegung insgesamt effizienter.

Vom bislang bekanntesten Ovalisierungsversuch – Shimanos Biopace aus den 1980er-Jahren – unterscheiden sich die Rotorblätter in zwei Punkten wesentlich: Die Rotor-Blätter sind, wenn die Kurbel waagerecht steht, hochoval statt queroval; und sie lassen sich innerhalb gewisser Grenzen verdrehen, um so den Druckpunkt an die Position und Tretbewegung des Fahrers auf dem Rad anzupassen.

Tretgefühl: unrund

Wechselt man vom runden auf das ovale Kettenblatt, spürt man beim Treten deutlich, wie das Bein am Beginn der Streckung gegen einen kleineren Widerstand arbeiten muss, der mit zunehmender Beinstreckung (und -kraft) wächst. Ein Rotor-Blatt mit 53 Zähnen vereint im Verlauf einer halben Umdrehung die Wirkung eines runden 51er- und eines 56er-Blattes – Letzteres wirkt etwa in Vier-Uhr-Stellung der Kurbel. Das fühlt sich nach kurzer Eingewöhnung in der Druckphase ganz gut an – vor allem schwere Gänge lassen sich subjektiv leichter bewegen, am Ritzelpaket kann man einen Zahn weniger auflegen. Bei geringer bis mittlerer Tretleistung bleibt das Tretgefühl mit Rotorblättern – nach unserer Erfahrung – jedoch auch nach längerer Eingewöhnung unrund. Insbesondere im oberen Teil der Zugphase kollidieren offenbar jahrelang einstudierte Tretmuster und die vom Oval vorgegebene beschleunigte Bewegung, die dem Fahrer ein neues Tretmuster aufzwingen soll.

Anders beim Rollentraining: Hier kompensieren die Q-Rings die geringe Schwungmasse kleinerer Rollenbremsen und machen den Tritt spürbar runder.

Fährt man mit dem Rotor-Oval nun schneller? Rotor sagt ja und beruft sich dabei auf eine nicht veröffentlichte Studie der Universität Valladolid. Die Wissenschaftler dokumentierten bei Tests mit Radsportlern auf der Rolle geringe Leistungssteigerungen von zwei bis vier Prozent bei wiederholten Sprints und niedrigere Laktatwerte bei Dauerbelastungen. Statistisch abgesichert sind die Ergebnisse aber nicht. Wir konnten bei unseren Fahrten mit Powermeter keinen Leistungsgewinn ermitteln. Radhändler und Positionsexperte Fritz Buchstaller aus Hilpoltstein, der schon viele Triathleten mit Q-Rings ausgestattet hat, findet, „dass der Tritt runder wird und man entspannter in der Aeroposition fahren kann, wenn die Blätter richtig montiert werden.“ Höhere Wattwerte konnte aber auch Buchstaller nicht messen.

Der bekannte US-Coach Joe Friel empfiehlt Rotor-Blätter für „Stampfer“ – Fahrer, die drücken, aber kaum am Pedal ziehen. Der Biomechaniker und Trittexperte Wolfgang Petzke (caloped.de) steht der Argumentation, mit der ovale Blätter angeboten werden, sehr skeptisch gegenüber. Der Wirkungsgrad des Tretens hängt seiner Meinung nach wesentlich vom richtigen Einfühlen in die Bewegung ab, also vom richtigen Timing der Muskelansteuerung und der resultierenden Leistung der Muskelbewegungen und weniger von der Form des Kettenblatts oder der resultierenden Kräfte. Laut Petzke kann man sein Tretmuster auch verändern, indem man sich bewusst auf das Heben und Senken seiner Beine konzentriert. vorteile, aber keine Garantie.

Unsere Meinung: Die einstellbaren und relativ sanft ovalisierten Q-Rings sind das bislang interessanteste Angebot zum Thema ovale Blätter. Die Q-Rings glätten das Drehmoment etwas und versprechen vor allem wenig geübten Fahrern Vorteile. Eine Garantie für mehr Tempo und Wohlbefinden sind sie aber nicht. Die Trettechnik kann man auch unabhängig von der Form des Kettenblatts verbessern.

Bezug Fachhandel
Infos www.rotorbike.com
Kosten rund 180 Euro für ein Paar Blätter, Versionen für alle Lochkreise in kompakt und normal erhältlich

Robert Kühnen am 12.12.2011